Feiertag

Endlich ist es wieder richtig Sommer

Touristen und Berliner genießen den Tag, Strandbars und Parks sind gut besucht. Auf den Ausflugsschiffen gibt es kaum einen freien Platz

28 Grad und wolkenloser Himmel: So schön präsentiert sich der 1. Mai in Berlin. Endlich Sommer, denken sich die meisten und gehen, anstatt zu demonstrieren, lieber in den Park, an die Spree oder in den Biergarten. Urlaubsgefühle, wo man hinschaut, nicht nur bei den Touristen, sondern auch bei den Berlinern selbst, die sich über das sonnige Wetter an ihrem freien Tag freuen.

So auch Familie Marron-Boesang aus Schmargendorf. Sie nutzt den Feiertag, um gemeinsam einen Ausflug auf Inlineskates zu machen. "Endlich haben wir das mal geschafft, wir fahren oft nur ein oder zwei Mal im Jahr", erzählt Peter Boesang (49) und hält seine Frau Sylke (44) an der Hand. Sie ist noch etwas wackelig auf den ungewohnten Rollen unter ihren Füßen, aber der Tag hat ja auch gerade erst begonnen. "Außerdem suchen wir noch die optimale Strecke, hier vor dem Reichstag ist es doch etwas zu holprig", ermutigt die 14-jährige Luca ihre Mutter.

Urlaubsfeeling an der Spree

So sportlich wie Familie Marron-Boesang sind nicht alle Berliner an diesem 1. Mai. Anette Abraham (29), Susanne Krol (27) und Justine Plawecki (31) haben das lange Wochenende zu einem Berlinbesuch genutzt. An ihrem letzten Vormittag wollen sie vor allem eines: Entspannen an der Spree. Und haben sich Liegestühle in der Strandbar "Capital Beach" direkt am Hauptbahnhof ausgesucht. Mit einem kühlen Getränk in der Hand reden die Drei noch einmal über ihr gemeinsames Wochenende. "Ich bin ganz verliebt in diese Stadt", sagt Justine Plawecki. Freundin Susanne Krol ist froh, dass sie auf festem Boden die Spree vom Ufer aus genießen darf, denn "bei der Schifffahrt gestern bin ich seekrank geworden", erzählt sie. Von Krawallen und 1.-Mai-Demonstrationen haben die drei Frauen aus Nordrhein-Westfalen nichts mitbekommen. "Wir haben die Walpurgisnacht ganz entspannt mit einer Kneipentour in Prenzlauer Berg gefeiert und die Leute dort kennengelernt." Während die Kellnerinnen in den Strandbars am Hauptbahnhof schon am frühen Morgen viele Gäste bedienen müssen, ist es an der Friedrichstraße ungewöhnlich ruhig. Alle Geschäfte sind geschlossen, die Straßen menschenleer, und auch die Cafés unter dem S-Bahn-Bogen in Richtung Hackescher Markt sind kaum besucht. "Die Leute fahren einfach lieber an den Wannsee oder raus nach Brandenburg, das ist bei so einem Wetter jedes Jahr am 1. Mai das Gleiche", berichtet eine Serviererin. Ihr ist es recht, so muss sie ihren schattigen Platz am Tresen nicht so oft verlassen.

Kühl ist es auch im Pergamonmuseum. Umso mehr Menschen wollen an diesem freien Tag hinein und schwitzen beim Warten in der langen Schlange vor dem Eingang. Manfred (71) und Renate Nährich (70) sind deshalb extra früh aus Görlitz angereist. "So haben wir das lange Warten vermieden", sagen die beiden Rentner. Außerdem haben sie noch einiges vor an diesem Tag. "Wenn wir schon mal hier sind, machen wir auch gleich noch eine Dampferfahrt", sagt Renate Nährich, "denn das schöne Wetter muss man einfach genießen." Auch der Reichstag ist gut besucht an diesem 1. Mai. "Schlange stehen in der Hitze muss bei uns aber glücklicherweise keiner", sagt ein Mitarbeiter des Infopunktes und verweist auf die Vorabanmeldung, die jeder Besucher machen muss, der die Kuppel des Gebäudes besichtigen will. Der kleinen Samantha Ysabelle (4) aus Stuttgart ist das Sightseeing in Berlin hingegen egal - sie beeindrucken vielmehr die vielen gelben Löwenzahnblüten auf der Wiese vor dem Reichstag. Für ihre Mutter Ana Karemina Pera (32) hat sie schon einen kleinen Strauß gepflückt.

Sport im Viktoriapark

Dass einige Berliner schon wieder anfangen, sich über das warme Wetter zu beschweren, können die Studentinnen Stephanie Pérez und Lisie Mazy nicht verstehen. Sie stammen aus Mexiko, "da ist es das ganze Jahr viel heißer", erzählt Stephanie Pérez. Die Hitze kann den beiden 20-Jährigen nichts anhaben, und deshalb absolvieren sie in der prallen Sonne auf der Wiese im Kreuzberger Viktoriapark auch an diesem Feiertag ihr tägliches Sportprogramm. Bauch, Beine, Po - alles wird trainiert. Die Studentinnen tragen lange Trainingshosen und Jacken. Da wird den vielen Parkbesuchern auf den schattigen Bänken schon beim Zuschauen ganz warm. "Wir wollen doch fit bleiben - egal bei welchem Wetter", sagt Lisie Mazy lachend.