Bildung

Gute Noten für die jüngeren Abiturienten

Bilanz des doppelten Jahrgangs: Berliner Schulen sind mit den Prüfungsergebnissen sehr zufrieden

Vanessa, Franziska, Duc und Dominik von der Merian-Sekundarschule in Köpenick können sich entspannt zurücklehnen. Sie haben das Abitur geschafft und das nach 13 Jahren. "Schule muss eine Mischung aus Lernen und Spaß sein", sagt Dominik Schwartz. Vor allem für jene Schüler, die nur zwölf Jahre Zeit bis zum Abitur hatten, trat der Spaßfaktor allerdings häufig in den Hintergrund.

Zum ersten Mal haben in Berlin an den Gymnasien in diesem Jahr die Schülerinnen und Schüler nach zwölf beziehungsweise nach 13 Jahren das Abitur abgelegt. Vor den Prüfungen war die Sorge groß, dass die jüngeren Schüler im Wettbewerb um die begehrten Studienplätze das Nachsehen haben könnten, weil ihnen ein ganzes Jahr Vorbereitungszeit genommen wurde. Doch die Ergebnisse der Abiturprüfungen des doppelten Jahrgangs zeigen, dass die Turbo-Abiturienten mithalten können mit jenen, die das Abitur in 13 Jahren abgelegt haben.

An einigen Schulen waren die jüngeren Abiturienten sogar besser als die Schüler, die ein Jahr länger lernen konnten. Am Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow, das traditionell zu den leistungsstarken Schulen in Berlin gehört, haben die jüngeren Schüler eine höhere Punktzahl in den Leistungskursen und in den schriftlichen Prüfungen des dritten Faches erreicht. Insgesamt konnte die Durchschnittsnote von 2,0 vom vergangenen Jahr gehalten werden, obwohl schon das ein Spitzenwert war. Am Goethe-Gymnasium in Wilmersdorf erreichten die Schüler nach zwölf Jahren einen Durchschnitt von 2,0 und waren damit noch besser als die älteren Kursteilnehmer, die eine 2,1 schafften. Damit konnte sich das Goethe-Gymnasium von der Note 2,2 im Vorjahr auf 2,1 steigern. Auch am Lessing-Gymnasium in Mitte liegen die jüngeren Schüler vorn. Insgesamt schafften die Schüler einen Abitur-Schnitt von 2,4, was eine deutliche Verbesserung zum Vorjahresergebnis von 2,6 darstellt.

Andere Leistungskultur entwickelt

"Wir haben Erfahrungen mit der Förderung verschiedener Jahrgänge in den Kursen und waren deshalb von Anfang an optimistisch", sagte Michael Wüstenberg. Schulleiter des Lessing-Gymnasiums, am Montag. An der Schule in Wedding haben gemeinsam mit den Schnelllernern, die die achte Klasse übersprungen haben, sogar drei Jahrgänge gleichzeitig das Abitur gemacht. Die jüngeren seien nicht im Nachteil gewesen, berichtete Wüstenberg. "Sie waren das verdichtete Lernen gewöhnt und hatten so eine ganz andere Leistungskultur entwickelt", sagte der Schulleiter.

Am Gymnasium Steglitz haben sieben Schüler die Traumnote 1,0 beim Abitur erhalten, davon waren sogar fünf aus dem jüngeren Jahrgang. Und auch bei der Quote der Schüler, die durchgefallen sind, sieht der Jahrgang besser aus. An der Gustav-Heinemann-Schule in Tempelhof-Schöneberg etwa gab es von 157 Kandidaten nur einen Ausfall.

Aber nicht alle Schüler des doppelten Jahrgangs haben an den Prüfungen teilgenommen. Viele haben ein Jahr freiwillig wiederholt, um einen besseren Abschluss zu erreichen oder um ein Jahr ins Ausland zu gehen. Insgesamt waren es etwa acht Prozent, die durch Wiederholen der Klasse nun erst nach 13 Jahren das Abitur machen werden. Allerdings fehlte einigen auch das Orientierungsjahr für die Wahl der Leistungskurse. "Wer sich falsch entschieden hatte und wechseln wollte, musste das elfte Jahr zwangsläufig wiederholen", sagte Wüstenberg.

Die Elternvertreter sehen das Turbo-Abitur kritischer als die Schulleiter. "Die Noten erzählen nicht, welcher Preis dahinter steckt", sagte Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Viele Schüler hätten unter Stress und Überforderung gelitten. Zudem würden Kompetenzen auf der Strecke bleiben, die die Kinder sonst in Vereinen oder Musikschulen erlernt hätten. Dafür sei häufig kein Raum mehr geblieben. Mehr Zeit haben die Schüler künftig nur noch an den Sekundarschulen, an denen das Abitur weiter nach 13 Jahren abgelegt wird. Der Landeselternausschuss will auch für die Schüler am Gymnasium die Wahlmöglichkeit, ob sie zwölf oder 13 Jahre bis zum Abitur absolvieren wollen.