Retter für den Jaczo-Turm

Schwimmwettbewerb soll an Legende des Wendenfürsten erinnern

Für den einen ist er geheimnisvoll, für den anderen schlicht eine nichtssagende Ruine - Doch nur wenige Menschen wissen, dass der kleine Backsteinturm an der Gatower Straße im Spandauer Ortsteil Wilhelmstadt an einen verwegenen Ritt des Wendenfürsten Jaczo von Köpenick erinnert. Der Slawenführer soll auf der Flucht vor Albrecht dem Bären am 11. Juni 1157 bei Gatow mit seinem Pferd in die Havel gesprungen sein. Als das Tier die Kräfte verließen, rief Jaczo den Christengott an und erreichte tatsächlich eine Halbinsel auf der anderen Seite der Havel. Sicher an Land, hing er Schild und Schwert an einen Baum und gelobte, sich taufen zu lassen. Die Halbinsel im Charlottenburger Ortsteil Grunewald hieß fortan Schildhorn.

Auch wenn Historiker am Wahrheitsgehalt der Jaczo-Geschichte zweifeln: Der Sieg der Askanier unter Albrecht dem Bären über die von Jaczo geführten Slawen gilt als Gründungstag der Mark Brandenburg.

Der Pferdehof-Besitzer Ulrich Reinicke, Vorsitzender des Vereins historisches Gatow, hat sich das Ziel gesetzt, die ins Vergessen geratene Legende um den Jaczo alias "Jaxa" wieder lebendig zu machen. Schon vor einigen Jahren haben Mitglieder des Gatower Vereins die weggebrochenen Zinnen des nur vier Meter hohen Jaczoturms wieder aufgemauert. "Ich bin mit der Jaczo-Geschichte groß geworden. Früher hat die in Berlin doch jedes Kind gekannt", sagt der 68-jährige Reinicke. Enge Verbündete hat der Gatower am anderen Havelufer. Dort, wo Jaczo ans rettende Ufer gelangt sein soll, möchte ein Verein die verwilderte Halbinsel Schildhorn mit dem Jaczo-Denkmal wieder zu dem attraktiven Ausflugsziel machen.

Der Charlottenburger Stefan Krappweis - Stadtplaner und im Nebenruf Gastwirt - ist fasziniert von der Schildhornsaga. "Als Kind sind meine Eltern beinahe jeden Sonntag mit mir auf Schildhorn spazieren gegangen", erinnert sich der 49-Jährige. Krappweis gründete den Verein "Bürger für Schildhorn". Das Ziel der Initiative: Die nur 400 Meter lange und 100 Meter breite Landzunge Schildhorn soll ein Volkspark werden, im Stil eines Landschaftsgartens. Immerhin konnte Krappweis mit seinen Mitstreitern bei den Berliner Forsten schon erreichen, dass der Weg zum Denkmalhügel freigeschnitten wurde. Auch Hinweistafeln und Bänke hat die Forstverwaltung aufgestellt.

Am 10. Juni - einen Tag vor dem 855. Jubiläum des legendären Ritts durch die Havel - ist erstmals ein Schwimmwettbewerb auf Jaczos Bahnen geplant. Je 30 Frauen, Männer und Jugendliche sollen ab 13 Uhr die 750 Meter zwischen Gatow und Schildhorn durch die Havel schwimmen. Sieger ist, wer am Denkmal auf Schildhorn in ein dort eigens aufgehängtes Horn bläst. Am Spandauer Ufer erwartet die Besucher zwischen 13 und 18 Uhr auch ein Mittelalterfest mit Schaukämpfen von Slawen und Askaniern, Bänkelmusik und Handwerkermarkt. Weitere Informationen unter www.schildhornschwimmen.de oder Tel. 881 55 11.