Flughafen Tegel

"Da müssen wir eben alle noch etwas Geduld haben"

Helmar Rendiz ist an diesem Sonntagmittag dienstlich nach Malta unterwegs. Eigentlich hätte er vom neuen Flughafen BER abfliegen sollen.

Jetzt steht er in der Halle des Flughafens Tegel und wartet darauf, dass es losgeht. "Das Dumme ist nur, dass ich die Bordkarte nicht online buchen konnte, das System scheint das Hin und Her mit den Flughäfen nicht zu verkraften", sagt er und muss nun in einer langen Schlange anstehen, um einzuchecken.

Wie Rendiz geht es vielen Flugpassagieren an diesem Sonntag. Geplant war, dass sie von Schönefeld fliegen, stattdessen reisen sie nun doch wieder von Tegel ab. Das sei zwar blamabel für Berlin, sagen viele, nehmen es aber dennoch gelassen und freuen sich vor allem darüber, dass es wider Erwarten am "alten Flughafen" kein Chaos gibt. Wer im Norden oder Westen der Hauptstadt wohnt, ist außerdem froh, dass er nicht bis nach Schönefeld rausfahren muss.

Entschädigung ist nötig

Auch für Rendiz ist es nicht so schlimm, dass die Eröffnung des neuen Großflughafens verschoben worden ist. "Da müssen wir alle eben noch etwas Geduld haben", sagt er. Der BER sei ein Großprojekt, die Umsetzung nicht so einfach. "Bisher ist da Großartiges geleistet worden." Er sei selbst Bauunternehmer und wisse deshalb, wovon er spreche.

Doch Rendiz sieht auch die Probleme. Äußerst schwierig sei die Lage auf jeden Fall für die kleinen mittelständischen Unternehmen, die bereits viel in die Eröffnung des BER investiert hätten, sagt er. Für die sei die Verschiebung der Fertigstellung des Flughafens eine Katastrophe. Sein Freund gehöre dazu. "Er wollte ein Restaurant aufmachen und hat Mitarbeiter eingestellt und Ware geordert." Rendiz betont, dass er nur hoffen könne, dass solche Unternehmer fair behandelt werden und es Entschädigungen geben werde.

Zu den Reisenden, deren Flüge umgebucht wurden, gehören auch Henning und Melanie Gerlach aus Zehlendorf. Zusammen mit ihren Töchtern Florentine und Emmelie sind sie in den Urlaub nach Portugal unterwegs. "Wir sollten vom BER abfliegen und damit zu den Ersten gehören, die den neuen Flughafen ausprobieren", sagt Henning Gerlach. Das habe sich nun erledigt. "Zum Glück, wenn man bedenkt, dass sich nun gezeigt hat, wie vieles da noch nicht fertig war." Testpersonen hätten sie nicht gern sein wollen, zumal die Kinder noch so klein sind, meint Gerlach.

Einige Passagiere finden an diesem Sonntag allerdings deutlichere Worte. Wie Klaus Karle aus dem Schwarzwald. Zusammen mit Freunden hat er vier Tage in Berlin verbracht, nun ist er auf dem Rückweg. "Das ist typisch Berlin", schimpft er. "Die Berliner können einfach nicht mit Geld umgehen, und von Management haben sie auch keine Ahnung." Er sei freier Unternehmer, so etwas wie die Berliner in Sachen Flughafen könne er sich in seinem Job nicht leisten. "Ich verstehe deshalb nicht, dass es für den Aufsichtsrat keine Konsequenzen gibt", sagt Karle.

Auch Sören Kittel gehört zu denen, die mit Umstellungsproblemen in Tegel zu kämpfen haben. Vor zwei Wochen hat der Morgenpost-Redakteur einen Flug mit Ukraine International Airlines (UIA) von Berlin nach Kiew gebucht. Doch obwohl schon damals feststand, dass der neue Hauptstadtflughafen nicht rechtzeitig eröffnen wird, steht für den Abflugort noch der neue Drei-Letter-Code BER auf dem Ticket. Das bringt den Journalisten am tatsächlichen Abflug-Airport Berlin-Tegel - Drei-Letter-Code TXL - erst einmal kräftig in Bedrängnis. Denn am Check-in-Schalter wird das gebuchte Ticket für Flug PS204 zunächst nicht anerkannt.

"Authentification Ticket Mismatched" (Ticketangaben nicht erkannt) - so die ernüchternde Anzeige am Computer, über den die Bordkarten für den Flug ausgedruckt werden. Fast eine halbe Stunde benötigt die Service-Mitarbeiterin am UIA-Schalter, bevor Kittel doch noch einen Platz in der ukrainischen Boeing nach Kiew zugewiesen bekommt. "Wir haben heute viele solcher Probleme zu lösen", sagt ihm anschließend eine Frau vom Bodenpersonal.

Geschäfte machen weiter

Ute Mörsdorf aus Wedding und Jörg Hett aus Rudow haben sich vorgenommen, trotz allem ruhig zu bleiben. "Wir fahren in den Urlaub und sind deshalb entspannt", sagt Ute Mörsdorf. Sie habe außerdem so eine Ahnung gehabt, dass das nicht klappen werde mit dem BER. "Ich war im Frühjahr als Testperson auf dem neuen Flughafen und habe gesehen, wie viel da noch im Argen liegt", sagt Mörsdorf. Nun könnten sie eben doch noch mal von Tegel fliegen, meint Jörg Hett. "Das ist doch schön, ein richtiger Abschiedsflug." Schließlich sei Tegel all die Jahre ihr Flughafen gewesen.

Problematisch scheint die Verlängerung des Flugbetriebes am Airport Tegel indes für viele Geschäfte dort zu sein. Mit Namen und Adresse will sich zwar niemand äußern. "Wir haben hier alle Redeverbot", sagt eine Verkäuferin. Ihre Kollegin aus dem Taschenladen befürchtet allerdings, dass sie nun rund um die Uhr arbeiten müsse. "Viele Mitarbeiter haben bereits gekündigt, weil der Laden schließen sollte. Da wir jetzt aber erst einmal weitermachen, fehlen nun Leute", sagt sie. Offensichtlich macht die überwiegende Zahl der Geschäfte auf dem Gelände des Tegeler Flughafens weiter. An diesem Sonntag ist jedenfalls nur ein einziger Laden - ein Ableger einer Modekette - bereits dicht. Die Schaufenster sind schon abgeklebt und zwei Frauen dabei, die restliche Ware aus dem Geschäft zu räumen.