Streitfall

Berliner Künstler gibt auf: Stein kann nach Venezuela zurück

Unklar ist, wer den Transport nach Südamerika finanziert

Wolfgang von Schwarzenfeld wollte die Welt eigentlich ein bisschen besser machen, als er vor 15 Jahren für sein Projekt "Global Stone - A Worldwide Peace Project" fünf Steine im Tiergarten installierte, die bedeutungsschwere Namen trugen: Erwachen, Hoffnung, Vergebung, Frieden und Liebe. Das Kunstwerk war damit vollendet. Die Liebe, sagt Schwarzenfeld, wird wohl bald abtransportiert.

Nach Jahren des Streits hat sich der Skulpturkünstler am Mittwoch dazu bereit erklärt, den 35 Tonnen schweren Findling an seinen Ursprungsort in Venezuela zurückzugeben. "Damit ziehe ich die Reißleine. Ich gebe den Stein aber nicht der Regierung zurück, sondern den Menschen, die meine Sympathie haben", sagt der 79 Jahre alte Künstler. Im Streit um den sogenannten Kueka-Stein steht Aussage gegen Aussage, die venezolanische Sicht gegen die Sicht des Künstlers.

"Der Stein ist ein einzigartiger Bestandteil des Kunstwerks, das mit seiner Wegnahme auseinanderbricht. Das ist, als wenn man bei einem Picasso aus der Ecke ein Stück herausreißt. Man zerstört das Werk", sagt der Berliner. Ganz anders sieht das der Präsident des Nationalen Instituts für das Kulturerbe in Venezuela, Raul Grioni. "Wir werden, wenn es nötig ist, noch in hundert Jahren den Kueka-Stein zurückfordern", sagte er Anfang der Woche. Der heilige Stein sei im Jahr 1998 illegal aus Venezuela nach Berlin gebracht worden.

Bei Wolfgang von Schwarzenfeld verursacht das Kopfschütteln. "Das ist alles zurechtgebogen. Der Stein wurde erst vor zwei Jahren heiliggesprochen. Neuerdings, das ist die Krönung, soll er auch noch Kulturerbe sein", sagt der 79-Jährige. Er habe alle notwendigen Genehmigungen bei der Ausfuhr vorgelegt und seinerzeit eine Ausfuhrerlaubnis sowie die Schenkungsurkunde erhalten. Denn der umstrittene Stein sei damals ein Geschenk der ehemaligen Regierung der Republik Venezuela an das deutsche Volk gewesen. Schwarzenfeld sieht in den neuerlichen Protesten ein perfides Wahlkampfmanöver des Staatspräsidenten Hugo Chávez. "Es liegt doch sehr nahe, dass der Präsident für die Wahlen im Oktober die Ureinwohner mobilisieren will", sagt der Skulpturenkünstler.

Die venezolanische Öffentlichkeit erreicht hat das Thema zweifellos. Erst vor einigen Tagen hatten rund 50 Ureinwohner vor der deutschen Botschaft in Caracas protestiert und die Rückgabe des heiligen Steins gefordert. Der Kueka-Stein stammt aus der Gebiet Gran Sabana im Südosten des Landes, wo der indigene Volksstamm der Pemón lebt, der den Stein verehrt. "Die Politiker machen mich jetzt für alles Schlechte verantwortlich, weil ich angeblich Diebstahl begangen habe: Die Ureinwohner glauben jetzt, dass mit der Wegnahme des Steins Trockenperioden und Überschwemmungen kamen", sagt Schwarzenfeld.

Zudem schlug der Streitfall nicht nur in der nationalen Berichterstattung Wellen, sondern auch in der internationalen Presse und im Internet. Auf der Internetplattform YouTube kritisiert der venezolanische Aktivist und Ökologe Jede Alarcon: "Dieser Mann hat beschlossen, den Kueka-Stein mitzunehmen, ohne sich um die kulturellen Werte der Pemón zu kümmern." Bei so viel Gegenwind will Schwarzenfeld einen neuen Stein suchen, diesmal sicher nicht in Venezuela. Er wartet jetzt auf ein Angebot der venezolanischen Regierung, um den Abtransport zu finanzieren.