Triathlon

Die eisernen Athleten von Berlin

Gelungene Premiere des offiziellen "5150 Triathlon" in der Hauptstadt: 1000 Sportler aus 30 Nationen gehen an ihre Grenzen

Schwimmen, Radfahren, Laufen - jede Disziplin für sich gesehen ist Breitensport. Werden alle drei Sportarten in einem Wettkampf vereint, ist die Rede von einem Triathlon. Und dieser außergewöhnliche Wettkampf ist mindestens so weit vom Volkssport entfernt, wie Berlin von Hawaii. Der US-Bundesstaat gilt als die Wiege des legendären Triathlon-Klassikers, des Ironman.

Dass die Verbindung der drei Disziplinen in einem Wettkampf immer beliebter wird, zeigt sich am Sonntag bei der Premiere des offiziellen "5150 Triathlon Berlin". Knapp 1000 Teilnehmer aus 30 Nationen sind um 8 Uhr am Start - besser, sie tauchen am Badeschiff der Arena in Treptow in die 20 Grad warme Spree. Mit dabei sind auch die Teilnehmer des Morgenpost-Teams. Fünf Männer und eine Frau hatten sich beworben und wurden von der Redaktion und dem Sportclub Charlottenburg (SCC) ausgewählt.

Der Countdown bis zum Start wird von den Zuschauern am Ufer der Spree mitgezählt. Dann fällt der Startschuss. Die Spree verwandelt sich in ein schäumendes und brodelndes Gewässer, als mit der ersten Starterwelle mehrere Hundert Athleten loskraulen. Vor ihnen liegt eine Runde von 1500 Metern. Während die Schwimmer unterwegs sind, atmen die Verantwortlichen durch. Bis zur letzten Minute ist es unklar, was man bei neuen Gewitterwarnungen machen könne. "Wir hatten einen Plan B", sagt der Geschäftsführer von SCC-Events, Jürgen Lock. "Bis zu 30 Minuten hätten wir den Start verschieben können, ansonsten hätten wir notfalls aufs Schwimmen verzichtet und einen Duathlon gemacht." So weit kommt es glücklicherweise nicht. Blauer Morgenhimmel, Sonnenschein, kaum Wind - nahezu ideale Wettkampfbedingungen. Bevor die Sportler der zweiten Wettkampfklasse ins Wasser steigen, applaudieren sie den ersten drei Profis, die bereits nach rund 17 Minuten aus dem Wasser steigen und in die Wechselzone rennen. Vor ihnen liegen 40 Kilometer auf dem Rad. Sieben durch Neukölln und Kreuzberg, 33 Kilometer in drei Runden auf dem Tempelhofer Feld.

Rund 200 Zuschauer sehen zu, wie die Sportler durch die Spree kraulen. Die meisten der Zuschauer begleiten Freunde, Bekannte und Familienmitglieder auf diesem Wettkampf. "Hier beim Schwimmen kann ich nur zusehen", sagt Christine Stross. "Ich hoffe aber, dass ich meinen Freund nachher auf dem Flugfeld beim Laufen anfeuern kann."

Es ist 9.40 Uhr, als an den ehemaligen Start- und Landebahnen lauter Beifall und Musik Wettkampfatmosphäre aufkommen lassen. Nach 1500 Metern Schwimmen, 40 Kilometern Radfahren und zehn Kilometern Laufen entscheidet der Tscheche Filip Ospaly das Rennen nach 1:47:44 Stunden für sich. Bei den Frauen siegt Radka Vodickova, ebenfalls Tschechin, in 2:03:32 Stunden. Schnellster Deutscher wird der Olympiateilnehmer Christian Prochnow vom Triathlon Potsdam e.V. in 1:50:00 Stunden. Er belegt den dritten Platz.

Auch die Mitglieder des Morgenpost-Teams freuen sich über ihre Zeiten und Leistungen. Der 53-jährige Jörg Preiss, bereits ein echter Ironman, kommt nach ungefähr 2:14:00 Stunden ins Ziel. Damit belegt er den zweiten Platz in der Altersgruppe älter als 50 Jahre. "Ich bin voll zufrieden. Das war ein sehr schöner und von den Veranstaltern toll organisierter Wettkampf", sagt er. "Ein Dank an alle Helfer an den Strecken und in den Wechselzonen." Für Preiss ist der Wettkampf die Vorbereitung auf den "Ostseeman" Anfang August. Bei diesem Triathlon geht es über die Langdistanz: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen.

Schwüle Hitze strengt an

Auch Alexandra Weber aus dem Morgenpost-Team ist nach dem Zieleinlauf nach 2:46 Stunden zufrieden. "Ich hatte auf eine etwas schnellere Zeit gehofft", sagt sie, "aber über dem Flugfeld lag eine schwüle, drückende Hitze." Wie die anderen Athleten auch, stärkt sie sich an den Versorgungsständen gleich hinter der Ziellinie. "Gute Organisation, und das Laufen auf dem Flugfeld hat auch Spaß gemacht", sagt Teammitglied Sascha Schmidt. Er kommt nach 2:22:00 ins Ziel.

Erschöpft ist Stephan Exler, der mit dem "5150" seine persönliche Triathlon-Premiere feiert. "Ich habe noch keine Planung, ob ich noch mal einen Triathlon mitmachen werde", sagt er. "Jetzt erhole ich mich erst einmal und dann werde ich weitersehen." Ausruhen, im Garten grillen und das Endspiel der Fußballeuropameisterschaft ansehen, steht bei Karsten Laborn auf dem Sonntagsprogramm nach dem Rennen. "Ich bin mit meinem ersten Triathlon sehr zufrieden", sagt er. "Aber Laufen liegt mir am meisten."

Das Schwimmen in der Spree sei sehr schwierig, berichten alle. Das Wasser sei so trübe, dass man die eigenen Fingerspitzen und die Füße des Vordermannes nicht erkennen könne. So werde eine Orientierung sehr schwierig. "Vielleicht sollten die Veranstalter auch darüber nachdenken, wie beim Marathon Startblöcke nach Zeiten einzurichten", sagen sie. Beim Triathlon werde nach Alter gestartet, was dazu führe, dass etliche jüngere, aber deutlich langsamere Schwimmer die schnelleren, aber älteren Sportler behinderten. Ansonsten sind sich alle einig, dass es ein sehr schöner und toll organisierter Wettkampf war.

Jürgen Lock vom SCC ist auch zufrieden. Er betrachtet aber den "5150"-Wettkampf in Berlin nicht als das vordergründige Ziel. "Die Triathlon-Szene wartet auf den 70.3", sagt er. "Der erste 70.3 findet am 16. Juni 2013 in Berlin statt. Den wollen wir in der Zukunft massentauglich in Berlin etablieren und für bis zu 2500 Teilnehmer ausbauen."