Protest

Carloft in Kreuzberg wieder mit Farbbeuteln beworfen

Polizei vermutet, dass die Täter aus der linken Szene kommen

Nun ist das Luxus-Wohnhaus offenbar wieder Ziel von Gentrifizierungsgegnern geworden: Am Wochenende bewarfen Unbekannte die Fassade mit Farbbeuteln. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Nach Angaben der Polizei hatten Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes am Sonntagmorgen die Farbe entdeckt. Augenzeugen zufolge waren rote Kleckse an der Mauer und an Fensterscheiben zu sehen. Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass es sich um Täter aus der linken Szene handelt. Sicher sei dies jedoch nicht, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Da derzeit jedoch von einem politischen Motiv ausgegangen wird, hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen.

Der Wohnkomplex in Kreuzberg hatte in den vergangenen Jahren heftige Reaktionen hervorgerufen und wurde immer wieder mit Steinen und Farbbeuteln attackiert. Den Gegnern missfällt das Luxusprojekt an der Ecke zur Reichenberger Straße. Sie sehen es als Symbol für den fortschreitenden sozialen Wandel in der Stadt und befürchten, dass einkommensschwächere Schichten aus dem Kiez verdrängt werden. Besonders der extravagante Privatparkplatz ist der Szene ein Dorn im Auge. In dem Carloft befindet sich der Pkw-Stellplatz direkt auf dem Stockwerk der Wohnung. Die Autos werden mit einem Fahrstuhl auf die Etage gebracht. Die Wohnungen kosteten damals zwischen 500.000 und 1,6 Millionen Euro und riefen schon weit vor Baubeginn die Gegner der Gentrifizierung auf den Plan.

Attacken während der Bauphase

So begannen die Attacken schon während der Bauphase 2008 und 2009. Immer wieder wurden Vermummte dabei beobachtet, wie sie Fensterscheiben zertrümmerten und die Fassade mit Farbe beschmierten. Schon Ende 2008 warfen mutmaßliche Linksextremisten zwölf Scheiben des noch im Bau befindlichen Wohnhauses mit Pflastersteinen ein. Der Schaden wurde damals auf 3000 Euro beziffert. Anschließend wurden neben dem Carloft auch weitere Luxusobjekte attackiert. Im Umfeld der Häuser standen in der Folge auch immer wieder Fahrzeuge in Flammen. Im darauf folgenden Jahr verzeichnete die Polizei in den ersten zehn Monaten allein in Kreuzberg 56 weitere Attacken auf hochwertige Wohngebäude oder Bauvorhaben. Auch in Prenzlauer Berg schlugen die Täter zu und legten etwa in einer Tiefgarage eines im Bau befindlichen exklusiven Wohnobjektes an der Kollwitzstraße Feuer.