Countdown Flughafen: Noch 29 Tage

"Wir sind vor Ort, um zu reden und zuzuhören"

Pfarrer Bernhard Motter über die Arbeit auf dem Flughafen

Wenn der Flughafen BER am 3. Juni eröffnet, wird es dort auch ein Team von 14 Seelsorgern geben, die sich um die Fluggäste und die Mitarbeiter kümmern - einen evangelischen und einen katholischen Pfarrer sowie zwölf ehrenamtliche Helfer, die am Freitagabend eingeführt wurden. Regina Köhler sprach mit dem katholischen Pfarrer Bernhard Motter über die Aufgaben der Seelsorger und darüber, ob sie auch bei Flugangst helfen können.

Berliner Morgenpost:

Herr Motter, was sind die wichtigsten Aufgaben der Flughafenseelsorger?

Bernhard Motter:

Wir helfen mit Rat und Tat. Zum Beispiel Leuten, die auf dem Flughafen stranden, weil sie nicht wie geplant abgeholt werden. Wir sprechen aber auch Menschen an, die bedrückt oder traurig aussehen, und fragen, was wir für sie tun können. Für die Mitarbeiter des Flughafens sind wir ebenfalls da. Kurz gesagt: Wir sind vor Ort, um zu reden, zuzuhören und mit den Menschen zu beten.

Wie werden die Seelsorger eingesetzt?

Es wird eine Kernanwesenheitszeit geben, zwischen 11 Uhr und 15 Uhr. In dieser Zeit soll mindestens ein Seelsorger auf dem Flughafen sein. Rund um die Uhr gibt es eine Rufbereitschaft. Wenn Hilfe nötig ist, kommen wir zum Flughafen, egal, wie spät es ist. Wir wollen aber nicht nur im Büro oder in der Kapelle sitzen, sondern auf dem Flughafengelände unterwegs sein und direkt zu den Menschen hingehen.

Wo befindet sich die Kapelle?

Die Kapelle ist im Hauptterminal auf der Ebene 2. Dort wollen wir jeden Sonntag einen Gottesdienst feiern, abwechselnd einen evangelischen und einen katholischen. Jeden Mittwoch um 12 Uhr soll es dort eine Mittagsandacht geben. Direkt neben der Kapelle wird der Raum der Stille allen Menschen offenstehen.

Wer sind die ehrenamtlichen Seelsorger, und brauchen Sie künftig noch mehr?

Die zwölf ehrenamtlichen Seelsorger sind Menschen unterschiedlichen Alters. Einige sind berufstätig, andere im Vorruhestand oder bereits pensioniert. Alle sind von uns ausgebildet worden. Darüber hinaus suchen wir tatsächlich noch weitere Helfer. Wer Interesse hat, kann sich bei der Kirche melden.

Wie wurden die Seelsorger ausgebildet?

An fünf Sonnabenden sowie an zwei Wochenenden wurden die freiwilligen Helfer geschult. Es ging darum, wie man Menschen begleitet, wie man mit Trauer und Leid umgeht. Auch wie man ein hilfreiches Gespräch führt, war Gegenstand der Ausbildung.

Noch eine persönliche Frage. Könnte ich mit meiner Flugangst zu Ihnen kommen?

Natürlich. Ich würde Sie segnen und Ihnen ein Zeichen mit auf den Weg geben, das Ihnen die Angst nimmt und Mut macht. Ich selbst fliege übrigens sehr gerne. Die Vorzüge des Fliegens habe ich zu Mauerzeiten kennen- und schätzen gelernt.