Bildung

Eltern fordern mehr Schulplätze für Hochbegabte

Familien beharren auf einem Platz am Rosa-Luxemburg-Gymnasium

Elisabeth Müller-Timm ist eine betroffene Mutter. Sie spricht von einem Skandal: "Am 5. März, bereits zwei Tage nach dem Eignungstest, wurde uns per Mail seitens der Schule mitgeteilt, dass unser Kind zu der Gruppe gehört, die schon jetzt als aufgenommen am Rosa-Luxemburg-Gymnasium gilt", sagt sie. Vom 19. März an sollten die auf diese Weise benachrichtigten Eltern einen Kennlern-Termin mit dem Schulleiter ausmachen. Gut zwei Wochen später, am 22. März, sei dann aber der zweite Brief der Schule gekommen, in dem die Zusage wieder zurückgenommen worden sei. Die Schule dürfe nur zwei statt drei Schnelllerner-Klassen aufmachen, sei in dem Schreiben klargestellt worden. Müller-Timm bezeichnet dieses Vorgehen als pädagogisch nicht vertretbar. Es sei ein verheerendes Signal, wenn Kinder erst über zwei Wochen lang von allen Seiten zu ihrem Erfolg beglückwünscht würden und dann sogar entgegen dem schriftlichen Bescheid plötzlich eine Absage erhielten. "Sie dürfen sich gerne ausmalen, wie man einem Kind von neun Jahren dies vermittelt", heißt es im Widerspruchsschreiben der Müller-Timms.

Unterstützung von der CDU

Auch alle anderen betroffenen Eltern wollen die Ablehnungsbescheide nicht hinnehmen und mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Am heutigen Mittwoch treffen sie sich deshalb mit Mark Rackles (SPD), Staatssekretär von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Außerdem haben sie eine Petition an das Abgeordnetenhaus vorbereitet. Elisabeth Müller-Timm sagt: "Wir appellieren an alle zuständigen Stellen, ihr Vorgehen noch einmal zu überdenken. Ein schulpolitischer Streit darf nicht in dieser Weise auf dem Rücken der betroffenen Familien ausgetragen werden."

Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungssenatorin, betont indes, dass im kommenden Schuljahr wegen der großen Nachfrage neben den zurzeit bestehenden elf Schnelllerner-Klassen drei zusätzliche aufgemacht werden, und zwar am Reinickendorfer Humboldt-Gymnasium, am Dathe-Gymnasium in Friedrichshain sowie am Otto-Nagel-Gymnasium in Marzahn-Hellersdorf. Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium sei leer ausgegangen, weil es in Pankow bereits neun fünfte Klassen an Gymnasien gebe und im angrenzenden Bezirk Reinickendorf ebenfalls neun solcher Klassen angeboten würden. In Marzahn-Hellersdorf gebe es bisher hingegen nur drei grundständige Gymnasialklassen. Deshalb habe man dem Otto-Nagel-Gymnasium erlaubt, eine weitere Schnelllerner-Klasse aufzumachen.

Hildegard Bentele, schulpolitische Sprecherin der CDU, fordert indes genügend Schulplätze für hochbegabte Kinder. "Ich unterstütze die Forderungen der Eltern", sagt sie. Zudem habe ihr Bildungssenatorin Scheeres zugesagt, dass ihre Verwaltung nach Lösungen für die Kinder suchen werde, so Bentele weiter. Diese Zusage müsse eingehalten werden.

Nachdem es im vergangenen Schuljahr weniger Bewerbungen für die Schnelllerner-Klassen gab, als Plätze vorhanden waren, haben sich in diesem Jahr wieder deutlich mehr Kinder auf die nun 14 Klassen für hochbegabte Schüler beworben. Allein das Rosa-Luxemburg-Gymnasium habe nach Aussage von Schulleiter Ralf Treptow 60 geeignete Schüler, die alle die entsprechenden Tests bestanden hätten, abweisen müssen. "Wir haben die Klassenräume und die Lehrer, mussten die Schüler aber trotzdem wegschicken", sagt Treptow.

Laut Bildungsverwaltung gibt es in Berlin zurzeit 1890 Plätze für fünfte Klassen an Gymnasien, dazu gehören auch die Schnelllerner-Plätze. Dem stünden aber 2247 Anmeldungen gegenüber. Dabei sei allerdings noch nicht klar, ob alle angemeldeten Schüler auch die Aufnahmetests bestanden haben und wie viele sich letztlich doch für einen der 500 Plätze an Privatschulen entscheiden würden.

Stoffers sagt, dass es berlinweit noch einige wenige Plätze in Schnelllerner-Klassen - am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf, am Weddinger Lessing-Gymnasium sowie am Albrecht-Dürer-Gymnasium in Neukölln - gibt. Außerdem seien natürlich auch einige Plätze an anderen grundständigen Gymnasien frei. Wenn die 30 Familien allerdings ausschließlich das Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Betracht zögen, so sei das sehr problematisch, so Stoffers.