Meine Woche

Sommer, Sonne, Stau

Christine Richter über die zahlreichen Baustellen in der Ferienzeit

Der Sommer ist die mir liebste Jahreszeit. Gerade in Berlin. Ich fahre in den Sommerferien seit Jahren nicht mehr weg, sondern freue mich über eine leere Stadt, die lauen Abende mit Freunden im Biergarten. Wenn morgens die Sonne scheint, habe ich schon beim Aufstehen gute Laune. Die zu behalten wird mir aber von Jahr zu Jahr schwerer gemacht.

Es sind die Baustellen. Ich bin ein wirklich verständnisvoller Mensch, deshalb schimpfe ich auch nicht über jede aufgerissene Straße. Ich weiß, dass Leitungen erneuert werden müssen - und freue mich, wenn die Bezirke, der Senat oder auch die Berliner Wasserbetriebe so viel Geld haben, dass sie die Rohre oder Straßen ausbessern können. Ich weiß auch, dass die Urlaubszeit besser geeignet ist, eine Straße aufzureißen oder die Straßenbahngleise auf der Mollstraße zu erneuern, als dies zu Schulzeiten zu tun. Denn in den kommenden sechs Wochen sind ja spürbar weniger Autofahrer in der Stadt unterwegs.

Doch ich verstehe nicht, warum beispielsweise alle wichtigen Ost-West-Verbindungen zeitgleich lahmgelegt werden. Jetzt gibt es Stau auf der Otto-Braun-Straße in beiden Richtungen, weil die Tramgleise ausgebessert werden müssen. Doch auf die Prenzlauer Allee/Karl-Liebknecht-Straße auszuweichen, lohnt sich nicht, denn wegen der Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 5 gibt es auf der Straße Unter den Linden stellenweise nur eine Spur Richtung Westen. Im Berufsverkehr reicht der Stau weit zurück, bis zur Karl-Liebknecht-Straße. Ausweichen auf die Torstraße, auf die Invalidenstraße und den ganz großen Bogen nach Westen schlagen? Vergessen Sie es, dort wird schon seit Monaten gebaut, einspurig quälen sich die Autofahrer in die eine oder andere Richtung. "Warum dauert es mehrere Jahre, um Rohre zu verlegen oder Straßenbahngleise einzubauen", fragte mich kürzlich ein Bekannter, dessen Büro an der Invalidenstraße liegt. Ehrliche Antwort: "Ich weiß es nicht." Und verstehen werde ich es auch nicht.

Fragt man die Verantwortlichen im Senat oder in den Bezirksverwaltungen, heißt es immer, die Arbeiten würden koordiniert. Ich weigere mich, dieser Aussage zu glauben, denn sonst würde man doch Rücksicht - nur ein kleines bisschen - auf uns Autofahrer nehmen. Auch in Prenzlauer Berg denken diejenigen, die im Bezirksamt das Sagen haben, offenbar nicht an uns. Oder wollen sie die Autofahrer zermürben und mit immer neuen Baustellen dazu bringen, ihren Wagen abzuschaffen? Seit Kurzem werden nämlich wieder einmal Rohre verlegt und die Straßen - wieder einmal - aufgerissen. In der Dunckerstraße, in der Raumerstraße, in der Senefelderstraße. Nein, nicht nacheinander, sondern parallel. Das bedeutet nicht nur Lärm und Dreck ab dem frühen Morgen, sondern damit fallen auch Dutzende Parkplätze weg. In einem Stadtteil, in dem die Parkplätze rar sind und erst die Parkraumbewirtschaftung die Situation etwas verbesserte. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

"Jammer nicht", sagt mein Freund, wenn ich mal wieder über mein Parkplatzleid klage. Manchmal muss ich aber jammern, denn ich mag mein Auto nicht abschaffen, ich will nicht umziehen und im Sommer auch nicht verreisen. Immerhin, eines verhindert, dass meine Jammerei lange anhält: Auf den Baustellen wird gearbeitet, irgendwann werden die Rohre verlegt sein. Irgendwann.

Christine Richter leitet gemeinsam mit Gilbert Schomaker die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Gilbert Schomaker über seine Woche in Berlin.