Oberschöneweide

Grabstätte der Familie Rathenau saniert

Die Bauarbeiten auf dem Waldfriedhof in Oberschöneweide kosteten etwa 350.000 Euro

Die weißen Mauern aus fränkischen Muschelkalksteinen leuchten. Noch sind Arbeiter auf der alten Grabanlage in Oberschöneweide tätig. Sie legen die Steine für die Umrandung der Gräber. Bis zum 24. Juni soll alles fertig sein. Denn das ist der 90. Todestag von Walter Rathenau. Der einstige Reichsaußenminister, der im April 1922 in Rapallo den Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrussland unterzeichnet hatte, war in Berlin erschossen worden. Er ist auf dem Waldfriedhof in der Wuhlheide begraben. Zum Jubiläum ist die denkmalgeschützte Anlage saniert worden.

Steine, die sich verschoben hatten

Sie ist ein Ehrengrab der Stadt Berlin. Es war die Berliner Schriftstellerin Anna Teut, die im Jahr 2008 die Behörden auf den desolaten Zustand des Denkmals aufmerksam machte. Steine hatten sich verschoben, weil die Mauern von Baumwurzeln angehoben worden waren. In die Gruft mit den vier Holzsärgen von AEG-Gründer Emil Rathenau, seiner Frau Mathilde und seiner Söhne Walther und Erich war Wasser eingedrungen. Die Sanierung habe im Herbst 2011 begonnen, sagte Landeskonservator Jörg Haspel am Montag bei einer Präsentation. Die Anlage sei von historischer Bedeutung, so Haspel, weil auf dem Waldfriedhof vier namhafte Mitglieder einer der damals wichtigsten jüdischen Familien in Deutschland begraben seien. Dass sie sich in Oberschöneweide beerdigen ließen, und nicht auf den Jüdischen Friedhöfen in Weißensee bzw. an der Schönhauser Allee, sei "ein unglaublicher Vorgang". Er zeige, wie sehr sich die Familie mit dem Industrieareal in Oberschöneweide verbunden fühlte. 1903 wurde die Grabstätte geschaffen, vom Berliner Architekten Alfred Messel. Von ihm stammen die Entwürfe für das Warenhaus Wertheim am Leipziger Platz, das im Krieg zerstört wurde, und für das Pergamonmuseum. Walther Rathenau wurde Ende Juni 1922 in Oberschöneweide beerdigt. Die amtliche Trauerfeier habe im Sitzungssaal des Reichstags stattgefunden, berichtete die Berliner Morgenpost in ihrer Ausgabe vom 29. Juni 1922. Der Sarg, "der mit einer Last von roten Rosen und grünen Tannenzweigen bedeckt war", sei von einem Leichenwagen über Wilhelmstraße, Kochstraße, Oranienplatz, Wiener Straße und Köpenicker Landstraße nach Oberschöneweide gefahren worden.

Auch die Gruft - etwa 35 Quadratmeter groß - ist saniert worden. Die sterblichen Überreste wurden in neue Holzsärge umgebettet. Die Kosten für das gesamte Bauvorhaben liegen bei 350.000 Euro. Fast zwei Drittel zahlte die Hermann-Reemtsma-Stiftung, etwa ein Drittel das Bezirksamt Treptow-Köpenick. Am 24. Juni findet auf dem Waldfriedhof in Oberschöneweide eine Gedenkveranstaltung zum 90. Todestag von Walther Rathenau statt. Als Redner wird Bundesaußenminister Guido Westerwelle erwartet.