Schwierigkeiten

Der Schloss-Bau beginnt mit der Suche nach Holzpfählen

Der Fund von uralten Eichenstämmen bremst die Sanierung der Staatsoper. Das soll beim Humboldt-Forum nicht passieren

Zehn Jahre nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages, das Berliner Schloss auf dem Schloßplatz im Bezirk Mitte wieder aufzubauen, starten am kommenden Donnerstag die Arbeiten an der Baugrube. Mit den Bohrungen für die Fundamente wird der offizielle Auftakt für das größte deutsche Kulturbauprojekt seit dem Fall der Mauer gefeiert. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), der Regierende Klaus Wowereit (SPD) und der verantwortliche Architekt Professor Franco Stella haben ihr Kommen angekündigt.

Nach Auskunft der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, die als Bauherrin für das Megaprojekt fungiert, sollen in den kommenden Monaten die Arbeiten für die Gründung sowie die Verdichtung des Bodens über dem künftigen Tunnel der U5 erfolgen.

Eine heikle Aufgabe: Jahrhundertealte Holzpfähle, wie sie jüngst bei der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden gefunden worden waren, stecken auch hier im Boden. Bei der Sanierung des Opernbaus hat der Fund dazu geführt, dass das Eröffnungskonzert erst ein Jahr später als geplant erklingen kann - die Mehrkosten sind noch nicht berechnet.

Sumpfiger Baugrund

Von solchen Funden will man sich beim Schlossbau nicht aus dem Konzept bringen lassen. Durch alte Pläne weiß man, dass sich zumindest im nordöstlichen Bereich der Schlossbaugrube viele Holzpfähle befinden. "Mit den am Donnerstag beginnenden Probebohrungen wollen wir feststellen, wo genau die Pfähle stehen und wie man sie am besten entfernen kann", sagt Stiftungssprecher Bernd Wolter. Weil die historischen Holzpfähle die Tragfähigkeit des neuen Schlossfundaments gefährden würden, müssten sie auf jeden Fall weichen. "Alles andere wäre zu unsicher", so Stiftungssprecher Wolter. Dies hätte schließlich schon das tragische Schicksal des Münzturms und seines Erbauers gezeigt. Auf Wunsch des Königs hatte Schlossbaumeister Andreas Schlüter 1702 einen rund 100 Meter hohen Turm als städtebaulichen Akzent zur Umgebung des Schlosses errichtet. Dieser begann sich jedoch schon nach ein paar Jahren so bedenklich zu neigen, dass er wieder abgerissen werden musste. Baumeister Schlüter verlor daraufhin seinen Job und wurde durch Johann Friedrich Eosander von Göthe als leitender Oberbaumeister des Schlossbaus ersetzt. Experten gehen davon aus, dass Schlüter das Pech hatte, seine Eichenpfähle ausgerechnet in eine Moorlinse gesetzt zu haben. Nun soll der gesamte Boden dort ausgetauscht und durch eine Sand-Kies-Mischung ersetzt werden. Als Fundamentplatte wird dann zum Abschluss einer Betonplatte gegossen, die das Grundwasser abhalten soll. Die bis zu 300 vermuteten unterirdischen Holzpfähle des früheren Münzturmes müssen aber nicht nur entfernt werden, weil sie möglicherweise dem Gewicht des neuen Schlosses nicht gewachsen wären - sie könnten auch der Tunnelbohrmaschine für die U5 gefährlich werden. Unangetastet bleibt lediglich die Betonwanne, die einst für den Palast der Republik gegossen wurde. "Diese werden wir als Betonsole stehen lassen und überbauen", so Wolter.

Erhalten bleiben auch die Fundamente im südwestlichen Teil der Eosanderfassade in der Nähe des Spreekanals. Sie werden in das neue Schloss als "archäologisches Fenster", als begehbare Kellerräume, die in die Geschichte des Schlosses führen sollen, integriert.

Mehrkosten seien durch die komplizierte Schlossbaugründung nicht zu erwarten, sagt Stiftungssprecher Wolter. Dass der Untergrund ein schwieriger sei, sei von Anfang an in die Kalkulation eingeflossen. Der Bundestag hatte den Kostenrahmen für das Schloss erst im Juli 2011 von 548 Millionen auf 590 Millionen Euro erhöht. Der Bund beteiligt sich mit 478 Millionen Euro, das Land Berlin mit 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro sollen über Spenden finanziert werden. Im Jahr 2013 ist die Grundsteinlegung geplant, 2014 sollen dann die Hochbaumaßnahmen beginnen. Anfang 2018 könnte der Bau fertig sein. Mitte 2019 soll das Humboldt-Forum im wiederaufgebauten Berliner Schloss schließlich eröffnet werden.