Der Tiefschlag des Ex-Profi-Boxers

Michel Trabant hat eine 22-Jährige verprügelt. Gericht verurteilt ehemaligen Europameister zu einer Geldstrafe

Am Ende legte der Profi-Boxer Michel Trabant doch noch ein Geständnis ab. Nachdem die ersten Zeuginnen ausgesagt hatten - und für Richterin, Staatsanwältin und auch für Trabants Verteidigerin klar war, dass diese jungen Frauen die Wahrheit sagen. Sie hatten gesehen, wie der 34-Jährige ein Mädchen blutig schlug, und sie hatten genau das berichtet. Die Verteidigerin bat um eine Unterbrechung, führte mit ihrem Mandanten ein kurzes Gespräch. Trabant kam etwas bedrückt zurück und sagte - hochroten Kopfes - zu seinen im Flur wartenden Freunden: "Ick soll jetzt sagen, dass ick's jemacht habe."

Wenig später wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Eine verblüffend milde Strafe, da sind sich alle Prozessbeobachter einig. Denn es war schon hart, was sich Trabant am 12. Dezember 2010 gegen fünf Uhr in der Diskothek "Soda-Klub" auf dem Gelände der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg geleistet hatte.

Streitauslöser war Eifersucht

Vorausgegangen war ein Streit zwischen mehreren jungen Frauen, offenbar ausgelöst von Trabants Ehefrau. Es wurde gekreischt, gezetert, wohl auch geschubst. Trabant, heißt es, habe einige Zeit zuvor mit einem dieser Mädchen ein Techtelmechtel gehabt. Daher vielleicht auch der Eifersuchtsausbruch seiner Ehefrau, die sich an diesem frühen Morgen gleich mit mehreren jungen Club-Besucherinnen stritt. Trabant war hinzugekommen, hatte sein späteres Opfer zunächst übel beschimpft und war dann unvermittelt zum körperlichen Angriff übergegangen. Dem Anklagesatz zufolge packte er die 22-Jährige am Arm, "riss sie zu sich herum" und schlug ihr "mit seiner Faust zunächst ins Gesicht, dann auf das linke Ohr und zuletzt auf den Mund."

Der Profi-Boxer hatte diese brutale, schwer nachvollziehbare Attacke gegen eine Frau bis zum Prozess stets abgestritten. Zu einem Polizeireporter der Berliner Morgenpost sagte er am 17. Dezember 2010: "Ich war an dieser Auseinandersetzung nicht beteiligt, ich bin nur dabei gewesen. Diese Frau hat sich mit meiner gestritten, anschließend gab es ein Gerangel zwischen den beiden. Ich habe niemanden geschlagen, ich schlage keine Frauen. Das schwöre ich bei allem, was mir heilig ist." Auch zum Anfang des Strafprozesses blieb er noch bei dieser Auslegung: "Ich habe sie nicht geschlagen, sondern nur beiseite geschoben." Und selbst das sogenannte Geständnis hätte zumindest hinterfragt werden müssen. Trabant gab jetzt zwar zu, geschlagen zu haben, angeblich "aber nur mit der flachen Hand". Die Verletzungen des Opfers lassen jedoch eher vermuten, dass er mit der Faust zuschlug: drei gesplitterte Frontzähne, ein gebrochenes Nasenbein, Hämatome und Prellungen im Gesicht.

Für die Staatsanwältin war das jedoch nicht von Belang. "Ob mit der Faust oder mit der flachen Hand, das ist unerheblich", sagte sie in ihrem Plädoyer. Sie hielt sich dabei an die gängige Rechtsprechung, nach der von Strafgerichten auch die Faust eines Profi-Boxers oder eines trainierten Karatekämpfers nicht als Waffe gewertet werden. Also keine gefährliche Körperverletzung - für die eine höhere Strafe gedroht hätte. Und auch keine schwere Körperverletzung, ebenfalls härtesanktioniert, weil das Opfer keine bleibenden Schäden hat. "Zähne lassen sich ersetzen", sagte die Staatsanwältin. Auch für Trabants Leugnen zeigte sie Verständnis: "Er ist Boxer. Es gibt bei denen sicher so etwas wie ein Berufsethos, nach dem man Schwächere nicht schlägt." Da sei zu verstehen, "dass er es, auch vor sich selbst, nicht zugeben wollte".

Von Trabants Verteidigerin wurde dieses Entgegenkommen dankbar aufgenommen. "Er hatte mit seiner Frau Stress wegen eines dieser Mädchen im Club", fügte sie hinzu. "Er wollte ihr vielleicht zeigen, dass er sie doch noch liebt." Ihr Strafantrag war dann genauso hoch - oder auch niedrig - wie später vom Gericht beschlossen: 90 Tagessätze à 15 Euro.

"Man könnte jetzt vielleicht sagen, dass das ein bisschen wenig ist", begann Strafrichterin Christine Mathiak ihre Urteilsbegründung. Man müsse aber auch bedenken, dass die Tat in einer "äußerst impulsiven Situation" geschehen sei. Und Trabant habe "komplett überreagiert". Zugute gehalten werden müsse dem Angeklagten, dass er bislang nicht vorbestraft ist, so die Richterin. Er sei also nicht der Typ, der "glaubt, Konflikte mit Gewalt lösen zu können". Auch habe er "die Auseinandersetzung nicht forciert".

Trabant nickte brav, als ihn seine Anwältin mit einem Blick ermuntert, dieses milde Urteil sofort anzunehmen. Er sieht nicht aus wie ein 34-Jähriger, eher wie ein großer, schlaksiger Junge. 1995 wurde er mit 16 Jahren der jüngste deutsche Profi-Boxer. Er galt als Riesen-Talent, holte 2002 den Europameistertitel im Weltergewicht und verteidigte ihn mehrfach. Danach ging es nur abwärts: Er wurde beim Dopen erwischt, verlor wichtige Kämpfe. Aktuell lebt er von Hartz IV. Ein Comeback scheint für ihn kaum noch möglich.