Tegel

Unternehmer wollen mehr Flüge in der Nacht

Verbandschef plädiert für längeren Betrieb in Tegel - Minister hält dritte BER-Startbahn für unnötig

Nach der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens dringen die Unternehmen in Berlin und Brandenburg auf mehr Nachtflüge in Tegel. Seine "größte Sorge" sei, dass der alte Airport an seine Kapazitätsgrenze stoße und die für den neuen Flughafen geplanten zusätzlichen Flüge nicht abgewickelt werden könnten, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände (UVB), Christian Amsinck. Vorübergehend sollten daher die Betriebszeiten in Tegel verlängert werden.

Derzeit gilt dort ein Nachtflugverbot von 23.00 bis 6.00 Uhr. Einige Airlines fordern aber längere Flugzeiten in den Sommermonaten, weil sie mit Blick auf die für den 3. Juni geplante Eröffnung des neuen Airports in Schönefeld ihr Streckenangebot ausgeweitet hatten. Der Senat prüft das Anliegen noch. Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) räumte in der vergangenen Woche dem Plan "gute Chancen" ein. Eine endgültige Entscheidung soll noch in dieser Woche nach einer Beratung mit der Lärmschutzkommission fallen.

Die Unternehmensverbände begrüßten das Vorgehen der Senatsverkehrsverwaltung. "Der Mehrverkehr darf nicht verloren gehen", so Amsinck. Deswegen sei es gut, dass Senat und Fluggesellschaften alles tun wollten, um eine Abwanderung von Flugverkehr zu verhindern. Wenn es gelänge, den zusätzlichen Luftverkehr an den alten Airports in Tegel und Schönefeld abzuwickeln, wäre das ein "großer Erfolg". 2012 könnten dann 25 Millionen Passagiere transportiert werden. Im Reinickendorfer Bezirksamt stoßen die Pläne auf Kritik. Die Anwohner dürften nicht noch stärker belastet werden, sagte Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) der "BZ am Sonntag".

Einen großen Imageschaden durch das Flughafen-Desaster befürchten die Unternehmen nicht. Nach Einschätzung von Verbandschef Amsinck seien die Auswirkungen nur kurzfristig zu spüren. "Wer den Schaden hat, muss auch den Spott ertragen, damit müssen wir leben", sagte der UVB-Chef. Der Imageschaden sei aber ab dem Moment behoben, sobald der Airport seinen Betrieb aufnehme. Er habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass der Flughafen langfristig ein Erfolg werde.

Wowereits Beliebtheit leidet

Vor diesem Hintergrund empfahl Amsinck eine Konzentration auf wesentliche Punkte: "Wir benötigen eine vernünftige Bestandsaufnahme zur finanziellen Situation und zum tatsächlichen Stand der Bauarbeiten", sagte er. Außerdem sei eine "sehr stringente Projektsteuerung und Überprüfung der nun noch anstehenden Arbeiten" notwendig. "Wir müssen sicher sein, dass alle für den Betrieb eines Großflughafens notwendigen technischen Prozesse funktionieren", ergänzte Amsinck. Eine dritte Start- und Landebahn braucht der neue Flughafen für seine Funktionalität nach Ansicht des Brandenburgischen Verkehrsministeriums aber nicht. Das sei weder "notwendig, noch in irgendeiner Form angedacht", betonte Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. In den Berliner Bürgerämtern startet am heutigen Dienstag die Unterschriftensammlung für ein weitreichendes Nachtflugverbot. Anwohner des BER wollen einen Volksentscheid herbeiführen.

Unterdessen hat das BER-Chaos offenbar Folgen für die Beliebtheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD). Einer "Forsa"-Umfrage für die "Berliner Zeitung" zufolge ist er in der Wählergunst abgestürzt. Binnen vier Wochen wurde Wowereit um 0,5 Punkte deutlich schlechter bewertet. Auf Platz Eins rangiert jetzt Innensenator Frank Henkel (CDU).