Tagung

Schwitzen statt sitzen: 5600 Täter leisten Strafe mit Arbeit ab

In Berlin haben im vergangenen Jahr 5600 Straftäter ihre Geldstrafe abgearbeitet anstatt sie zu bezahlen. Dabei leisteten sie insgesamt mehr als 160.000 Tagessätze ihrer Strafe in Arbeit ab.

Am heutigen Montag soll auf der Tagung "Arbeit statt Strafe - und was dann" nach Möglichkeiten gesucht werden, das Modell auszubauen und den Tätern zu ermöglichen, über die Ableistung der Strafe hinaus, eine geregelte Arbeit aufzunehmen. Die Tagung wird vom Paritätischen Landesverband und der Straffälligen- und Bewährungshilfe (sbh) organisiert und findet im Schiller-Gymnasium in Charlottenburg statt.

"Arbeit statt Strafe macht für mich immer Sinn", sagt Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), der ebenfalls an der Konferenz teilnehmen wird. "Wir vermeiden dadurch, dass die Verurteilten ins Gefängnis gehen, obwohl sie eigentlich nur zu einer Geldstrafe verurteilt wurden." Außerdem lernten die Betroffenen, ihrem Tag eine Struktur zu geben und einer geregelten Arbeit nachzugehen. "Das kennen viele dieser Menschen leider gar nicht mehr", so Heilmann.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Bewährungshilfe, Matthias Nalezinski, soll vor allem die Abbrecherquote gesenkt werden. Derzeit leistet noch jeder zweite Täter seine Strafe nicht vollständig mit Arbeit ab. "Statt verschiedene Drohszenarien aufzubauen und mit Sanktionen den Druck zu erhöhen, geht die Straffälligen- und Bewährungshilfe zunehmend dazu über, den Tätern Hilfsangebote zu machen. "Viele sind wegen mehrerer Problemlagen nicht in der Lage, sechs Stunden am Tag zu arbeiten", sagt Nalezinski. Der Verein setzt daher auf Gruppenangebote und individuelle Betreuung.

Für Nicole T. hat sich das ausgezahlt. Die 34-Jährige leistete ihre Geldstrafe in Höhe von 300 Tagessätzen wegen notorischen Schwarzfahrens bei der Berliner Tafel ab. Zunächst sei ihre Arbeit nicht kontrolliert worden, deswegen sei sie immer seltener erschienen, sagt die 34-Jährige. Dann schaltete sich die Straffälligenhilfe ein. "Da habe ich gelernt, regelmäßig auf der Matte zu stehen", sagt sie. Inzwischen arbeitet sie ehrenamtlich weiter bei der Berliner Tafel, nachdem sie ihre Strafe abgearbeitet hat. "So bleibe ich in Fahrt." Gleichzeitig versucht sie mit ihrer neu gewonnen Motivation, eine geregelte Arbeit zu finden. Sie hofft, eine Stelle bei einem Botendienst zu erhalten.