Teestunde im Hotel "Adlon"

Nicht ohne mein Pistazientörtchen

Die Teestunde im Hotel "Adlon" erhebt die Nachmittagspause zum perfekt zelebrierten Genuss

Die Teestunde im "Adlon" ist wie ein Ausflug in eine andere Welt. Natürlich kann man in kurzen Hosen, Flipflops und einer Plastiktüte unterm Arm dort hingehen. Die Hotelangestellten in ihrer Uniform begrüßen am Eingang jeden Gast gleichermaßen freundlich. Ganz egal, ob er ein Muskelshirt oder ein Jackett trägt. Aber wer so ganz leger die Lobby des Hotels am Pariser Platz betritt, würde sich definitiv um einen Teil des Vergnügens bringen. Denn für die Angestellten im "Adlon" ist die Teestunde am Nachmittag eine ernste Angelegenheit. Und da ist es schon fast ein Gebot der Höflichkeit, sich dem Ereignis mit ebenso viel Respekt zu nähern.

Dabei geht es nicht um irgendeinen Teebeutel, der in eine Tasse mit lauwarmem Wasser getunkt wird. Hier wird der Genuss perfektioniert. Das Schöne an der Teestunde im "Adlon" ist nämlich nicht nur der Tee, sondern das, was noch dazu gereicht wird. Sie beginnt mit einem Glas Champagner, der einen in die richtige Stimmung versetzt. Dann bringt der Kellner jedem Gast eine Etagere an den Tisch. Auf drei Tellern liegen Sandwiches, kleine Kuchen und Scones, das typische englische Teegebäck. Während der Gast mit seinem Champagner in einem der Sofas versinkt und überlegt, ob er als Erstes die Lachsschnitte oder das Pistazientörtchen essen soll, zieht der Tee im silbernen Kännchen seiner perfekten Stärke entgegen.

Zur Auswahl stehen nicht einfach nur grüner, schwarzer oder Kräutertee. In der Menükarte sind die verschiedenen Sorten genau beschrieben. So gibt es unter anderem zwei verschiedene Sorten eines leichten Darjeelings. Wird er im Frühling geerntet, sind die Blätter frisch und zart, im Sommer entfalten sie dagegen ein volles und blumiges Aroma. Der grüne Tee der Sorte Smoked China schmeckt, wie der Name schon sagt, leicht rauchig. Für den Jasmintee würden die Blätter mit der Hand zu kleinen Kügelchen geformt, die im Wasser wie eine Blüte aufgehen.

Serviert wird der Tee in kleinen Silberkannen. Sogar hier wurde auf eine kleine, aber sehr entscheidende Sache geachtet. Für die Kännchen gibt es kleine Servietten, die genau so geformt sind, dass man mit ihnen den heißen Griff abdecken kann. Es muss sich daher niemand an der Kanne die Finger verbrennen. Die Kellner schenken so oft nach, wie es gewünscht wird.

Am Wochenende kommen deutlich mehr auswärtige Besucher zur Teestunde. Unter der Woche sind die Hotelgäste dagegen oft unter sich. Sie sitzen dann an kleinen runden Tischen in der Hotel-Lobby und hören dem Klavierspieler zu. Durch das Bleiglasfenster in der Decke strömt mattes Licht. Spätestens nach der ersten Kanne stellt sich ein wohliges und ausgeruhtes Grundgefühl ein. Ganz so, als stünde nicht knapp hundert Meter weiter das Brandenburger Tor, durch das in derselben Sekunde die Touristen in Scharen strömen. Immer wieder verirrt sich einer von ihnen auch in die Lobby, meist aber nur für einen kurzen Moment.

Im "Adlon" belehrt einen niemand, ob man die Milch erst in die Tasse schütten soll und dann den Tee oder umgekehrt. Es gibt auch keine Regel, ob man die salzigen Sandwiches vor den süßen essen soll. Jeder macht, wie es ihm gefällt, beißt in das Roastbeef, probiert den Mandelkuchen, wechselt zum Wachtelei auf Toast und isst dann wieder ein Beerentörtchen.

Um 18 Uhr ist die Teestunde vorüber. Draußen ist es laut. Rikschas fahren Unter den Linden entlang. Aus dem Coffee-Shop gegenüber kommen Gäste mit Kaffee in Pappbechern. Unwillkürlich sehnt man sich zurück in die Lobby. Dort sitzen jetzt die ersten Gäste und nehmen ihren Cocktail für das Abendessen ein.

Tea-Time Kosten: 29 Euro pro Person (ohne Champagner), 37 Euro (mit Champagner) Eine Reservierung wird empfohlen Tel. 030/302 26 10.