Zukunftslabor

Digitale Denker in Berlin

Das weltgrößte Technologiefestival "Campus Party" kommt erstmals in die Stadt

Auf dem Klingelschild am Altbau in Kreuzkölln klebt ein gelbes Stückchen Papier. "Campus Party" steht darauf, mit Kugelschreiber geschrieben. Die Planer des nach eigenen Angaben größten Technologiefestivals der Welt haben erst vor einer Woche ihre Büroräume im Norden Neuköllns bezogen. Nun sitzen knapp 20 Mitarbeiter aus acht Nationen in den nackten weißen Büroräumen hinter Laptops. Alles läuft hier digital - so wie es sich für die Organisation einer Großveranstaltung gehört, die im August 10.000 Hacker, Gamer, Software-Entwickler und Technik-Freaks in den Hallen des einstigen Tempelhofer Flughafens zusammenbringen will. Motto der "Party": "Das Internet ist kein Computernetzwerk, sondern ein Netzwerk von Menschen."

Zum ersten Mal kommt die Campus Party nach Deutschland. 1997 in Spanien entstanden, entwickelte sich die Tagung technikinteressierter junger Menschen schnell zu einer Veranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern. Auch in Südamerika findet die Campus Party inzwischen jährlich statt. Neu ist in diesem Jahr nicht nur der Standort Berlin, sondern auch die Mission: Unter Schirmherrschaft der Europäischen Kommission sollen Ideen für die Digitale Agenda der EU gesammelt werden. Eine Art "europäischer Quellcode" soll in den sechs Tagen entstehen, also eine Grundlage für das digitale Zusammenleben, für computerbasierte Bildung und Kommunikation.

Perspektiven für die Jugend

"Die Idee ist ganz einfach: Wir wollen die Welt mit Hilfe der Technik ein Stückchen besser machen", sagt Juan Negrillo, Geschäftsführer der Firma Futura Networks, den Organisatoren der Veranstaltung. Dabei gehe es auch darum, der technikaffinen Jugend den Horizont für die Möglichkeiten ihrer Talente zu erweitern, sagt Negrillo. Gerade in Spanien und Südamerika, wo die Infrastruktur der Jobbörsen und Ausbildungsmessen weniger ausgeprägt, aber die Arbeitslosigkeit hoch sei, habe sich die Campus Party, die mit Unternehmen und Universitäten zusammenarbeitet, mittlerweile auch zu einem Ort entwickelt, an dem Schulabgänger und Studenten Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen oder Anregungen für einen Werdegang bekommen. "Die neuen Technologien können beim sozialen Wandel helfen", ist Negrillo überzeugt.

Der Name Campus Party für das Technik-Festival ist eigentlich ein bisschen irreführend, schließlich geht es nicht um eine große Studentenfete. Mit "Campus Party" soll laut den Veranstaltern ausgedrückt werden, dass es sich um eine Bildungsveranstaltung mit einem gewissen Spaßfaktor handelt. So werden an sechs Tagen insgesamt 600 Stunden Programm angeboten. Vorträge, Wettbewerbe und Diskussionen ebenso wie Workshops und ein Musikprogramm. Das Programm ist in 24 unterschiedliche Themengebiete eingeteilt: von Software-Entwicklung und Unternehmertum über Social Media und Gaming bis zu Robotik und Design. In den vergangenen Jahren waren als Gastredner Größen wie der Ex-US-Vizepräsident Al Gore oder der Physiker Stephen Hawking dabei, für Berlin haben bereits der brasilianische Bestseller-Autor Paulo Coelho und der britische Informatiker Sir Tim Berners-Lee, einer der Väter des Internets, zugesagt.

Und Neelie Kroes wird der Veranstaltung natürlich einen Besuch abstatten, schließlich muss die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda die Ideen in Empfang nehmen, die für sie ausgearbeitet werden. "Wir haben noch keine Ahnung, in welche Richtung die Ideen gehen werden, die wir am Ende bekommen, aber gerade das finden wir an der Veranstaltung auch so toll", sagt Ryan Heath, Sprecher der Kommissarin in Brüssel. "Wir wollen ein Ohr an den Orten haben, wo frische Gedanken entstehen, deshalb unterstützen wir die Campus Party", so Heath weiter. Neelie Kroes sei begeistert von dem Geist der Veranstaltung, bei dem junge Leute aus vielen Nationen mit Unterstützung von Wissenschaftlern und Unternehmen zusammen eine Art Denkfabrik bildeten. "Und Berlin ist der perfekte Platz dafür", sagt Heath.

Als die Wahl für den Ort der Campus Party 2012 auf Deutschland gefallen sei, habe man erst zwischen München und Berlin geschwankt, erzählt Juan Negrillo. Man habe sich schließlich für die Hauptstadt entschieden, weil die nicht nur günstiger sei, sondern auch eine spannendere Mischung aus kreativer Szene und Internationalität biete. "Der Unternehmergeist und die Kreativität hier ähnelt dem in der Bay Area um San Francisco, wo ich sonst arbeite", sagt Negrillo. Die Bay Area ist vor allem für das Silicon Valley bekannt, das Mekka der IT-Industrie.

Übernachten in den alten Hangars

Der stillgelegte Tempelhofer Flughafen sei zudem der optimale Ort für die Veranstaltung, so Klaus Purkart, Pressesprecher der Campus Party: das Gebäude ist groß, liegt zentral, ist durch seine Geschichte verknüpft mit Technik und ausgestattet mit großen Außenflächen, auf denen im Rahmen der Workshops Roboter laufen sollen oder Wetterballons für Messungen in den Himmel steigen. Und in den alten Hangars werden 5000 von einem Sponsor bereitgestellte Zelte aufgestellt, in denen die meist zwischen 18 und 35 Jahre alten Teilnehmer übernachten können.

Alle weiteren Informationen unter www.campus-party.eu