Kriminalität

"Waldjunge Ray" soll 20.000 Euro zurückzahlen

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Er bekam auch Taschengeld und Deutschunterricht

Der als Schwindler enttarnte "Waldjunge Ray" soll in Berlin einen Schaden von mehr als 20.000 Euro verursacht haben. Davon geht der Bezirk Tempelhof-Schöneberg aus, der Strafanzeige stellen will. "Es handelt sich um einen Leistungsbetrug", sagte Stadtrat Oliver Schworck (SPD) am Dienstag. "Das können wir so nicht hinnehmen - es soll sich ja auch niemand ein Beispiel daran nehmen."

Der junge Mann, der in Wirklichkeit Robin heißt und aus dem niederländischen Hengelo kommt, war im September 2011 im Roten Rathaus in Berlin erschienen. Er hatte angegeben, nur seinen Vornamen und sein Geburtsdatum zu kennen und jahrelang im Wald gelebt zu haben. Als mysteriöser "Waldjunge Ray" stellte er die Behörden monatelang vor ein Rätsel. Der Schwindel flog auf, als er vor Kurzem auf Fotos identifiziert wurde. Es stellte sich heraus, dass er schon 20 Jahre alt und nicht, wie er behauptet hatte, erst 17 Jahre alt.

Nun muss sich Robin sehr wahrscheinlich wegen des Erschleichens von sozialen Leistungen verantworten. Dazu gehörten nach Angaben des Bezirks betreutes Wohnen, ein Taschengeld von 240 Euro im Monat und Deutschstunden. Auch Geld für Kleidung und weitere Leistungen soll er zurückzahlen.

Zur Frage nach allgemeinen Konsequenzen für den Bezirk sagte Schworck, es werde stets im Einzelfall entschieden. "Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Leute, die zu uns kommen, uns auch brauchen", so der Jugendstadtrat. Und: "Wir haben schon so viele unglaubliche Geschichten gehört, die wahr sind."

"Waldjunge Ray" hatte am Montag die betreute Wohngemeinschaft verlassen. Wo er sich jetzt aufhält, ist nicht bekannt. Der Experte für Persönlichkeitsstörungen an der Charité, Stefan Röpke, erklärt das Phämomen so: Manche Menschen versuchten Aufmerksamkeit mit einer Lügengeschichte zu erzielen, weil ihnen beruflich oder privat Kontakte und Zuneigung fehlten. Derartige Störungen würden als "pathologisches Lügen" bezeichnet. "Diese Fälle kommen aber nicht so häufig vor", sagte Röpke. Es gebe dazu nur wenige Studien. Dass jemand wie der "Waldjunge" eigentlich eher zurückgezogen lebte und lieber zu Hause am Computer spielte, passe zum möglichen Krankheitsbild.

( dpa )