Kultur

Yoga trifft Kladow

| Lesedauer: 4 Minuten
Tanja Laninger und Monika Ewa Kijuk

Im Gutspark kommen am Wochenende Fans zum Festival zusammen

Ein bisschen Hippie, so manchen Kommerz und etliche Informationen zur Welt des Yoga bietet das 8. Yoga-Festival im Gutspark Kladow. Es sei eine der größten Yoga-Veranstaltungen in Europa, sagt Veranstalter Stefan Datt. Pro Tag werden circa 2000 Besucher erwartet. Gruppen aus Rom, München und Hamburg haben bereits Karten erworben. In Kladow reiht sich bis Sonntag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ein Termin an den nächsten. Wer will, kann in der Morgendämmerung den Sonnengruß üben, im "Polarity Yoga" die fünf Elemente erfahren oder die tausend Namen Vishnus rezitieren. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "all is one - one is all". "Das Motto geht auf die Philosophie der Einheit zurück", sagt Miriam Kretzschmar, Yogalehrerin und Mitveranstalterin. "Das Bewusstsein, das in uns wohnt, ist eine Materie." Mag diese Aussage Nicht-Yogis zu spirituell - oder schlicht zu physikalisch - vorkommen, so lässt sich eines feststellen: Yoga ist längst in der breiten Gesellschaft und im Spitzensport angekommen. Patrick Broome, Yoga-Trainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, musste jedoch auf Bitten der Spieler sogar zur Europameisterschaft nach Polen und in die Ukraine reisen.

Bewerber abgelehnt

Auch das Festival erfreut sich regen Zuspruchs. "Ich musste in diesem Jahr sogar Bewerber ablehnen", sagt Kretzschmar. Nun gibt es 65 Stände, an denen Bücher und Räucherstäbchen, Klangschalen und Yoga-Bekleidung verkauft werden. Die Hälfte sind Infostände, an denen hauptsächlich Berliner Yoga-Schulen ihr Programm präsentieren.

So wie "Home Yoga" aus Mitte. "Wir nehmen zum siebten Mal teil. Es ist ein schönes internationales Zusammentreffen von Yoga-Freunden und Kollegen", sagt Home-Yoga-Eigentümer Tom Beyer. Beyer leitet die Kurse "Rücken- und Gelenke-Yoga". Es handele sich um physisches Yoga, bei dem der Körper genutzt werde, um auf allen Bewusstseinsebenen zu arbeiten, erklärt Beyer.

Eingeladen sind weitere 50 Gastlehrer aus ganz Europa. Michael Stuart aus England gibt Kurse im Bereich des "Tantrischen Hatha Yoga", bei dem mit Energieformen wie Farben und Klängengearbeitet wird. Von Classical Yoga bis Kalari, Hormon Yoga und Kundalini - auf dem Festival kommen viele Stile und Themen des Yoga zusammen. "Wir möchten gemeinsam Yoga feiern und praktizieren", sagt Stefan Datt.

Ein Wochenende zum Yoga testen bietet das Festival für Klein und Groß, zum Beispiel im "Familienyoga". "Die Unterrichtseinheit richtet sich nach den Kleinen, die gemeinsam mit ihren Eltern den Kurs besuchen", sagt Kretschmar. Sie ist ausgebildete Kinderyogalehrerin und leitet mit Stefan Datt die Yoga-Schule "Lernen in Bewegung e.V." in Charlottenburg. "Ich bin gespannt, wie viele Kinder kommen und in welchem Alter sie sind". Der Unterricht richte sich spontan nach den Fähigkeiten und dem Mut der Kinder. Geplant seien Spiele, Massage- sowie Turnübungen. Indirekt ist auch Sri Tirumalai Krishnamacharya dabei, dessen unermüdliches Engagement im vergangenen Jahrhundert zu einer Neuentdeckung des Yoga geführt hatte: Regisseur Jan Schmidt Garre zeigt seinen Krishnamacharya-Film.

"Der atmende Gott". Neben den praxisorientierten Workshops halten zahlreiche erfahrene Ärzte und Yogalehrer Vorträge rund um Yoga, Gesundheit und körperliche Fitness.

"Der Trend zum klassischen Yoga kehrt wieder", so Datts Beobachtung. Seine Kursteilnehmer lernen im sogenannten "Shivananda Yoga" zwölf besondere Yoga-Stellungen mit Atem- und Entspannungsübungen zu kombinieren. "Nur wenn diese drei Einheiten im Einklang sind, entsteht ein Yoga-Gefühl", erklärt Datt. Doch was wäre ein Festival ohne Musik? Zwölf Konzerte stehen auf dem Programm. "Besonders freue ich mich auf das Konzert von Al Gromer Khan", sagt Datt. Al Gromer Khan spielt am Sonntag klassische indische Musik auf dem Instrument Sitar. Premiere hat die Festival-CD. Musiker und Bands stifteten für die CD jeweils ein Lied. Beim Yoga-Festival können die CDs für fünf Euro erworben werden. Der Erlös aus dem Verkauf geht an ein Schulprojekt in Zentralindien.

Das Ticket fürs gesamte Programm kostet 45 Euro, die Tageskarte 12 Euro. Karten gibt es nur noch vor Ort an der Festivalkasse, Gutspark Kladow, Neukladower Allee 9-12