Kultur

Jenseits der Schonzeit - Film aus dem Berliner Wahlkampf

| Lesedauer: 3 Minuten
Brigitte Schmiemann

Filmemacher Levi Salomon hat fünf Politiker während des Berliner Wahlkampfs begleitet

Susanne Graf wollte Ballerina oder Tierärztin werden, niemals Politikerin. Jetzt sitzt die 19-Jährige für die Piraten im Abgeordnetenhaus. Auch Burkard Dregger (47), Jurist und CDU-Abgeordneter, sagt, dass Politiker zu sein für ihn eigentlich kein Beruf ist, höchstens ein Mandat auf Zeit. Gesagt haben die beiden das nicht in persönlichen Interviews, sondern im Gespräch mit Levi Salomon während der Dreharbeiten zum Film "Demokraten". Regisseur Salomon nutzte im vergangenen Jahr die Zeit des Wahlkampfs, um mit der Kamera hinter die Kulissen des Politikbetriebs zu schauen. Neben Plakateaufhängen im Regen, Gesprächen mit Bürgern auf der Straße oder bei Versammlungen, durften die Politiker auch ihre persönlichen Beweggründe schildern, warum sie sich politisch engagieren. "Ich habe es den Fünfen, die wir begleitet haben, dabei nicht leicht gemacht, schließlich wollten wir herausfinden, was sie für Menschen sind, kann man ihnen trauen, vertreten sie uns, die Bürger, oder wollen sie sich nur bereichern", erläutert Salomon seine Idee zum Film. So unterschiedlich die Politiker auftreten, so sehr sich ihre politischen Ansichten auch unterscheiden: "Ihr unglaubliches Engagement trägt dazu bei, dass diese Stadt ihr Bestes gibt, und alle sind Demokraten", bilanziert Salomon, der die Politiker im Sommer 2011 allein auf 6000 Kilometer durch Berlin begleitet hat.

Bei der Auswahl der fünf Hauptpersonen - Burkard Dregger (CDU), Susanne Graf (Piraten), Klaus Lederer (Linke), Andreas Otto (Grüne) und Frank Zimmermann (SPD) - waren ihm die Parteien behilflich. Sie wählten ihre Kandidaten für den Film selbst aus. Salomon, der 1991 von Moskau nach Berlin übersiedelte und sich schon immer damit beschäftigte, wie Demokratien im Gegensatz zu Diktaturen funktionieren, legte nur Wert darauf, dass es sich um Politiker handelt, die Kontakt zu den Wählern haben, an der Basis agieren. Sogenannte Spitzenpolitiker seien schließlich in der Minderheit. Von den insgesamt 80 Stunden Filmmaterial hat er deshalb allein drei Stunden Aufnahmen mit der Grünen-Spitzenpolitikerin Renate Künast herausgeschnitten. Um die Politiker und ihr Umfeld möglichst unverfälscht zu zeigen, kommt der Film ohne Kommentare aus. Wahlkampfzeit, wenn die Politiker auf der Straße um jede Stimme kämpfen, ist keine Schonzeit: In Raucherkneipen stehen sie Rede und Antwort, in Kleingartenvereinen genauso wie in Unis. Salomon war nach eigener Auskunft daran gelegen, dass alles, was im Film zu sehen ist, spontan entsteht und der Regisseur nur als Beobachter dabei ist. Eine beeindruckende und nicht gestellte Szene hält das Team beispielsweise im Bild fest, als der Grünen-Politiker Andreas Otto vor Immobilienvertretern für bezahlbare Mieten eintritt, gleichzeitig durchsucht im Hintergrund ein Mann die Mülltonnen auf dem Hof nach Verwertbarem.

Voraufführung heute

Am heutigen Donnerstag wird Salomons Film die "Demokraten" ab 19 Uhr im Festsaal des Berliner Abgeordnetenhauses als Voraufführung zu sehen sein. Die öffentliche Premiere findet am Sonntag, 22. April, ab 18 Uhr im Kino Babylon im Rahmen des Filmfestivals "achtung berlin - new berlin film award" statt. Im Wettbewerb "Made in Berlin-Brandenburg" - Bester Dokumentarfilm ist "Demokratie" einer der zehn, die nominiert sind. Eine weitere Vorstellung gibt es am 25. April um 19.15 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain.