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Für Architekturfans in Moabit

Mit dem Prunk der Kaiserzeit: Das Amtsgericht Tiergarten

Noch nach Jahren entdecke er neue Details im Gebäude, sagt Tobias Kaehne, Justiz-Sprecher und Richter am Amtsgericht Tiergarten. "Plötzlich sieht man eine Eule als Symbol der Weisheit auf einer Türklinke oder findet ein in die Vertäfelung geschnitztes Auge Gottes", sagt Kaehne. Das 1906 fertiggestellte Gericht, in dem heute vor allem Strafsachen verhandelt werden, steckt voll solcher Symbolik. Auch seine Ausmaße von knapp 29.000 Quadratmetern, die 210 Meter lange Front und die enorme Mittelhalle mit 29 Metern Höhe sollten die dritte Gewalt im Staat repräsentieren. "Die Wucht sollte wohl beeindrucken, vielleicht auch ein bisschen einschüchtern", sagt Kaehne. Diese Motivation der kaiserlichen Baudirektoren bescherte Berlin eine ganze Reihe sehenswerter Gerichtsgebäude. Exemplarisch ist die Pracht der Empfangshalle in der Turmstraße mit ausladenden Treppenaufgängen, allegorischen Figuren und den mit den Initialen KCG für "Königliches Criminal Gericht" gravierten Fliesen.

Turmstraße 91, geöffnet 8.30 bis 15 Uhr, mündliche Verhandlungen öffentlich (außer Verhandlungen gegen Jugendliche), Tag der offenen Tür am 1. September