Beusselstraße

Sonnenenergie von der Bananenreiferei

Berlins größtes Solardach geht ans Netz - auf einer Großmarkt-Halle

Die ehemalige Bananenreiferei des Berliner Großmarktes in der Moabiter Beusselstraße steht schmucklos in der Mitte des Geländes. Und doch unterscheidet sich der heutige Blumengroßmarkt von den anderen Hallen des Geländes. In diesen Tagen wird das letzte von 5540 Solarmodulen auf dem Dach der Halle installiert. Dann verfügt der Großmarkt über das größte Solardach der Stadt. Die Solaranlage kann 500 Haushalte mit Strom versorgen - oder die Energie für den Großmarkt liefern. Die Anlage wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Energieagentur von der Berliner Firma Solon installiert und soll im Juni ans Netz gehen.

Insgesamt 2,3 Millionen Euro investiert die Energieagentur in die Anlage. Es soll nicht das letzte Geld sein, das die Firma in den zentralen Umschlagplatz für Lebensmittel und Blumen investiert. "Wie wollen ein Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien werden", sagt der Geschäftsführer des Großmarktes, Andreas Foidl. Das technische Knowhow dafür liefert die Energieagentur. Als nächstes soll eine Holzschnitzelbrennanlage entstehen und die Kühlung für den Fleischmarkt übernehmen. Außerdem arbeiten die beiden Partner an einer Lösung, wie der Strom für die Gabelstapler aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann.

Die Zusammenarbeit mit der Energieagentur soll sich für den Großmarkt doppelt lohnen. Allein 1500 Tonnen Holzabfälle sammeln sich jährlich auf dem Großmarkt. Statt sie zu entsorgen, sollen sie künftig ebenfalls Strom liefern und so, wie bei der Solaranlage, die Betriebskosten der Händler auf dem Großmarkt senken. "Das ist für die Händler wichtig", sagt Foidl. Und soll künftig zu einem Standortvorteil des Großmarktes werden. Denn der Markt muss sich gegen Konkurrenz durchsetzen. Der Marktanteil von 80 bis 85 Prozent am Berliner Lebensmittelhandel ist in den vergangenen Jahren auf 15 Prozent zurückgegangen. Große Supermarktketten verfügen zunehmend über eigene Umschlagplätze für ihre Waren. Der Großmarkt mit seinen 300 Händlern versorgt vor allem Gastronomen, Hotels, Großküchen und Wohnheime mit Ware.

Auch für die Energieagentur ist die Zusammenarbeit lohnenswert. "Die Solaranlage auf dem Großmarkt liefert acht Mal soviel Strom wie die Anlage auf der Max-Schmeling-Halle, das ist ein großer Schritt", sagt ihr Geschäftsführer, Michael Geißler. Nie zuvor hat die Agentur so viel Geld in ein Projekt investiert. Die Agentur soll den Anteil erneuerbarer Energien in Berlin steigern, sie betreibt hier fast 40 Solaranlagen. Die Anlage in der Beusselstraße soll 1,6 Megawatt Strom erzeugen. Mit 39.000 Quadratmetern hat sie die Größe von sechs Fußballfeldern.

Insgesamt liefern derzeit 3300 Solaranlagen in Berlin Strom. Das sind nach Angaben der Energieagentur doppelt so viel wie vor drei Jahren. Insgesamt produzieren die Sonnendächer 36 Megawatt, das entspricht dem Strombedarf von 10.000 Haushalten. Dennoch ist die gelieferte Strommenge im Vergleich zu anderen Energielieferanten gering. Nur ein halbes Prozent des in Berlin benötigten Stroms wird von Solaranlagen geliefert. Im Jahr 2020 soll es ein Prozent sein. Die Erfahrung der letzten Jahre habe aber gezeigt, dass nur jedes zehnte Dach in Berlin für eine Solaranlage geeignet sei, sagt Geißler. Entweder mangele es an der geforderten Südlage der Dächer, oder sie seien nicht für die Last der Module geeignet.