Erstes Wohnungsbündnis in Lichtenberg geschmiedet

Bezirk, städtische Unternehmen und private Investoren fördern bis 2014 gemeinsam 3100 Einheiten

Ein "Bündnis für Wohnen" ist in Lichtenberg auf den Weg gebracht und jetzt vorgestellt worden. Damit ergriff das erste Bezirksamt in Berlin die Initiative, gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Howoge, Genossenschaften und privaten Investoren den Neubau von Wohnungen aller Art und Preissegmente zu fördern. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) begrüßte das Vorhaben. Er sagte: "Ich wünsche mir, dass auch in anderen Bezirken solche Bündnisse ins Leben gerufen werden." Jede zusätzliche Wohnung entlaste den Bestand und begegne so steigenden Mieten. Der Bausenator hatte kürzlich ein "Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten" angekündigt. Damit will der Senat die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen verpflichten, einkommensschwache Mieter mit einer Sozialklausel zu schützen.

Bebaute Standorte nutzen

Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) versteht das Lichtenberger Bündnis auch als Beitrag zur Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU, bis 2016 in Berlin für 30.000 neue Wohnungen zu sorgen. Allein in Lichtenberg könnten nach aktuellen Plänen in den kommenden zwei Jahren bis zu 3100 neue Wohnungen entstehen, sagt Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Mittelfristig würden bis zu 4000 weitere prognostiziert. Dafür wolle man im wesentlichen Standorte nutzen, die bereits bebaut waren. Eingriffe in Grünflächen werde es nicht geben.

Nünthel nennt Beispiele: das ehemalige Studentenheim an der Treskowallee/Römerweg in Karlshorst, wo die Howoge 350 Wohnungen baut, ein früheres Bahngebäude an der Frankfurter Allee 216 mit 400 Wohnungen für Singles und Studenten, einstige Sportlerwohnheime an der Konrad-Wolf-Straße mit 200 Wohnungen und ehemalige Ausländerunterkünfte an der Wartenberger Straße in Hohenschönhausen. Größtes Zukunftsprojekt ist bis 2016 die neue Gartenstadt Karlshorst. 1200 Familien sollen in die Häuser einziehen. Nünthel: "Wir haben Flächen für insgesamt 8000 Wohnungen identifiziert."

Und Geisel wirbt auch für kleine Flächen, die an Mieter-Baugenossenschaften gehen könnten. Ein vorrangiges Ziel des neuen Bündnisvertrages zwischen Bezirksamt und Akteuren der Wohnungswirtschaft sei die Aufstellung eines Lichtenberger Stadtentwicklungsplanes Wohnen. "Jeden Monat ziehen tausend Menschen, vor allem junge Familien, in unseren Bezirk, 700 kehren ihm den Rücken", rechnet der Bürgermeister vor. Da die Zuzügler überwiegen, gebe es eine klare Verpflichtung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Geisel: "Wir müssen auch für neue Kita- und Schulplätze sorgen."

Senator Müller sieht es als besonders positiv an, dass in das bezirkliche Bündnis auch Wohnungsgenossenschaften und private Investoren einbezogen sind. Er bleibt aber dabei, dass Grundstücke verbilligt oder kostenlos künftig für Neubauten nur an die sechs städtischen Wohnungsunternehmen abgegeben werden können. Das sei jetzt mit dem Finanzsenator so verabredet worden.