Aufruf

"Es fehlen 300 Parkplätze im Kiez am Olivaer Platz"

Geschäftsleute, ADAC und IHK rufen zu Bürgerveranstaltung auf

Die Neugestaltung des Olivaer Platzes - von einer Anwohnerinitiative angeregt und durchgesetzt - hat jetzt ein zweites Bündnis auf den Plan gerufen: Nachdem bekannt wurde, dass bis zu 120 Parkplätze zugunsten von mehr Grünflächen wegfallen sollen, haben sich Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK), der AG City, vom ADAC sowie Gewerbetreibende und Anwohner zusammengeschlossen. Sie machen sich gemeinsam für eine Tiefgarage mit etwa 250 Plätzen auf dem Olivaer Platz stark. Ihre Hoffnungen setzen die Mitglieder jetzt darauf, Gehör und eine Mehrheit in einer Bürgerveranstaltung am 8. Mai, 19 Uhr, im Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, zu finden.

In der Versammlung sollen "Positionen zum Umgang mit dem ruhenden Verkehr" ausgetauscht werden. Das Ergebnis der Debatte wird als Empfehlung an die Bezirksverordneten gehen, die entscheiden, ob die Parkplätze zugunsten des Grüns ersatzlos wegfallen. Schon heute ist die Parkplatzsituation rund um den Olivaer Platz sehr angespannt. Nicht selten müssen Geschäftsleute am Morgen erst 20 Minuten kreisen, bis sie eine Lücke finden.

Künftig wird sich diese Situation noch verschärfen. 400 neue Wohnungen entstehen in unmittelbarer Nähe in den Rosengärten und im Haus Cumberland, aber nur 320 Tiefgaragenplätze. Fallen jetzt auch noch die Plätze auf dem Olivaer Platz weg, "entsteht ein Defizit von fast 300 Plätzen im Kiez", sagt Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City.

Für 2,5 Millionen Euro soll der Stadtplatz in direkter Nähe zum Kurfürstendamm umgestaltet werden. Die Summe kommt aus dem Senatsförderprogramm "Aktive Stadtzentren". In dem Siegerentwurf des landschaftsplanerischen Wettbewerbs sind derzeit zwei Varianten für die Gestaltung des Platzes vorgesehen: Die eine sieht nur noch einen Park mit Bäumen und Rasen vor, die andere berücksichtigt von den derzeit insgesamt 123 Plätzen zumindest 60 Parkplätze für Anlieger.

In der Jury des Wettbewerbs saß auch der zuständige Stadtrat Marc Schulte (SPD). Er habe sich für die Nullparkplatz-Variante ausgesprochen, bestätigte er am Freitag noch einmal. "Der Olivaer Platz soll als Grünanlage genutzt werden", argumentiert der Stadtrat. Zur Idee, eine Tiefgarage zu bauen, wollte er sich noch nicht äußern. "Darüber bilde ich mir erst ein Urteil, nachdem alle Details in der Bürgerversammlung vorgestellt worden sind", so Schulte.

Schon die zweite Versammlung

Das Bündnis, das sich für den Erhalt von Parkplätzen einsetzt, hat nichts dagegen, "dass der Platz noch attraktiver gemacht werden soll", sagt Jochen Brückmann, Leiter der Abteilung für Infrastruktur und Stadtentwicklung an der IHK. Dennoch hätten die Anrainer bei den Planungen einbezogen werden müssen. Die IHK hat eine Umfrage unter etwa 120 Unternehmern am Olivaer Platz gemacht. Das Ergebnis: 70 Prozent von ihnen wollen die Parkplätze erhalten. Das Bezirksamt hatte eine Befragung der Anrainer zum vorgesehenen Wegfall der Stellplätze abgelehnt. Dass es jetzt eine zweite Bürgerversammlung gibt, wertet die Initiative bereits als kleinen Erfolg.

"Die Abschaffung der Parkplätze geht am Interesse von Geschäftsleuten, Anwohnern und Besuchern vorbei", sagt Jörg Becker, Leiter Verkehr beim ADAC. Sie widerspreche zudem den Zielen des Umweltschutzes. Denn der Parksuchverkehr werde noch mehr Lärm und Abgase produzieren. Anwohnerin Aleksandra Zielinski gibt zu bedenken, dass sich das Problem der Parkplatzsuche nur in die anliegenden Straßen verlagern werde. Sie betreut Menschen, die beruflich nach Berlin ziehen und weiß, worauf Zugereiste Wert legen: "Die Balance von viel Grün und Parkplätzen macht Berlin attraktiv."

Philipp Spiller, Mitbegründer der Geschäftsleuteinitiative, stellt den Siegerentwurf eines Dresdener Architekturbüros generell infrage. "Die Pläne gehen an der Realität vorbei", sagt der Rechtsanwalt. So sei an der Lietzenburger Straße eine Baumreihe geplant, während auf der gegenüberliegenden Seite Terrassenplätze für Cafés entstehen sollen. Die lägen jedoch immer im Schatten. "Man hat das Gefühl, dass der Planer nicht mit der Situation vor Ort vertraut ist", sagt Spiller.