Stadtplanung

Ein Solarturm für den Osthafen

Die alte DDR-Zoll- und Steganlage soll verkauft werden. Bewerber stellen ihre Konzepte vor

Er war schon dem Untergang geweiht. Eigentlich sollte der alte DDR-Zoll- und Grenzsteg im Osthafen abgerissen werden. Doch nun gibt es spannende Konzepte, die die Wasserfläche mit dem 480 Meter langen, grauen Bauwerk zur neuen Attraktion machen könnten. Etwa durch einen Solarturm, der zum Wahrzeichen werden könnte, oder durch historische Dampfer, die am alten Steg einen neuen Hafen finden.

Diese Perspektiven sind möglich, weil das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) die Steganlage ausgeschrieben hat. Sie ist der letzte noch erhaltene Teil der DDR-Sperranlagen in den Berliner Gewässern und wurde deshalb unter Denkmalschutz gestellt. Bis 1989/90 fertigten DDR-Grenzbeamte dort den Schiffsverkehr zwischen Ost- und West-Berlin ab. Außerdem gibt es einen 55 Meter langen Verbindungssteg zum Treptower Ufer.

Beide Stege werden nun verkauft. Die Wasserfläche zwischen Stegen und Treptower Ufer will das WSA an den Käufer verpachten. Im Zuge der Ausschreibung haben sich neun Interessenten in den vergangenen Wochen beworben. Es seien hauptsächlich Berliner Unternehmen, sagte eine Mitarbeiterin des Amtes. Eine Jury bewertet nun die Angebote.

Darunter ist auch der Plan der Osthafensteg Unternehmensgesellschaft (UG). Ein 35 Meter hoher Solarturm in der Spree, außerdem ein kleiner Hafen für 55 Boote und ein neuer Steg für Solarboote - so möchten Michael Gödde und seine Mitstreiter das Gelände auf der Spree gestalten. Gödde ist Geschäftsführer der Osthafensteg UG. Ein Ort des Mauergedenkens in Verbindung mit Kultur, Wassersport und Nachhaltigkeit soll entstehen. "Der alte Zoll- und Grenzsteg wird erhalten und gesichert", sagt Gödde. Vorgesehen ist, dass er öffentlich zugänglich wird, allerdings nur an drei Aussichtsplattformen. "Man spürt dort noch etwas von der Bedrohung, die damals von ihm ausging."

Die geplanten neuen Stege "halten einen respektvollen Abstand von 2,5 Metern", heißt es im Konzept "Osthafensteg 2.0". Dieser Abstand sei auch wichtig, sagt Gödde, damit die Rauchschwalben im alten Steg weiter ungestört nisten und brüten können. Angedacht ist eine Webcam, die das Treiben der Vögel im Umfeld der Nester aufzeichnet. Der Turm mit Solarpaneelen, die sich mit der Sonne bewegen, werde so hoch sei wie die nahe gelegene Skulptur "Molecule Men" in der Spree, sagt Gödde. Wenn es Bedenken gegen den hohen Turm gebe, dann könne stattdessen auch ein kleinerer Solarkristall gebaut werden, der schuppenförmig mit Paneelen bedeckt ist. Am Projekt ist das Unternehmen Solarwaterworld beteiligt.

Platz für Hausboote

Der geplante Hafen im östlichen Teil soll Platz bieten für Sport- und Hausboote, und für alte Salonschiffe. Im westlichen Teil, wo der Solarturm stehen soll, sind ein Verleih von Solarbooten und eine Solartankstelle geplant. Etwa dreieinhalb Millionen Euro will die Osthafensteg UG investieren. Die marode Steganlage soll Schritt für Schritt saniert werden.

Sie besteht aus 2300 Tonnen Stahlbeton. Die Pfähle im Wasser zeigen Risse und Rost. Der Steg könnte umkippen, wenn ein Schiff dagegenfährt - das ist die Befürchtung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin. Deshalb plante die Bundesbehörde den Abriss und suchte im Herbst 2010 nach Firmen, die die Arbeiten ausführen. Doch es gab Proteste. Andere Behörden wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die Senatskanzlei und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg plädierten für den Erhalt, auch die Stiftung Berliner Mauer setzte sich dafür ein.

Interesse am Zoll- und Grenzsteg hat jetzt auch der Historische Hafen Berlin, der ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen hat. Weil es am Standort in Mitte, nahe der Jannowitzbrücke, zu eng wird, sucht der Verein einen weiteren Platz. Geplant ist, dass 21 der etwa 40 alten Schiffe zum Osthafen-Gelände umziehen, darunter die 1896 erbaute "Heinrich Zille", das Fahrgastschiff "Frohsinn" und das Theaterschiff. Eine Holzplattform soll auf Stahlpfählen in der Spree gebaut, und auf dieser Plattform ein Gebäude errichtet werden. Ein Museum für Binnenschifffahrt soll einziehen. "Der alte Zoll- und Grenzsteg wird Teil der Ausstellung sein", sagt Karl-Manfred Pflitsch, Vorsitzender des Vereins Historischer Hafen. Fotos und Texte sollen über die schwimmenden Grenzanlagen der DDR-Zeit informieren. Außerdem sollen Ausflugsschiffe am alten Steg anlegen. Parallel dazu soll ein neuer Steg gebaut werden. Vorgesehen ist, dass die historischen Schiffe auch Fahrten zwischen Mitte und Friedrichshain anbieten.