Werkstatt für Behinderte

"Unser Werkzeug ist die Arbeit"

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Karoline Beyer

Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub gründete 1965 die erste Werkstatt für Behinderte

Konzentriert steckt Stefanie den Fernsehturm in eine kleine, längliche Tüte. Nadir neben ihr verpackt sie dann in einem weißen Karton. Nacheinander verschwinden zahlreiche knallbunte Spielfernsehtürme vom Tisch. Im Raum nebenan sitzt Birol mit seinen Kollegen, schiebt kleine Drähte in Telefonsteckdosen und legt sie anschließend in eine Kiste.

Alle wirken motiviert. Sie sind froh, hier zu arbeiten, in den Mosaikwerkstätten für Menschen mit Behinderung am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Dass sie das können, haben sie dem Engagement vieler Menschen zu verdanken. Eigentlich auch schon den Gründern. Und die feiern heute ihr 50. Jubiläum. Der Deutsch-Amerikanische Frauenclub von Berlin e.V. entstand, damit sich Berlinerinnen und die Frauen der amerikanischen Truppenangehörigen anfreunden konnten. Aber er sah von Beginn an eine seine Hauptaufgabe in sozialem Engagement. Er verankerte den Beitrag zur Völkerverständigung und Wohltätigkeit sogar in seiner Satzung. 1965, drei Jahre nach seiner Gründung, beschlossen die Mitglieder, etwas für Menschen mit Behinderung zutun. "Einrichtungen, in denen sie betreut und beschäftigt werden konnten, waren sehr rar", sagt Doris Linne (62), Präsidentin des Clubs. "20 Jahre nach dem Krieg war es noch nicht selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung erwachsen werden." Es habe zwar eine Senatseinrichtung gegeben. "Aber die nahm nur Menschen mit Behinderung auf, die mindestens 30 Prozent einer normalen Arbeitsleistung erbringen konnten. Und das war bei vielen nicht möglich." In einer Zehlendorfer Wohnung eines amerikanischen Offiziers gab es die ersten fünf Betreuungsplätze. Die Damen des German-American Women's Club packten selbst mit an, strichen die Räume, richteten sie ein und sorgten für die Mahlzeiten der Menschen, die beschäftigt wurden." Die Einrichtung wuchs, die Betreuung wurde immer umfangreicher, bald gab es erste öffentliche Fördermittel und Sozialarbeiter wurden eingestellt. Inzwischen sind die Mosaikwerkstätten ein großes, gemeinnütziges Unternehmen im Sektor Lohnarbeit geworden, in dem rund 1000 Menschen beschäftigt sind, das aber nach wie vor keinen Profit machen darf. Es gibt vier Standorte in Spandau, Reinickendorf, Mitte und Kreuzberg. Die Club-Damen spendieren in jedem Jahr ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier und ab und zu Rollstuhlurlaube, das heißt barrierefreie Reisen.

Zu Beginn seiner Zeit bestand der Club zur Hälfte aus Amerikanerinnen und Deutschen. Vor allem durch den Abzug der Alliierten nach dem Fall der Mauer änderte sich das. Mittlerweile sind sie zum überwiegenden Teil deutsche Mitglieder - insgesamt aber 135. Die Treffen finden nach wie vor in den Privathäusern statt. "Für die Berlinerinnen war es früher sehr spannend, einen Blick in die amerikanischen Haushalte zu werfen", sagt Doris Linne. Es gibt 12 verschiedene Interessengruppen, darunter eine Lunchgruppe, eine Bridgegruppe, eine Literaturgruppe und eine Gruppe für "English Conversation". Die Ziele des Clubs haben sich über die Jahrzehnte nie verändert. Immer noch hat "Welfare", die Wohlfahrt, oberste Priorität. Deshalb hat die Welfare-Gruppe auch die meisten Mitglieder, die ihre Treffen der Planung von wohltätigen Ereignissen, wie Basaren oder Charity-Veranstaltungen widmen. Außer um "Mosaik e.V." kümmern sie sich unter anderem noch um einen Studentenaustausch zwischen Deutschland und den USA. Sie unterstützen die jährlich rund 25 Studenten bei der Bürokratie, vermitteln ihnen Unterkunft und Kontakte. 30 deutsche Studenten gehen jedes Jahr in die USA. "Wir kontaktieren dafür die amerikanischen Partner-Unis des Verbandes Deutsch-Amerikanischer Clubs und übernehmen auch die Studiengebühren, denn die können bis zu 40.000 Euro betragen."

Aber Mosaik mache wirklich den größten Anteil der Welfare aus, sagt Doris Linne. Rund 1000 Menschen arbeiten an Produkten und Material, die von anderen Unternehmen, darunter zahlreiche Berliner Start-up-Unternehmen, geliefert werden. Viele arbeiten aber auch beim Tochterunternehmen "Mosaik-Service" in der Gastronomie: Die "Schwartzsche Villa" in Steglitz, das "Charlottchen" in Charlottenburg" und das "Forsthaus Paulsborn" in Grunewald. Außerdem gibt es einen Ökobauernhof in Kuhhorst bei Fehrbellin in Brandenburg. Die Beschäftigten sollen möglichst für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. "Wir haben einen Integrations-Auftrag", sagt Werkstattleiter Günter Albrecht (60). "Unsere Hauptaufgabe ist es, Menschen weiterzubilden und in die Gesellschaft einzugliedern", sagt Günter Albrecht. "Unser Werkzeug dafür ist die Arbeit."

Ihr Jubiläum feiern die Club-Damen heute im Grand Hotel Esplanade mit Empfang, Dinner und einem Musikprogramm der Bigband der Musikschule Steglitz-Zehlendorf. Auch die Männer dürfen dabei sein. Die Menschen mit Behinderung in den Mosaikwerkstätten freuen sich schon jetzt auf das stimmungsvolle Sommerfest mit den Damen des German-American Women's Club. "Für unsere Mosaik-Beschäftigten ist es ein Riesenereignis", sagt Günter Albrecht. "Und sie empfinden es vor allem als große Wertschätzung ihrer Arbeit." Im vergangenen Jahr fand es im Britzer Garten statt, wo es 2012 sein wird steht noch nicht fest. "Die meisten Gäste sind schon alte Bekannte - es wird wieder ein sehr herzliches Zusammensein," sagt Doris Linne.