Ostkreuz

Oben hui, unten...

Bahnhofshalle am Ostkreuz eröffnet - doch noch funktioniert nicht alles

Manchmal geht selbst bei der Bahn etwas schneller als geplant. Hieß es noch in der Vorwoche, die Fahrtreppen im Bahnhof Ostkreuz werden erst im Mai fertig, so beförderte eine der Treppen bereits am Montagvormittag die ersten Fahrgäste von der Markgrafenstraße hinauf zum Ringbahnsteig. "Da wurde die ganze Nacht über gearbeitet, um das noch hinzubekommen", sagte ein Bahn-Mitarbeiter.

Der Anlass für den Sondereinsatz war indes auch ein besonderer: Nach vier Jahren, teils überaus lärmintensiven Arbeiten, 30 Wochenend-Sperrungen und einer 16-tägigen Vollsperrung des Ostrings zum Schluss über Ostern konnte die Bahn endlich die neue Bahnhofshalle am Ostkreuz in Betrieb nehmen. Mit 152 Meter Länge und bis zu 48 Meter Breite überspannt sie nicht nur den Perron für die Ringlinien der S-Bahn, sie beschützt auch die darunter liegenden Bahnsteige für die Ost-West-Linien. Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, dass das Warten am Ostkreuz für die Fahrgäste einst alles andere als ein Vergnügen war. Sie seien Wind und Wetter ausgesetzt gewesen und mussten zudem ausgetretene Stufen mühevoll erklimmen, um von einem Bahnsteig zum anderen zu gelangen. Mit der neuen Bahnhofshalle sei nun "ein wirklich imposantes Bauwerk" entstanden, das den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt noch attraktiver mache.

Ingulf Leuschel, Bahn-Bevollmächtigter für Berlin, betonte, dass mit Inbetriebnahme der Ringbahnhalle (Kosten: Zwölf Millionen Euro, davon drei Millionen Euro vom Land Berlin) und des elektronischen Stellwerks für den östlichen Ring (Kosten: 45 Millionen Euro) nun "Halbzeit" beim geplanten Ostkreuz-Umbau sei. Bis 2016 soll der wichtigste Knoten im Berliner S-Bahn-Netz - bis zu 320.000 Fahrgäste steigen dort täglich ein, aus oder um - komplett modernisiert sein. Zudem werden künftig auch Regionalzüge am Ostkreuz halten. Laut Leuschel wird es ab 2014 eine Zugverbindung von Eberswalde über Bernau und Lichtenberg bis zum BER-Flughafen in Schönefeld geben.

Die ersten Nutzer der neuen Bahnhofshalle zeigten sich überwiegend erfreut über deren Gestaltung. "Besser als in der Baustellenzeit ist es jetzt allemal, viel geräumiger und übersichtlicher auch", sagte etwa Tobias Kruse aus Neukölln. Brigitte Neumann aus Waldesruh war positiv überrascht: "Alles ist super ausgeschildert." Doch es gab auch Kritik. So ärgerten sich besonders Eltern mit Kinderwagen oder behinderte Fahrgäste darüber, dass noch keine Technik das Umsteigen zwischen den Ringbahn- und Stadtbahn-Linien erleichtert. "Wenn man in die Innenstadt will, kann man als Rollstuhlfahrer nicht am Ostkreuz umsteigen, es sei denn man holpert mit dem Rollstuhl die Treppen runter", sagte die 22-jährige Janine Willert aus Wilmersdorf.

Dieses Manko wird auch noch einige Monate bestehen blieben. Laut Projektleiter Mario Wand müssen erst einmal die alten Bahnsteige auf der Stadtbahn-Ebene erneuert werden, bevor dann auch Rolltreppen und Fahrstühle eingebaut werden können. Laut Wand soll der Bahnhof erst ab Sommer 2013 barrierefrei und damit auch von Rollstuhlfahrern uneingeschränkt nutzbar sein. Bis dahin müssen sie weiter teils erhebliche Umwege fahren. Noch länger werden diejenigen warten müssen, die am S-Bahn-Knoten - neun der insgesamt 15 Linien treffen sich dort - auf eine Toilette hoffen. Die soll es erst im Jahr 2016 geben, sagte ein Bahnsprecher.