Deutschlandreise

Wenn Juden und Christen gemeinsam ein Konzert geben

Zum ersten Mal sind 70 jüdische Kantoren auf Deutschlandreise - und in Berlin

Hebräische Gesänge auf der einen Seite, gregorianische Gesänge auf der anderen. Am Sonntag haben ihre Klänge das bis auf den letzten Platz besetzte Kirchenschiff des Berliner Doms erfüllt. Die hellen klaren Frauenstimmen wechselten sich mit dunklen, kräftigen Männerstimmen ab, um sich schließlich in einem Gesang vereinen. Mehr als tausend Besucher, darunter Bundespräsident Joachim Gauck mit Partnerin Daniela Schadt sowie die Botschafter Israels, der USA und aus Kanada, verfolgten das ökumenische Festkonzert der "Cantors Assembly".

Die 70 jüdischen Kantoren aus den USA, Kanada, Europa und Israel sind das erste Mal auf Deutschlandreise. Gemeinsam mit 20 professionellen Sängern aus Berlin gestalteten sie unter der Leitung von Domkantor Tobias Brommann und Kantor Nick Strimple das Programm. "Shared Music-Shared Message" war ein außergewöhnliches und bislang in Deutschland einmaliges Konzert.

"Es ist etwas Besonderes, wenn Juden und Christen gemeinsam ein Konzert geben und das gemeinsame Erbe betonen", sagte der Domkantor vor Beginn der Veranstaltung. Dompredigerin Petra Zimmermann sagte in ihrer Begrüßung, dass sie an einem solchen Tag alle Vorgaben des Protokolls am liebsten beiseite legen wollte. Denn kein Protokoll könne die Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass jüdische Kantoren und christliche Sänger gemeinsam ausgesuchte Psalmenvertonungen aus verschiedenen Jahrhunderten vortragen würden. Mit der Veranstaltung im Berliner Dom will die "Cantors Assembly" nach eigener Auskunft an "die tausendjährige Geschichte der Juden in Deutschland anknüpfen und zeigen, wie viele Texte und Musikstücke Christen und Juden miteinander teilen". Vor allem aber solle das Konzert das gegenseitige Verständnis für beide Religionen vertiefen.

Das Interesse an dem ökumenischen Festkonzert war enorm. Schon eine Stunde vor Beginn strömten die Besucher durch das Portal. Dazu gehörte auch Ute Doepner, die sich beizeiten mit ihrem Mann einen Platz im Kirchenschiff sichern wollte. Das Ehepaar war aus dem Westhavelland angereist, nachdem es in der heimischen Kirchenzeitung von dem Konzert gelesen hatte. "Mich interessiert das Miteinander der christlichen und jüdischen Musik", sagt Ute Doepner. Vor allem die jüdische Musik kenne sie noch nicht so gut und freue sich darauf, sie jetzt zu hören. Inspiriert von einem Beitrag im Kulturradio kam Holger Dornbusch in den Berliner Dom. Die Klangbeispiele hätten ihm so gut gefallen, dass er mehr hören wollte, sagt der Karlshorster. Er spiele selbst Piano und musiziere mit seiner Freundin, die Geige spiele.

Für die 70 jüdischen Kantoren war die Veranstaltung im Berliner Dom der Höhepunkt der Konzertreise. Die Gruppe ist seit mehreren Tagen unterwegs und wird nach den Stationen in Hannover und Berlin noch München besuchen. Die "Cantors Assembly" ist mit knapp 600 Mitgliedern die weltweit größte Organisation für jüdische Kantoren.