Stadtplanung

Neue Wege am Fluss

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Sabine Flatau

Kreuzberg soll bald den ersten Uferweg bekommen. Auch Mitte und Köpenick engagieren sich

Das Spreeufer ist einer der großen Trümpfe von Berlin. Der Fluss zieht sich in vielen Windungen durch die Stadt. Berühmte Bauten wie Berliner Dom, Kanzleramt, Bodemuseum, die East Side Gallery und das Schloss Charlottenburg liegen an der Spree. "Der Zugang zum Wasser gehört zu den wichtigsten touristischen Attraktionen in der Stadt", sagt Christian Tänzler, Sprecher der Marketinggesellschaft Visit Berlin. Millionen Besucher ziehe es jährlich an den Fluss, zu den Clubs, Restaurants und Strandbars. Mit den Spreewegen im Regierungsviertel habe die Stadt in den vergangenen Jahren stark aufgeholt, sagt Tänzler. Dieser Prozess geht weiter. In Kreuzberg, in Friedrichshain, in Mitte und in Treptow-Köpenick entstehen weitere Promenaden am Ufer.

Noch in diesem Jahr soll Kreuzberg seinen ersten Uferweg bekommen. Er entsteht zwischen Brommystraße und Schillingbrücke und führt am Rand der Spree über privates Gelände. Drei Grundstücke sind betroffen. Seit Jahren verhandelt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit den Eigentümern. Der Vertrag mit der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala) sei fertig, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Die Nicolas Berggruen Holdings GmbH habe den Entwurf schon unterschrieben, jetzt werde auch das Bezirksamt unterzeichnen. Auch für das Gelände der Heeresbäckerei sei der Vertrag weitgehend ausgearbeitet, so Schulz. Rund 1,5 Millionen Euro sind für die neue Promenade veranschlagt. Die Mittel sollen aus dem Programm Stadtumbau West zur Verfügung gestellt werden. Der Weg soll ein Geländer bekommen. Der Entwurf, der in Kreuzberg verwirklicht wird, stammt vom Büro Topotek 1. Er sieht einen Betonpfad vor, der von Granitsteinen eingefasst ist. Die Spaziergänger werden Sitzgelegenheiten aus Holz und Beton vorfinden, und einen frei tragenden Balkon, der sich über den Fluss schiebt. Dieser Weg ist erst der Anfang für Kreuzberg. Am Ufer sollen weitere Wege entstehen, kündigt Bürgermeister Schulz an. Etwa zwischen Pfuelstraße und Oberbaumbrücke, oder am May-Ayim-Ufer. Einige Strecken würden unmittelbar am Wasser, über einen Holzsteg geführt, sagt Schulz.

Das gegenüberliegende Friedrichshain bietet schon viele Flaniermeilen am Wasser. Doch auch dort werden weitere geplant. So auch auf dem Grundstück der Berliner Stadtreinigung, wo einst die legendäre Bar 25 stand und das jetzt vom Liegenschaftsfonds ausgeschrieben ist. "Ich bin mir sicher, dass wir für diese Fläche eine Lösung finden", sagt Schulz. Er fühlt sich dem Bürgerentscheid "Spreeufer für alle" von 2008 verpflichtet.

Eine der beliebtesten Spreepromenaden führt am Osthafengelände entlang. Man sieht auf das gegenüberliegende Ufer mit dem imposanten Treptower, der Arena und dem Badeschiff. "Diese Promenade wird eines Tages etwa 1,2 Kilometer lang sein, so wie der gesamte Hafen", sagt Michael Reimann, zuständig für den Immobilienvertrieb bei der Behala. Doch noch ist es nicht so weit. Immer, wenn Teilgrundstücke auf dem Hafengelände verkauft werden, werde der Käufer verpflichtet, einen Uferweg anzulegen. "Damit dieser Weg einheitlich wird, führen wir die Arbeiten aus", sagt Reimann. "Jetzt ist der Bereich vom ehemaligen Eierkühlhaus, Spreespeicher bis zum Musik- und Lifestyle-Hotel "nhow" zugänglich." Daran schließe sich das Grundstück an, auf dem derzeit die Coca-Cola-Zentrale gebaut werde. "Sie soll 2013 fertig sein. Und dann bauen wir den Abschnitt der Promenade." Das Geländer an der Spree gebe es schon. Auch vom MTV-Gelände bis zu den Häusern Labels I und II könne man schon am Ufer entlanglaufen. "Das berlinweite Ziel ist, dass man kilometerlang am Ufer spazieren gehen oder Rad fahren kann", sagt Mittes Stadtentwicklungsstadtrat Carsten Spallek (CDU), "von Treptow-Köpenick bis Spandau." Auch Mitte will einen weiteren Abschnitt an der Spree dazu beitragen. Er liegt nordwestlich von Kreuzberg und reicht von der Jannowitzbrücke bis fast zur Schillingbrücke.

Möglich wird das, weil diese Flächen zur nördlichen Luisenstadt gehören, die der Senat kürzlich zum Sanierungsgebiet erklärt hat. Zu den Sanierungszielen gehöre auch ein öffentlich zugänglicher Bereich am Ufer, sagt Stadtrat Spallek. Jetzt werde ein Bebauungsplan für das Gebiet entwickelt. "Dann können wir mit den Eigentümern der betroffenen Grundstücke verhandeln." Die Flächen, die zum Uferweg gehören sollen, könnten angekauft werden. Geld werde aus den Sanierungsmitteln oder anderen Fördertöpfen bereit stehen. Ein bis zwei Jahre könne es dauern, so Spallek, bis das Planungsverfahren beendet sei.

Am Wasser entlang in der Altstadt

Auch in Treptow-Köpenick arbeitet man daran, dass immer mehr Uferbereiche öffentlich zugänglich werden. In der Altstadt Köpenick sei die Promenade jetzt verlängert worden, sagt Michael Diehl vom Tourismusverein Treptow-Köpenick. Fast drei Kilometer kann man an Spree, Dahme und Frauentog entlanggehen. In Oberschöneweide sind es einzelne Abschnitte, an denen man bis an den Fluss gelangt und das Flair des einstigen Industriestandortes mit seinen alten Backsteingebäuden wahrnimmt. Am Campus Wilhelminenhof ist ein 600 Meter langer Weg an der Spree entstanden, von der Wilhelminenhofstraße bis zum Gelände der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Nach einer Unterbrechung ist der Fluss in Höhe des Stadtplatzes am neu erbauten Kaisersteg wieder zugänglich.

Bei einigen Uferflächen verhandele das Bezirksamt noch mit den Eigentümern, sagt Michael Diehl. Am gegenüberliegenden Ufer in Niederschöneweide kann man zwischen Rudower Straße und Hasselwerderstraße am Wasser entlanggehen, bis zum Kaisersteg und sogar noch ein Stück darüber hinaus. Besonders reizvoll ist der Uferweg, der am Baumschulenweg, nahe der Baumschulenstraße, beginnt und am Treptower Park entlang führt, unter der Elsenbrücke hindurch, weiter zu den Treptowers und zum Arena-Gelände an der Eichenstraße. Vier Kilometer lang ist die Strecke, die fast ununterbrochen am Wasser entlang führt.

Einen neuen Spreezugang gibt es auch in Spandau. Weil durch den Siemens Technopark jetzt eine öffentliche Straße gelegt wurde, der Wohlrabedamm, können Anwohner über diese Straße zum bislang unzugänglichen Flussufer gelangen.