Ersatzverkehr

Worauf Sie sich während des S-Bahn-Umbaus einstellen müssen

Wegen Bauarbeiten ist der östliche Berliner S-Bahn-Ring gesperrt. Stattdessen fahren Busse. Morgenpost Online hat den Schienenersatzverkehr getestet.

Foto: Franka Bruns

Seit Anfang dieser Woche müssen die Berliner mit neuen, gravierenden Einschränkungen im S-Bahnbetrieb leben. Dieses Mal sorgen jedoch weder Fahrermangel, noch Technikausfälle für Probleme. Es sind lange geplante Bauarbeiten am Bahnhof Ostkreuz, die noch bis zum 16. April den Verkehr auf dem östlichen S-Bahn-Ring lahmlegen. Dort soll nach Ostern die neue Ringbahnhalle in Betrieb gehen. Doch bevor es soweit ist, müssen Gleise und Kabel verlegt und die neue Sicherungstechnik erprobt werden. Zwei Wochen lang fahren daher zwischen Neukölln bzw. Baumschulenweg und Schönhauser Allee statt der rot-gelben Züge nur Busse. Doch wie praktikabel ist der Ersatzverkehr, wie schnell kommt man mit ihm voran? Ein Selbsttest am Dienstagvormittag soll Antworten geben.

Start: Baumschulenweg

Los geht es am Vormittag um halb 11 Uhr am S-Bahnhof Baumschulenweg. Mein Ziel: der Bahnhof Schönhauser Allee. Am Bahnhof Baumschulenweg suche ich am Gleis vergeblich nach einem Hinweisschild, das mich zur Haltestelle für den Ersatzverkehr führt. Erst als ich unten im Bahnhof bin, sind die groß aufgestellten Tafeln der S-Bahn kaum noch zu übersehen. Ich folge dem aufgezeichneten Pfeil und sehe in einer kleinen Seitenstraße die Haltestelle für den Ersatzverkehr. Drei Busse stehen dort mit laufendem Motor hintereinander – warten scheint hier also niemand zu müssen. Angekommen an der Haltestelle werfe ich einen Blick auf den Fahrplan: die Abfahrten sollen im 5-Minuten-Takt erfolgen. Eine ältere Frau gleich neben mir kommentiert das Angebot: „Dieses mal haben sie den Schienenersatzverkehr wirklich gut hinbekommen.“ In der Hoffnung auf eine reibungslose Fahrt steige ich in einen Bus der Linie B, der zudem von einem überraschend gut gelaunten Busfahrer gelenkt wird. Wie bei einer Stadtrundfahrt sagt der Fahrer die Stationen bis zum Bahnhof Ostkreuz an.

Die meisten Fahrgäste wirken entspannt, der Bus ist relativ leer und in weniger als 20 Minuten endet die Fahrt am Ostkreuz. Hier warten bereits mehrere Fahrgäste auf den Bus der Ersatzlinie A, die von Neukölln am gesamten östlichen Ring entlangführt. Ein Abfahrtsschild für den Bus ist nicht zu finden, Mitarbeiter der Bahn sind nicht zu sehen, ich muss also eine der Wartenden fragen: „Es ist alles total chaotisch“, antwortet mir die Frau ziemlich wütend. Sie sei auf die S-Bahn angewiesen und müsse durch den Bus-Ersatzverkehr erheblich mehr Zeit für ihren täglich Weg zur Arbeit einplanen.

Großes Gedränge, als nach etwa fünf Minuten dann endlich ein Bus kommt. Doch der sorgt gleich für neuen Ärger. Der Reisebus ist viel zu klein für die vielen Wartenden. Der enge Mittelgang zwischen den Polstersitzen ist vor allem für Eltern mit Kinderwagen und ältere Fahrgäste ein echtes Problem. So mancher von ihnen dreht entnervt ab.

Von denen, die es doch in den Bus geschafft haben, greifen umgehend zum Telefon. Die einen entschuldigen sich schon mal beim Arbeitgeber, dass sie leider zu spät zur Arbeit kommen werden. Andere berichten ihren Familienangehörigen von der Nahverkehrs-Odyssee. Einer beschwert sich lauthals darüber, dass wegen der langen Fahrtzeit nun auch noch die Frist für sein Ticket abgelaufen ist – zwei Stunden gilt laut Tarif ein Einzelfahrschein, ist diese Zeit vorbei, müsste eigentlich ein neuer gekauft werden. Der Busfahrer hat seine ganz eigene Methode zur Stressbewältigung: Im überfüllten Bus schaltet er das Radio an. Für alle zu hören ist „I never promised you a rose garden“ (Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen). Der leicht ironische Unterton, den man in diesem Lied hören kann, passt gut zum holprigen Ersatzverkehr.

Ankunft: Schönhauser Allee

Ich schaue auf meine Uhr: bereits 50 Minuten bin ich unterwegs, doch das Ende der Fahrt scheint endlich in Sicht. Der Busfahrer kündigt per Mikrofon den nächsten Halt an: Schönhauser Allee! Eine Ansage, ob es sich dabei um die Endhaltestelle handelt, gibt es nicht. Die Mehrheit steigt dennoch aus, nur einige Fahrgäste bleiben im Bus sitzen. Es ist die bessere Entscheidung, denn die nun folgende Haltestelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Für eine Weiterfahrt mit S- oder U-Bahn eignet sich der letzte Ausstieg also wesentlich besser, doch dafür fehlte die Information.