S-Bahn-Krise

Ein großes Risiko für die Bahn

Jens Anker über die unendliche S-Bahn-Krise

Immerhin gab es Freibier für die Mitarbeiter. Bahnchef Rüdiger Grube war höchstselbst erschienen, um das dürftige Jahresergebnis der S-Bahn in der wiedereröffneten Werkstatt in Friedrichsfelde vorzustellen. Dazu hatte Grube auch allen Grund. Denn die Deutsche Bahn kämpft zurzeit nicht nur mit defekten Zügen bei der S-Bahn, sondern auch um ihr künftiges Engagement ebendort. Jahrelang hatte der Mutterkonzern die S-Bahn ausgepresst, um sich mit Rekorderlösen für den Börsengang schön zu machen. Das hat sich gerächt. Seit zwei Jahren kann das Unternehmen die versprochene Leistung nicht abliefern - das zeigt, wie grob fahrlässig der Konzern jahrelang mit dem Tochterunternehmen umgegangen ist. Trotz eines Rekordumsatzes und steigender Fahrgastzahlen verzeichnet das Unternehmen erneut Verluste.

Die Lage könnte sich verschärfen, wenn der Senat, wie geplant, an der Teilausschreibung des S-Bahn-Netzes festhält. Dann müsste die Bahn dauerhaft auf Einnahmen aus dem Betrieb der S-Bahn verzichten, wenn sie sich das Netz mit einem Wettbewerber teilen müsste. Die jahrelange Vernachlässigung würde sich dann doppelt rächen - und die Managementfehler aus der Vergangenheit für den Mutterkonzern langfristig spürbar machen.

Die Fahrgäste bleiben dabei natürlich weiter auf der Strecke. Sie müssen noch lange mit einer reduzierten Leistung leben. Da ist das Freibier für die Mitarbeiter in der Werkstatt nur ein kleiner Trost.