Preispolitik

Gasag kämpft mit Gewinneinbruch und Kundenverlust

Dennoch sollen die Preise vorerst nicht steigen

Die Konkurrenz auf dem Berliner Gasmarkt, langfristige Lieferverträge mit den großen Gasversorgern und die milderen Temperaturen des vergangenen Winters haben bei der Gasag im Jahr 2011 zu einem deutlichen Gewinneinbruch geführt. Der Jahresüberschuss des Konzerns sank im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel auf 57 Millionen Euro - ein Einbruch von fast 22 Millionen Euro. "Auch der Gasabsatz in der Summe ist deutlich gesunken", sagte Gasag-Vertriebsvorstand Andreas Prohl am Mittwoch, als er den aktuellen Geschäftsbericht seines Unternehmens vorstellte.

Zwar hält die Gasag in Berlin nach wie vor einen Marktanteil von 80 Prozent, doch wanderten in den vergangenen fünf Jahren rund 100.000 Gaskunden ab zu anderen Anbietern. Erst zum ersten Februar hatte der Energieversorger seine Preise erneut angehoben. In den nächsten sechs Monaten aber, sagte Andreas Prohl, kämen auf die Kunden "mit Sicherheit keine Preissteigerungen" zu.

Grund für das schwache Ergebnis des Jahresberichts ist eine Erblast, unter der das Unternehmen seit Jahren leidet: Die Gasag hat Lieferverträge, die sie mit den Versorgern E.on Ruhrgas und Gaz de France (GdF) Suez geschlossen hat. Sie binden den Erdgaspreis noch bis zum Jahresende 2013 an den Ölpreis. Für die Gasag ein schlechtes Geschäft. Seit dem Jahr 2009 habe sich der Markt grundlegend verändert, sagte Vorstandschef Prohl. Weil sich die USA zu einem Selbstversorger entwickelt hätten und weniger Gas importierten, gebe es auf dem Markt in Europa eine "Gasschwemme". Die Konsequenz: Gas auf den freien Handelsmärkten ist günstiger als der Erdgasimport, der an den Preis des Rohöls gekoppelt ist und zu dem die Gasag vertraglich bindend einkaufen muss. Die Gasag wehrte sich dagegen vor Gericht. Im vergangenen Jahr legte sie Klage gegen die Gaslieferanten E.on und GdF Suez ein, die gleichzeitig zu den großen Aktionären der Gasag gehören. Im Oktober folgte ein gerichtlicher Vergleich zwischen der Gasag und der GdF, der es laut Berliner Gasversorger ermögliche, Gas zu "wettbewerbsfähigen Konditionen" einzukaufen. Der damalige Aufsichtsrat stimmte dem Vergleich zu.

Für Aufmerksamkeit hatte in den vergangen Tagen eine neuerliche Klage gesorgt. Der Ex-Aufsichtsratchef Karl Kauermann wehrt sich gegen den Vergleich und wirft den zwei Großaktionären Kartellabsprache vor. "Das ist Spekulation und nachweisbar falsch", sagte der Gasag-Vorstand am Mittwoch, der den Prozess nicht kommentieren wollte. Das Bundeskartellamt prüft den Fall nun auf "kartellrechtliche Relevanz", so ein Sprecher.