Haftbefehl

Darkroom-Mörder ist ein Serientäter

37-Jähriger soll weiteren Mord und Mordversuch verübt haben. Motiv möglicherweise Mordlust

Durch intensive Ermittlungen der Mordkommission ist möglicherweise ein Serienmörder gefasst worden. Wie sich jetzt herausstellte, kommt der am Sonnabend wegen des Mordes in einer Homosexuellen-Bar festgenommene 37-Jährige außerdem für den Mord an einem langjährigen Freund sowie einen versuchten Mord an einem Passanten in Friedrichshain in Betracht. Der Beschuldigte hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitgehend gestanden. Gegen ihn wurde inzwischen Haftbefehl erlassen.

Rückblick: In den Morgenstunden des 5. Mai hatte eine Reinigungskraft des Clubs "Große Freiheit" an der Boxhagener Straße in Friedrichshain die Leiche des 32-jährigen Nicky Miler entdeckt und die Polizei alarmiert. Noch am gleichen Tag wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Obduktion durchgeführt, die den ersten Verdacht bestätigte, dass der junge Mann durch einen "Angriff gegen den Hals", also durch Erwürgen oder Erdrosseln gestorben war. Bereits am nächsten Tag wurde das Foto des Opfers von der Polizei veröffentlicht, die 3. Mordkommission übernahm den Fall.

Am 22. Mai kamen die Ermittler einen großen Schritt weiter. Ihnen gelang die Sicherung von Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die einen jungen Mann zeigten, der kurz nach der Tat versuchte, mit der entwendeten Kreditkarte des Opfers an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn am Ostbahnhof ein Ticket nach Saarbrücken zu kaufen. Den Bild- und Tonaufnahmen nach handelte es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen akzentfrei sprechenden und kommunikativen Deutschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, der etwa 1,70 Meter groß ist. Bekleidet war der kräftige Mann mit blauen Jeans sowie einer dunklen Jacke. Die Öffentlichkeit wurde vom Polizeipräsidium um Mithilfe bei der Suche nach dem Unbekannten gebeten.

Am vergangenen Sonnabend dann der Durchbruch: Zeugen erkannten den Mann wieder und alarmierten die Polizei. Beamte nahmen gegen 18 Uhr den dringend tatverdächtigen Dirk P. in seiner Wohnung an der Grünberger Straße in Friedrichshain fest. Die folgenden Vernehmungen machten auch erfahrenen Ermittlern Gänsehaut - Dirk P. räumte ein, dass dies nicht seine erste Tat gewesen sei. Demnach hatte er nur kurz nach dem Mord in der Homosexuellen-Bar bereits ein nächstes Opfer im Visier gehabt. Im Bahnhof Warschauer Straße bot er bisherigen Erkenntnissen nach einer Zufallsbekanntschaft ein alkoholisches Getränk an, in dem sich Liquid Ecstasy befand. Die Droge ließ Miroslaw W. (26) kollabieren, er wurde ausgeraubt und in einem "hilflosen" Zustand auf dem Bahnsteig zurückgelassen. Nur der Umsicht einer Passantin verdankt der Mann sein Leben. Sie erkannte, dass er nicht betrunken war, sondern Hilfe brauchte. Eine Notarztwagenbesatzung der Feuerwehr brachte ihn ins Krankenhaus, die Ärzte retteten dort sein Leben. Wie sich in weiteren Gesprächen herausstellte, hatte Dirk P. offenbar auf gleiche Weise bereits am 26. April einen alten Bekannten in dessen Wohnung an der Holzmarktstraße in Friedrichshain getötet. Auch ihm wurde Liquid Ecstasy verabreicht, Alexander M. (34) starb an der Droge. Zunächst war hinter seinem Ableben kein Tötungsverbrechen vermutet worden. Dieses Opfer war früher in der Medienbranche tätig und strebte nun eine Karriere beim Zoll an. Seinen Kollegen war in diesen Tagen aufgefallen, dass Alexander M. nicht zum Dienst gekommen war. Sie entdeckten wenig später auch die Leiche. Seitdem ist die Tür zu seiner Zweizimmerwohnung versiegelt.

Zwar wurden alle Opfer beraubt, aber aufgrund seiner finanziellen Situation wäre Dirk P. einem Ermittler nach nicht auf diese Beute angewiesen. "Er hat es allem Anschein nach schlicht wegen des Kicks getan, das Ganze ist unglaublich. Wäre die Zeugin auf den Bahnhof nicht so aufmerksam gewesen und hätte sich um das Opfer gekümmert, wären nun drei Tote zu beklagen." Ein Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl gegen den 37-Jährigen. Er muss sich wegen zweifachen vollendeten Mordes, versuchtem Mord, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes verantworten. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt gehen davon aus, dass der Mann nach vorliegenden Beweisen und Geständnissen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden wird. Wann der Prozess eröffnet wird, steht noch nicht fest.

Täter wollte Pädagoge werden

Wer ist Dirk P.? Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll er erst kurz vor den Taten vom Saarland nach Berlin gezogen sein, seine erste Anlaufstelle war sein alter Freund Alexander M. Er habe sich einem Ermittler nach für den Beamtenweg entschieden und wollte als Pädagoge in Brandenburg arbeiten. Dirk P. ist nicht vorbestraft und bei der Polizei bislang nicht in Erscheinung getreten. Allerdings soll er selbst mehrfach Drogen genommen haben. Flüssiges Ecstasy wirkt in kleinen Dosen stimulierend, mit zunehmender Dosierung einschläfernd und die Motorik störend, starke Konzentrationen können tödliche Folgen haben - wie im Fall Alexander M.