Forschung

Neues Zentrum für Jüdische Studien

Die Standorte in Berlin und Potsdam sollen besser vernetzt werden

Für Lisa Schoß könnte der Zeitpunkt kaum besser sein. Die junge Frau, die an der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin Literatur- und Kulturwissenschaft studiert hat, ist seit fast fünf Monaten Mutter einer Tochter. Wenig Schlaf und alles neu - dazu das Studium, das in so einer arbeitsreichen Phase steckt. Anstrengend für die 33-jährige Doktorandin des Kollegiums Jüdische Studien, das seit 2009 an das kulturwissenschaftliche Institut der HU angebunden ist. Am 30. Mai nun findet Lisa Schoß mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit ein neues Zuhause: Mit einem Festakt in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Mitte wird das "Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg" (ZJS) eröffnet. Seinen Sitz hat es künftig in der Sophienstraße 22a. Zum Wintersemester wird dort die Arbeit aufgenommen. Eine Bestätigung für all jene, die auf diesem Gebiet forschen.

An dem Zentrum beteiligen sich die entsprechenden Fachbereiche der HU, der Freien Universität, der Technischen Universität und der Universität Potsdam sowie das mit ihr verbundene Abraham-Geiger-Kolleg und das Moses-Mendelssohn-Zentrum. Knapp sieben Millionen Euro erhält das ZJS für zunächst fünf Jahre vom Bundesforschungsministerium (BMBF). Das Ziel: "Wir wollen die Studien der einzelnen Standorte besser vernetzen, die Aktivitäten bündeln", sagt Professorin Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin an der HU und Koordinatorin des ZJS. "Wir wollen gemeinsame Forschungsanträge stellen und Studienpläne erstellen, die aufeinander abgestimmt sind." Das Konzept orientiert sich an den Empfehlungen des Wissenschaftsrats vom Januar 2010 zur Einrichtung islamischer und jüdischer Studien an deutschen Universitäten. Dort wurde angeraten, "fächerübergreifende Forschungs- und Lehrkooperationen zu fördern und dazu gemeinsame Zentren theologischer und religionsbezogener Forschung einzurichten".

Am neuen ZJS fördert das BMBF zudem Stellen für Nachwuchswissenschaftler: fünf Postdocs, neun Doktoranden, je drei Junior- und Seniorprofessuren, zwei jüdisch-theologische Professuren (Rabbiner-Ausbildung) und zwei Gast-Wissenschaftler werden dort ihren Platz finden. "Bewerbungen sind bis Ende Juni möglich", sagt Christina von Braun. Die Schwerpunkte der neu geschaffenen Einrichtung sind: "Die Erforschung von jüdischem Leben in Berlin, historisch und aktuell, der Trialog zwischen Judentum, Christentum und Islam sowie die Memorialkultur", sagt die Kulturwissenschaftlerin. Ihr ist es wichtig zu erwähnen, dass das "Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg" keine Konkurrenz zur Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien ist. Das Berliner Zentrum werde sich als Ergänzung entwickeln.

Lisa Schoß ist begeistert: "Durch das Zentrum werden die einzelnen Standorte besser miteinander verankert sein. Und der Austausch mit Wissenschaftlern, die an gleichen Themen arbeiten und forschen, enger. Diese Aussicht motiviert."