Urteil

Lebenslange Haft für Tötung des zwölfjährigen Sohnes

Als Birk D. das Urteil hörte, begann er zu weinen.

Nur er weiß, ob diese Tränen seinem Jungen galten oder wieder mal nur sich selbst - wie so oft in seinem Leben, überwältigt vom übergroßen Selbstmitleid.

Am 18. April vergangenen Jahres erschlug Birk D. seinen zwölf Jahre Sohn Julien mit einem Hammer. Dafür wurde der 32-Jährige am Montag von einem Moabiter Schwurgericht zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. "Es war ein Mord aus Heimtücke", sagte der Schwurgerichtsvorsitzende Peter Faust in seiner Urteilsbegründung. "Der Junge versah sich keines Angriffs. Er fühlte sich sicher in der Wohnung des Vaters. Und er hatte keine Verteidigungsmöglichkeiten."

Birk D. hatte diese Tat als eine Art Erlösung für den Sohn zu erklären versucht. Er habe angeblich aus einer tief depressiven Stimmung heraus mit dem Hammer zugeschlagen, gequält von der Sorge, die angeblich geliebten Kinder allein bei seiner geschiedenen Frau zurücklassen zu müssen. Von Richter Faust darauf angesprochen, sagte er vor Gericht, dass die Kinder unerzogen gewesen seien, sich einer Fäkalsprache bedient hätten. Und dass Julien auch mal versucht habe, ihn, den Vater, zu küssen. Er habe Sorge gehabt, der Junge sei homosexuell. "Es machte mich immer trauriger, wenn ich mir vorstellte, dass diese beiden lieben Kinder in dieser schrecklichen, gefühllosen und hoffnungslosen Welt vielleicht einmal auf den gleichen hoffnungslosen Weg geraten würden wie ich", hieß es in seiner vor Gericht verlesenen Erklärung. Am Ende habe er aber nicht mehr die Kraft gehabt, auch noch die Tochter zu erschlagen und anschließend, wie angeblich geplant, sich selbst zu töten.

Juristen nennen das einen versuchten erweiterten Suizid. Und wäre das Schwurgericht dieser auch von Birk D.s Verteidiger vertretenen These gefolgt, dann hätte es für Birk D. auch nur eine Verurteilung wegen Totschlages gegeben. Der Anwalt forderte für seinen Mandanten eine Strafe von "nicht mehr als zehn Jahren".

Die Richter glaubten jedoch nicht an diesen vermeintlich gescheiterten Selbstmord. Es sei höchst zweifelhaft, ob er je vorhatte, sich das Leben zu nehmen, sagte Faust. Eindeutig dagegen spreche "sein planvolles Verhalten nach der Tat".