Berlin kommt in Form, Teil 6

Auf dem Weg zum "Ironman"

Auch für Einsteiger gibt es passende Triathlon-Distanzen. Die besten Anfänger sind Schwimmer

Meist sind es Ausdauersportler aus den Bereichen Laufen, Schwimmen oder Radfahren, die aus ihrem eingefahrenen Sportlerleben ausbrechen und in mehreren Disziplinen an den Start gehen möchten. Oder das abwechslungsreiche Training von drei Sportarten den Routine-Übungen ihrer klassischen Disziplin vorziehen. Sie suchen die Abwechslung im Triathlon und trainieren all diese drei Sportarten. "Es sind überwiegend Läuferinnen und Läufer, die den Triathlon beziehungsweise das Training für einen solchen suchen", sagt Jürgen Lock, Geschäftsführer von SCC Events. Der Sportwissenschaftler hat jahrelang Triathleten betreut. "Das ist der ideale Weg zu einer Verbesserung der Ausdauerbasis. Mit dem Radfahren und Schwimmen werden wesentlich mehr und andere Muskelgruppen beansprucht."

Experten sind sich einig, dass Läufer ganz besonders vom Triathlontraining profitieren. "Mit einem regelmäßigen ausgleichenden Training lässt sich nicht nur die Ausdauerbasis steigern", sagt Lock. "Damit beugen Sportler auch Überlastungsbeschwerden vor und verbessern ihre physiologische Leistungsfähigkeit."

Wer an den Triathlon denkt - Schwimmen, Radfahren, Laufen in einem Wettkampf - hat meistens die bekannte Ironman-Distanz (3,8 Kilometer - 180 Kilometer - 42 Kilometer) im Kopf. Eine Hürde, die unüberwindbar scheint. Dabei gibt es zahlreiche Triathlon-Wettkämpfe über andere Distanzen. Ein guter Einstieg, auch für den Test der eigenen Kräfte, ist ein Wettkampf über die Sprintdistanz: 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen.

Die Technik entscheidet

"Ich kenne kaum jemanden, der den Triathlon-Sport nicht mit der Sprintdistanz begonnen hat", sagt Jörg Preiß. Der 52-Jährige darf sich bereits mit dem offiziellen Titel "Ironman" schmücken. Erkämpft hat er ihn sich auf Lanzarote. In ungefähr elf Stunden ist er 3,8 Kilometer im Meer geschwommen, 180 Kilometer auf dem Rad über die Insel gefahren und im Anschluss daran die Marathondistanz über 42,195 Kilometer gelaufen. "Ich habe früher viel Kraftsport gemacht und dann starke Rückenbeschwerden bekommen", sagt er. "Als Ausgleich habe ich dann mit dem Laufen begonnen." Von einem Trainer im Sportstudio wurde er angesprochen, ob er nicht an einem Sprinttriathlon teilnehmen möchte. "Laufen konnte ich, Radfahren auch, nur beim Schwimmen musste ich sehr viel Technik trainieren." Sein Trainingspensum liegt mittlerweile bei durchschnittlich 15 bis 20 Stunden in der Woche. "Ich habe glücklicherweise eine Partnerin an meiner Seite, die sehr viel Verständnis für meinen Sport hat", sagt er. "Meine Freundin ist Schwimmerin und läuft auch, aber zu einem Triathlon konnte ich sie noch nicht überreden." Preiß bestreitet pro Jahr einen Ironman, zwei Mitteldistanzen über die Hälfte der klassischen Ironman-Distanz und kleinere Wettkämpfe. Sein Fazit: "Die meisten Triathleten kommen vom Laufen, die besten vom Schwimmen."

Diese Einstellung teilt auch SCC-Triathlon-Experte Lock. "Viele sehr gute Triathleten kommen aus Schwimmvereinen", sagt er. "Es gibt einige Schwimmvereine, die auch Triathlonabteilungen gegründet haben." Um einen Triathlon erfolgreich zu bewältigen, müssen die Sportler vor allem die Schwimmtechnik üben, um im Wettkampf Kraft zu sparen.

"Wer bereits richtig schwimmen kann, für den sind das Laufen und Radfahren reine Fleißaufgaben", sagt Lock. Einige Athleten hätten geradezu Angst, in freien Gewässern zu schwimmen. "Viele müssen in einem freien Gewässer üben, sich zu orientieren." Ideal dafür seien die Krumme Lanke und der Schlachtensee. "Der SCC wird vor dem Triathlon am 1. Juli auch Trainingseinheiten im Freiwasser anbieten", sagt Lock. "Das wird dann bei den Trainingsplänen im Internet stehen."

Der City-Triathlon des SCC ist der erste offizielle "5150 Triathlon" in Berlin. Die vier Zahlen sind die Summe aus 1,5 Kilometer Schwimmen und 40 Kilometer Radfahren plus 10 Kilometer Laufen, der olympischen Triathlon-Distanz. Geschwommen wird in der Spree, danach geht es mit dem Rad zur Tempelhofer Freiheit auf dem ehemaligen Flughafen. Dort findet zum Abschluss der Laufwettbewerb statt.

1000 Athleten sind willkommen

"Es haben sich schon mehr als 550 Teilnehmer angemeldet", sagt Lock. "Ich gehe davon aus, dass sich nach dem Halbmarathon noch deutlich mehr Sportler anmelden werden. Um die 1000 Athleten können an den Start gehen." Eine von ihnen ist Alexandra Weber. Sie hat ihre Leidenschaft für den Triathlon vor zwei Jahren entdeckt. Sie hatte allerdings eine ganz andere angestammte Sportart. "Ich habe 20 Jahre lang das Springreiten semi-professionell betrieben", sagt sie. "Meine Stute und ich haben sich aus dem Wettkampfsport verabschiedet. Das Pferd ist im 'Mutterschutz' und ich konzentriere mich auf den Triathlon."

Infos zum "5150 Triathlon" unter www.5150berlin.com