Romy Schneider

Bis in die Bundeskunsthalle

Heute jährt sich der Todestag von Romy Schneider zum 30. Mal. Evelyne Kalla ist ihr größter Fan

Evelyne Kalla ist für Romy Schneider umgezogen. Nicht nach Wien, wo die Schauspielerin am 23. September 1938 geboren wurde. Und auch nicht nach Paris, wo sie 1982 im Alter von nur 44 Jahren starb. Sondern innerhalb ihres Hauses in Tempelhof-Schöneberg - aus einer höher gelegenen Wohnung ins Erdgeschoss. Der Grund: "Die Wohnung hat ein Zimmer mehr und das ist jetzt mein Romy-Zimmer", sagt die 65-jährige Berlinerin. Am heutigen 29. Mai jährt sich der Todestag von Romy Schneider zum 30. Mal. Und wenn sie auch früher, schon als Mädchen in den 50er-Jahren, für damals 20 Pfennige schwarz-weiße Film-Postkarten der Schneider zu horten begann, so sammelt sie seit dem traurigen Tag im Mai des Jahres 1982 leidenschaftlich alles, was ihr von der großen Schauspielerin in die Finger kommt.

Romy-Schneekugeln neben dem TV

"Kommen Sie bitte herein", begrüßt Evelyne Kalla die Besucherin an der Wohnungstür. Am Ende des Flures hängt ein Kalender - klar, von wem - und so wirkt es, als würde ihr Romy Schneider über die Schulter schauen und jeden eintretenden Gast gleich mit begrüßen. Beim Blick durch die Wohnung geht es überall weiter: Romy-Schneekugeln neben dem Fernseher, Romy-Feuerzeug und Streichholzschachteln auf der Kommode, Romy-Küchenschürze am Wandhaken, ein Foto auf dem Nachtschrank, bestickte und bedruckte Romy-Kissen auf dem Bett und deckenhohe Regale voll mit Ordnern, Büchern und Filmen. "Ich habe etwa 200 Bücher über Romy Schneider, rund 1000 Postkarten und natürlich all ihre 58 Filme, die sie gedreht hat", sagt Evelyne Kalla und lacht wie ein junges Mädchen, das über ihren großen Schwarm spricht. Es klingt wie ein Glucksen, wie ein Kichern, es ist unglaublich jugendlich und sympathisch und es zeugt von großer Leidenschaft für den Menschen, über den sie spricht.

Evelyne Kalla hat ein handgeklebtes Archiv über ihre Sammlung, hat alles fotografiert, beschriftet, zeitlich zugeordnet. "So, wie man das früher gemacht hat, nicht am Computer", sagt Evelyne Kalla und ihre Augen strahlen stolz. Ihre Ordnung hat schon vielen Ausstellungs-Organisatoren geholfen. Im Schloss Britz bestückte sie 2011 bei der "Sissi"-Ausstellung eine ganze Vitrine, 2009/10 war sie Leihgeberin für die Deutsche Kinemathek in Berlin ("Romy Schneider. Wien - Berlin - Paris"). "Und derzeit sind einige meiner Stücke in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen", sagt die gelernte Schneiderin, die 20 Jahre als Bekleidungstechnikerin im Ausland gelebt und gearbeitet hat. In Bonn läuft noch bis zum 24. Juni eine Ausstellung über den Weltstar.

Um ihrer Sammelleidenschaft nachzukommen, ist Evelyne Kalla gern auch gereist. Nach Wien natürlich, in die Geburtstadt von Romy Schneider, die eigentlich Rosemarie Magdalena Albach hieß. Oder nach Paris. Überall hat sie auf Flohmärkten gestöbert, sich durchgefragt nach Schätzen, die noch zu finden seien von ihrer Romy Schneider. Einmal verwies sie jemand auf einen riesigen Stapel alter Zeitungen. Evelyne Kalla blickte ihre Freundin an, die sie auf dieser Reise begleitete, lachte sicherlich ihr mädchenhaftes Lachen und sagte: "Ortrud, da müssen wir jetzt wohl durch!" Das Wühlen und Suchen hat sich immer gelohnt.

Manchmal auch das Warten. Wie bei diesem ganz besonderen Stück, das eine alte Schneiderpuppe von Evelyne Kalla - wie es fast scheint - mit Stolz trägt: Ein kaminrotes Plüsch-Schultertuch mit Fransen. "Das wurde im April 1994 in Bayreuth bei einer Nachlass-Auktion von Romy Schneider für damals 2800 Mark versteigert", sagt Evelyne Kalla und freut sich: "Ein paar Jahre später fand ich es bei Ebay - und bekam es für 150 Euro." Ein weiteres Schmuckstück im Schlafzimmer von Evelyne Kalla ist ein weißer Dior-Turban, der auch aus dem Nachlass stammt. "Ist der nicht ein Traum?", fragt sie und streicht sanft über die feine Wolle.

Eine Sache bedauert Evelyne Kalla sehr: "Dass ich Romy Schneider nie live getroffen habe." Dabei stand sie schon mit zwölf Jahren vor Hotels in Berlin oder am Tempelhofer Flughafen und wartete auf die großen Stars. Autogramme von Persönlichkeiten hat sie schon immer gern gesammelt. Aber niemand hat sie fasziniert wie Romy Schneider. "Sie war einfach sehr talentiert, obwohl sie nie eine Schauspielschule besucht hat. Außerdem hatte sie eine unheimliche Authentizität", sagt Evelyne Kalla und betont: "Noch heute, auch 30 Jahre nach ihrem Tod, kreist ein Mythos um sie, was ja schon für sie spricht. Dabei wird mir allerdings viel zu oft vergessen, dass sie auch ein fröhlicher Mensch war. Immer wird über Alkohol und Tabletten gesprochen und geschrieben, das stimmt ja auch. Sie hatte aber auch schwere Schicksalsschläge im Leben, vor allem den tragischen Tod ihres Sohnes. Aber eigentlich sollte man sich auf ihre Arbeit konzentrieren - und die besteht ja aus viel mehr als nur aus ,Sissi'".

Komödien gefallen nicht

Evelyne Kalla liebt natürlich auch "Sissi" ("Hübsche Kostüme - tolle Schnulzen!"), hat aber einen anderen Lieblingsfilm: "Die Dinge des Lebens" von 1969. "Die Komödien, die sie gemacht hat, die gefallen mir überhaupt nicht." In einem Romy-Schneider-Fanclub war sie im Übrigen nie. "Ich habe mal überlegt, ob ich selbst einen gründe... aber, nee", sagt Evelyne Kalla und lacht. Fertig ist sie mit ihrer Sammlung, die sie, "später der Deutschen Kinemathek vererben" wird, noch nicht. "Es gibt zwei Theater-Programmhefte aus den 60er-Jahren, die suche ich, da bin ich ganz heiß drauf!" Jungmädchen-Lachen. "Und so etwa 150 Postkarten fehlen mir auch noch." Sie wird all das sicher finden - wo auch immer. Und dann ihr Archiv vervollständigen, bis nachts um zwei Uhr - wie so oft. Neben dem Bett von Evelyne Kalla hängt ein Schwarz-Weiß-Plakat von Romy Schneider. Traumschön ist sie darauf, die Augen strahlen. Darunter steht: "Die Erinnerung ist oft das Schönste."