Bilanz

Zahl der Einbrüche auf Rekordstand

Auch Taschendiebstahl und Körperverletzung haben zugenommen - insgesamt meldet die Polizei einen Rückgang der Kriminalität

Es waren dramatische Zahlen, die die Berliner Polizei im vergangenen April verkünden musste. Mehr als 11.000 Einbrüche in Wohnungen und Häuser und damit 2293 mehr als noch im Jahr 2010 bedeuteten einen drastischen Anstieg um 26,3 Prozent. Wie eine aktuelle Statistik zeigt, muss sich die Polizei auch weiterhin mit einem Anstieg von Wohnungseinbrüchen auseinandersetzen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Einbrüche auf 4214 gestiegen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das noch einmal ein Anstieg von 20,7 Prozent. Insgesamt verzeichnete die Polizei jedoch einen leichten Rückgang der Kriminalität. Bis Ende April wurden 159.219 Straftaten angezeigt, ein Minus von 3,1 Prozent.

Neben der stark gestiegenen Anzahl von Wohnungseinbrüchen stellen die zunehmenden Taschendiebstähle ein ernstes Problem dar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden in diesem Bereich 4659 Taten verübt, ein Plus von 24,4 Prozent. Ebenfalls gestiegen sind Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung (plus 5,8 Prozent auf 3475 Fälle) und Raubtaten (plus 4,3 Prozent auf 2187 Taten). Zurückgegangen ist die Kriminalität dagegen im Bereich Kfz-Diebstahl sowie bei Brand- und Tötungsdelikten.

Einbrecherbanden aus Osteuropa

Die Polizei führt die gestiegenen Zahlen bei Wohnungseinbrüchen vor allem auf kriminelle Banden aus Osteuropa zurück. Diese sogenannten "reisenden Täter" bereiteten der Polizei bereits im vergangenen Jahr große Schwierigkeiten. Laut Ermittlern handelt es sich meistens um Familien aus Kroatien, Serbien, Bosnien, Bulgarien oder Rumänien, die regelrecht in die Hauptstadt einfallen. Bei vielen Tätern, die festgenommen werden, ist die Nationalität jedoch nicht geklärt. Sobald die Täter befürchten, von der Polizei überführt zu werden, reisen sie weiter.

Die Banden seien sehr flexibel, mieten sich in Hotels ein oder übernachten in Pensionen, sagen Experten der Polizei. Deswegen hatten sich Polizei und Staatsanwaltschaft kürzlich auf eine engere Zusammenarbeit verständigt. So sollen etwa feste Ansprechpartner die Kommunikation erleichtern. Wegen der reisenden Kriminellen soll die Koordination mit brandenburgischen, polnischen und tschechischen Behörden verbessert werden. Die Polizei kündigte zudem an, ihre "intensiven Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Delikte", sowohl präventiv als auch repressiv fortzuführen, um die Zahlen wieder zu verringern. Zudem werde auch die Bevölkerung dazu aufgefordert, aufmerksamer zu sein. So soll dafür gesorgt werden, dass Kriminelle nicht durch heruntergelassene Rollläden oder überfüllte Briefkästen sofort von außen erkennen, dass die Mieter oder Eigentümer nicht zu Hause sind. Zudem seien immer noch zu viele Wohnungen unzureichend gesichert, so die Polizei. Schlecht gesicherte Türen und Fenster könnten in der Regel problemlos aufgehebelt werden. Bei verdächtigen Beobachtungen sollte daher immer sofort die Polizei alarmiert werden.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist diese Entwicklung nicht verwunderlich. "Hier findet eine Verlagerung der Kriminalität von der Straße in die Wohnungen statt", sagt der Berliner GdP-Geschäftsführer Klaus Eisenreich. Das Entdeckungsrisiko sei gering und die Beute für die Täter attraktiv. Die Anonymität der Großstadt würde zudem den Tätern die Arbeit erleichtern, sagt er. Viele Menschen kümmerten sich nicht darum, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiere. Dies sei ein gesellschaftliches Problem. "Wir passen einfach nicht mehr aufeinander auf", so Eisenreich.

Touristen häufig Diebstahl-Opfer

Auch den starken Anstieg von Taschendiebstählen führen die Kriminalitäts-Experten auf reisende Täter zurück. Opfer sind besonders häufig Touristen. Berlin bietet mit seinen vielen Großveranstaltungen und touristischen Anziehungspunkten viele Gelegenheiten für die Täter. Besonders häufig schlagen die Diebe am Breitscheidplatz in Charlottenburg und am Alexanderplatz in Mitte zu.

Erfreulich ist hingegen der Rückgang beim Kfz-Diebstahl. Nach Angaben der Polizei hätten gemeinsame Grenzkontrollen mit Brandenburg sowie die internationale Zusammenarbeit mit Litauen die Fallzahlen sinken lassen. So wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres nur noch 1766 Taten angezeigt, eine Abnahme um 22,4 Prozent. Zurückgegangen sind auch die Brandstiftungen. Dies erklärt die Polizei mit verschiedenen Ermittlungserfolgen im vergangenen Jahr, bei denen einige Serienbrandstifter festgenommen werden konnten. Die Zahl der Branddelikte fiel um 15,6 Prozent auf 933 Fälle.

Mord und Totschlag sind ebenfalls rückläufig. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum registrierte die Polizei einen Rückgang um 12,5 Prozent auf 49 Taten. Auch die Jugendgruppengewalt ging um 15,7 Prozent auf 630 Fälle zurück, ebenso Fälle von politisch motivierter Kriminalität. Sie verringerte sich in den ersten vier Monaten in 2012 um 22 Prozent auf 845 Fälle.