Schlechtwetter

Ein Hauch von Woodstock beim Auftakt der Classic Open Air

"Jetzt wissen Sie, warum ich so graue Haare habe", sagt Gerhard Kämpfe.

Da ist es 18.45 Uhr, ein dreiviertel Stunde vor dem Auftaktkonzert der Classic Open Air, und der Regen wird stärker. Er telefoniere jede halbe Stunde mit dem Wetterdienst Potsdam, erzählt der Festivalleiter, um zu erfahren, ob das Gewitter auf den Gendarmenmarkt zusteuere. Mit nahezu bösartiger Pünktlichkeit sind Donner fünf Minuten vor Konzertbeginn zu vernehmen, und sie werden den Abend nie verstummen.

Guten Umsatz machen die jungen Damen, die durchsichtige Regencapes für einen Euro anbieten. Sie bieten ein wenig Schutz, machen die Veranstaltung aber zu einer modisch problematischen Angelegenheit, hatten sich doch viele Besucher für diesen Abend besonders herausgeputzt (andere kamen, so ist das halt, mit Badelatschen). Man kann einen durchnässten Abend wie die Frau hinter einem ("Bei Woodstock hat es auch geregnet") mit Galgenhumor nehmen, aber es ist unter dem Strich vor allem bitter, dass eine Veranstaltung, auf die sich die Zuschauer so gefreut haben und die Tickets mit Preisen zwischen 45,50 und 89,50 Euro auch nicht gerade geschenkt bekamen, so ein ungemütlicher Event wird. Herbert Feuerstein verstieß zudem gegen die Grundregel jeder Moderation, die da lautet: Mache nie Witze über Regen, wenn du im Trockenen stehst und der Rest langsam aufweicht. Die Künstler konnten einem leid tun, allen voran Johanna Winkel, deren durchdringender Sopran auch klar in die letzten Reihen drang. Nach 95 Minuten war Schluss; das stärker werdende Gewitter veranlasste die Veranstalter, das Konzert abzubrechen. Die Zuschauer verließen verkühlt und leicht genervt den Platz. Man konnte ja nicht mal jemanden für das Wetter verantwortlich machen.