Estrongo-Nachama-Preis

Ein Ansporn für mehr Toleranz und Zivilcourage

Stiftung Meridian schreibt den Estrongo-Nachama-Preis aus

Brutale Angriffe auf Fahrgäste in S- und U-Bahn, antisemitische Schmierereien an jüdischen Einrichtungen, Drohungen gegen Moscheen - beinahe täglich gibt es in Berlin Übergriffe mit rassistischem oder rechtsextremem Hintergrund. 158 Attacken von Extremisten auf Menschen hat die Polizei 2011 in der Stadt registriert. Um die Berlinerinnen und Berliner zu ermutigen, sich solchen Übergriffen entgegenzustellen, hat die Stiftung Meridian den Estrongo-Nachama-Preis für Toleranz und Zivilcourage ins Leben gerufen. Am Freitag stellten die Stifter im Adlon Palais die Idee der Auszeichnung vor. Der Namensgeber - der frühere Berliner Oberkanton Estrongo Nachama - wäre an diesem Tag 94 Jahre alt geworden.

"Estrongo Nachama hat sich wie kein anderer für den interreligiösen Dialog zwischen Juden und Christen stark gemacht und damit bewiesen, dass man Grenzen überwinden kann", begründete Stiftungsvorstand Michael Arndt die Entscheidung, den neuen Toleranzpreis nach dem im Jahr 2000 verstorbenen Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu benennen. Gemeinsam mit Andreas Nachama, Sohn des Namensgebers, hatte Arndt den Preis initiiert. Der Gedanke sei ihnen beiden nach der Beerdigung von Giuseppe M. gekommen, der im September 2011 vor Schlägern im U-Bahnhof Bismarckstraße geflohen und auf der Straße von einem Auto erfasst worden war, erinnert sich Andreas Nachama, der die Stiftung Topographie des Terrors leitet.

Im Alter von 24 Jahren verschleppten die Nazis den am 4. Mai 1918 in der griechischen Hafenstadt Saloniki geborenen Nachama mit seiner Familie nach Auschwitz und schickten ihn später auf einen Todesmarsch nach Sachsenhausen. Er konnte der Gaskammer knapp entkommen, seine Familie wurde ermordet. Nach der Befreiung durch die Alliierten lernte er in Berlin seine spätere Frau Lili kennen. Mit Heinz Galinski baute er die Jüdische Gemeinde zu Berlin wieder auf.

Mit seiner Stimme wurde Nachama international bekannt. Der Bariton hatte eine eigene Sendung im RIAS.

Erstmals am 4. Mai 2013 und dann jährlich am Geburtstag des Namensgebers will die Stiftung Meridian die Auszeichnung an Menschen vergeben, die sich für andere einsetzen und bei rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Übergriffen nicht wegschauen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Polizei unterstützt die Initiative.

Bewerbungen ab sofort per Email: estrongo-nachama-preis@meridian-stiftung.de . Einsendeschluss: 31. Dezember.