Brauerei-Gelände an der Landsberger Allee

Die Künstler wollen zurück

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Sabine Flatau

Das Brauerei-Gelände an der Landsberger Allee hat einen neuen Besitzer

Das schmiedeeiserne Eingangstor an der Landsberger Allee 54 ist fest verschlossen. Auch die anderen Türen und Tore der alten Patzenhofer-Brauerei in Friedrichshain sind gut gesichert. Ein Wachdienst betreut das Gelände, auf dem noch die Fabrikantenvilla, das Sudhaus und das Lagerhaus erhalten sind. Die meisten Fensterscheiben sind zerschlagen. Die Gebäude mit den dunkelroten Backsteinen und gelben, horizontalen Bändern machen einen desolaten Eindruck. Doch das Gelände hat einen neuen Besitzer und damit wieder eine Zukunft. Die PABR Verwaltung GmbH hat im März 2012 das Grundstück von der Berliner Immobilienfirma Estavis gekauft. Man sei im Gespräch mit den zuständigen Ämtern in Friedrichshain-Kreuzberg, sagte Achaz von Oertzen, Geschäftsführer der PABR. Die Gebäude der Brauerei sollen denkmalgerecht saniert werden. Wohnungen und Gewerberäume sind vorgesehen. "Die Planung ist auf gutem Weg", so der Geschäftsführer. Mit dem Bezirksamt werde ein Bebauungsplan für das Vorhaben entwickelt.

Das Areal hat eine besondere Vergangenheit. Bis zum Herbst 2011 haben mehr als 70 Künstler aus aller Welt, darunter Maler, Designer, Installationskünstler und Bildhauer, in den alten Gebäuden gearbeitet. Eine Galerie, ein Club, ein Café und ein Biergarten waren entstanden. Im Oktober 2011 wurden die Häuser vom Bezirksamt geschlossen und gesperrt - weil die Behörde bei einem Vor-Ort-Termin erhebliche Bauschäden und vor allem Brandschutzmängel festgestellt hatte. Einige Künstler sind an einen anderen Standort in Hohenschönhausen gezogen. Doch etwa 30 der einstigen Nutzer möchten wieder zurück in die Brauerei. Sie gehören zur Gruppe LA 54, die sich 2010 gebildet hat. "Wir haben noch Materialien in unseren Räumen und wollen dort wieder arbeiten", sagt Gustav Kleinschmidt, Sprecher der Gruppe. Auch Robert Meyer, Fotograf aus Dänemark, würde gern wieder in sein Studio an der Landsberger Allee 54 zurückkehren. Drei Jahre lang hat er dort gearbeitet. "Es war ein toller Zusammenhalt", erzählt er. "Einer hat dem anderen geholfen." Die alte Brauerei sei etwas Besonderes, sagt die Malerin Stella von Rohden (25), "etwas Kreatives". Sie hat eineinhalb Jahre dort verbracht. Ein Jahr lang hat Stuart McLean aus Kanada in der Brauerei Musik gemacht und produziert. "Es war eine inspirierende Gemeinschaft", sagt der 32-Jährige.

"Sicherheit hat Vorrang"

Ob sich diese Gemeinschaft erneut in den alten Gemäuern zusammenfinden kann, ist noch ungewiss. "Die Sicherheit hat Vorrang", sagt Geschäftsführer von Oertzen. Eine Zwischennutzung sei jedoch wieder denkbar. "Sie bringt Leben in die Gebäude." Der Vorbesitzer, die Estavis AG, hatte das Gelände nicht einmal ein Jahr lang behalten. Man wolle 152 Eigentumswohnungen und neun Gewerbeeinheiten bauen, teilte das Unternehmen im Mai 2011 mit. Realisiert wurde das Projekt nicht. Gründe dafür wollte eine Mitarbeiterin auf Anfrage der Berliner Morgenpost nicht nennen. Die Brauerei in Friedrichshain entstand nach Entwürfen des Architekten Arthur Rohmer. 1990 wurde der Brauereibetrieb eingestellt.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will das Grundstück als sogenanntes Mischgebiet ausweisen, sodass auch eine kulturelle Nutzung möglich sein wird. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) sagte, er werde mit dem neuen Eigentümer über eine Zwischennutzung verhandeln. Ein Vertrag solle abgeschlossen werden. Auch die Brandschutzmängel müssten behoben werden.

Die Künstler, die früher auf dem Gelände arbeiteten, hatten einen Bauantrag gestellt, um diese Mängel zu beseitigen und die Gebäude weiter nutzen zu können. Estavis, der frühere Eigentümer, sei nicht bereit gewesen, diesen Bauantrag zu unterschreiben, sagte Schulz.

"Der Bezirk hat großes Interesse daran, dass das Quartier umgebaut wird", so der Bezirksbürgermeister. Doch bis es Bauplanungsrecht gebe, könnten ein oder eineinhalb Jahre vergehen. "In dieser Zeit könnten Künstler zur Zwischennutung einziehen." Schulz hat sich Anfang Mai mit der Künstlergruppe LA 54 getroffen. "Wir möchten in das künftige Konzept des neuen Eigentümers einbezogen werden", sagt Gustav Kleinschmidt. Er hat die Pläne, wie die Gruppe die Brauerei nutzen möchte, den Bezirksverordneten vorgestellt. "Wir möchten, dass die Künstlergruppe auf jeden Fall auf dem Gelände weiterarbeiten kann", sagt die Grünen-Verordnete Susanne Hellmuth.