Personalien

BER-Projektleiter Körtgen steht weiter in der Kritik

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Thomas Fülling

Aufsichtsrat will personelle Konsequenzen besprechen

Nach der peinlichen Terminabsage für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Willy Brandt (BER) geht die Suche nach den Schuldigen weiter. Im Fokus der Kritik steht dabei Manfred Körtgen, der als Geschäftsführer Betrieb der Flughafengesellschaft auch hauptverantwortlich für den Flughafen-Neubau in Schönefeld ist. Ihm wird sowohl von beteiligten Baufirmen als auch aus der Politik Versagen im Projektmanagement vorgeworfen. Noch schwerer wiegt der Vorwurf, dass er Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz und die Aufsichtsgremien über das Ausmaß der Probleme im Baufortschritt nicht ausreichend informiert haben soll. Mängel in der Funktion der Brandschutztechnik hatten in der vorigen Woche dazu geführt, dass Flughafen-Chef Schwarz die für den 3. Juni angekündigte Eröffnung des BER kurzfristig komplett absagen musste.

Schuld bei Planung und Controlling

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schließt personelle Konsequenzen nach dem Desaster nicht aus. "Konsequenzen sind aber erst dann zu ziehen, wenn man weiß, wer schuld ist", sagte Platzeck am Montag in Potsdam. Am Mittwoch tage der Aufsichtsrat, dann werde darüber gesprochen. "Die Schuld liegt aber nicht bei den Tausenden Bauarbeitern", sagte Platzeck. "Sie liegt eine Ebene höher, bei Planung und Controlling." Im 15-köpfigen Aufsichtsrat unter Leitung von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sind die Gesellschafter der Flughafengesellschaft, die Länder Berlin und Brandenburg (Gesellschafteranteil je 37 Prozent) und der Bund (26 Prozent) sowie die Arbeitnehmerseite vertreten. Speziell aus Kreisen der brandenburgischen Landespolitik hieß es, dass das Vertrauen in Körtgen schwer erschüttert sei. Ihm wird insbesondere vorgeworfen, bei den regelmäßig anberaumten Beratungen des Aufsichtsrats zwar Probleme im Baufortschritt benannt, diese jedoch als lösbar dargestellt zu haben. Selbst bei der Aufsichtsratssitzung im April soll Körtgen erklärt haben, dass die BER-Eröffnung wie geplant am 3. Juni erfolgen könne. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die Feuerlöschanlagen nicht wie vorgesehen vollautomatisch funktionieren würden. Körtgen wollte das durch eine Interimslösung ausgleichen, mehrere Hundert Mitarbeiter sollten zusätzlich eingestellt werden, damit sie im Notfall unter anderem flüchtenden Passagieren den Weg nach draußen zeigen und Brandschutztüren im Terminalgebäude per Hand schließen. Für die Bauaufsicht war eine solch angedachte Zwischenlösung jedoch nicht genehmigungsfähig.

Körtgen selbst machte dagegen die zahlreichen Umplanungen, unter anderem veranlasst durch Änderungswünsche der Fluggesellschaften, für den erheblichen Terminverzug verantwortlich. Diese hätten alle in das Brandschutzsystem für den BER planerisch integriert werden müssen, wodurch bestehende Zeitpuffer aufgebraucht worden seien, sagte er vorige Woche bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des brandenburgischen Landtags.