Gedenken

Richtfest beim Umbau der Stasi-Gedenkstätte

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Ingo Rössling

Ausstellungshalle und Besucherzentrum entstehen

Im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen wurde mehr als 22 Jahre nach der Wende Richtfest gefeiert. Anlass war am Montag der Umbau der jetzigen Stasi-Opfer-Gedenkstätte. So entstehen im Hauptgebäude zwei Ausstellungshallen zur Geschichte der Haftanstalt. In den einstigen Garagentrakten werden ein Besucherzentrum mit Buchladen und Café sowie Veranstaltungs- und Seminarräume geschaffen. Die Kosten von insgesamt 16 Millionen Euro tragen Bund und Land Berlin zu gleichen Teilen.

"Es mag merkwürdig anmuten, in einem Stasi-Gefängnis Richtfest zu feiern", sagte Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe, "aber wir tun das aus gutem Grund." Da immer mehr Menschen für diesen Ort der Unterdrückung Interesse zeigten, solle das Angebot ausgeweitet und verbessert werden. Knabe versicherte: "Das historische Erscheinungsbild der Untersuchungshaftanstalt wird sich durch den Umbau aber nicht verändern." Im Stasi-Gefängnis werde quasi ein Museum mit moderner Infrastruktur versteckt.

342.000 Besucher im Jahr 2011

Auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte: "Die Authentizität bleibt gewahrt." Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz sprach von einer der erfolgreichsten Gedenkstätten in der Bundesrepublik. Zahlen untermauern das: 2011 war sie von etwa 342.000 Menschen aus aller Welt besichtigt worden; ein neuer Jahresrekord. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 kamen rund 2,5 Millionen Besucher. Schmitz: "Nunmehr gewinnt die Gedenkstätte eine neue Qualität für ihre zeitgeschichtliche Mission." Künftiges Museumsherzstück wird auf einer Fläche von 400 Quadratmetern die Dauerausstellung sein. Sie soll im Februar 2013 eröffnet werden. Knabe sagt: "Diese Schau wird Biografien und persönliche Erfahrungen der ehemaligen politischen Häftlinge ebenso beleuchten wie die Welt der Täter."

Zu sehen sind zahlreiche einmalige Exponate aus dem Gefängnisleben, darunter auch Kassiber, die zeigen, dass sich die Inhaftierten nicht unterkriegen ließen. Auf einer weiteren Fläche von 300 Quadratmetern wird es wechselnde Expositionen über das DDR-Unrecht geben. Ein Fahrstuhl soll direkt in das "U-Boot", das berüchtigte Kellergefängnis, führen. Dort wurden die Häftlinge mit Wasserfolter gequält. Den Architektenwettbewerb hatte das Stuttgarter Büro HG Merz gewonnen. Knabe sieht für die Gedenkstätte weiteren Sanierungsbedarf von 5,7 Millionen Euro. Es gehe um Zellen- und Vernehmertrakte sowie das Haftkrankenhaus. Auch die sogenannten Tigerkäfige für Häftlinge im Freien sollen restauriert werden. Schmitz sagt: "Der Senat hat schon Mittel in seiner mittelfristigen Finanzplanung verankert." Er rechne fest damit, dass der Bund wieder anteilmäßig die Hälfte übernimmt.