Gesundheitsreport Berlin 2012

Berliner Beschäftigte melden sich seltener krank

Mit der Gesundheit der Hauptstädter scheint es langsam aufwärts zu gehen. Während in allen anderen Bundesländern im Vorjahr die Krankmeldungen gestiegen sind, ist der Krankenstand in Berlin leicht zurückgegangen. Allerdings lag er immer noch deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Das geht aus dem Gesundheitsreport Berlin 2012 der DAK hervor.

Die gesetzliche Krankenkasse hat für den repräsentativen Report die Krankenscheine von insgesamt 94.000 ihrer erwerbstätigen Versicherten ausgewertet.

Nach Angaben der Krankenkasse sank der Krankenstand in Berlin auf 3,9 Prozent. Konkret heißt das: Von 1000 Berliner Arbeitnehmern erschienen pro Tag 39 Beschäftigte nicht zur Arbeit. Der Bundes-Durchschnitt liegt mit 3,6 Prozent jedoch deutlich unter dem Berlin-Wert. "Wir werten die Entwicklung dennoch als großen Erfolg. Denn Berlin war viele Jahre bundesweit Spitzenreiter mit dem höchsten Krankenstand", sagte Steffi Steinicke, Landeschefin der DAK-Gesundheit.

Berliner bleiben länger zuhause

Wenn die Berliner allerdings krankheitsbedingt zu Hause bleiben, dann tun sie dies im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Bundesländern wiederum am längsten: Rund 12,7 Tage lagen die Angestellten im Durchschnitt auf dem Krankenlager. Im übrigen Deutschland kurieren Beschäftigte ihre Krankheit in nur 11,5 Tagen wieder aus.

Doch neben dem Positivtrend beim Krankenstand gibt es auch eine besorgniserregende Entwicklung. Denn die Berliner Beschäftigten leiden im Bundesvergleich am dritthäufigsten an psychischen Erkrankungen. Die Fehlzeiten wegen Krankheiten, die darauf zurückzuführen sind, stiegen in Berlin seit 2002 um zehn Prozent. Der Anteil psychischer Leiden an allen Krankheiten ist im Vorjahr von 13,9 auf 14,3 Prozent gestiegen. "Depressionen & Co. Machen in Berlin heute knapp ein Siebtel des gesamten Krankenstandes aus", sagte Steinicke. Seelische Krankheiten dauerten meist lange: Im Schnitt fehle ein Betroffener in Berlin mit diesem Krankheitsbild rund 29 Tage.

Im Mittelpunkt des diesjährigen DAK-Gesundheitsreports steht der Zusammenhang von Herzinfarkt und Arbeitswelt. Jeder zehnte Befragte in Berlin leidet demnach an einer sogenannten Gratifikationskrise. Darunter wird eine besondere Form von arbeitsbedingtem Stress verstanden, die entsteht, wenn für Beschäftigte die "Belohnung" nicht mehr im ausgewogenen Verhältnis zu ihrer Anstrengung steht.

Für diese Betroffenen bestünde ein mehr als doppelt so hohes Herzinfarktrisiko, sagte Steinicke. Auffällig sei, dass Gratifikationskrisen je nach beruflichem Status unterschiedlich häufig vorkämen. Derzeit erleiden in Deutschland noch immer 800 Menschen einen Herzinfarkt - jeden Tag. Auch wenn die Zahl der Patienten in den vergangenen 25 Jahren stetig zurückgegangen ist, starben 2010 bundesweit noch 60.000 Menschen am Infarkt; in Berlin gab es rund 2100 Infarkt-Tote. Männer und Frauen sind nahezu gleichermaßen betroffen. Auch wenn in der Regel erst Personen ab 65 Jahren risikogefährdet sind: Längst können auch junge Beschäftigte betroffen sein - insbesondere, wenn der Stress am Arbeitsplatz zu groß wird.

Arbeiter leiden besonders

Auffällig ist nach DAK-Angaben, dass Gratifikationskrisen je nach beruflichem Status unterschiedlich häufig vorkämen. So litten bundesweit Facharbeiter mit 11,2 Prozent überproportional daran, ebenso Arbeiter mit 10,8 Prozent. Unterdurchschnittlich betroffen seien Selbstständige und Freiberufler mit 3,9 Prozent sowie Beamte im Höheren Dienst mit 6,7 Prozent.

Die Krankenkasse will nun bei den Berliner Unternehmen das Bewusstsein für diese Problematik schärfen. Denn mit einer Gratifikation, die sich die Waage hält, könnten psychische Probleme vermindert werden. "Unser Ziel ist es, Kooperationen mit Betrieben einzugehen und gemeinsam mit dem Arbeitgeber individuelle Präventionsmaßnahmen zu schaffen", sagte DAK-Chefin Steinicke.

Die Berliner Arbeitgeber haben laut der Krankenkasse verschiedene Möglichkeiten, sich in dieser Frage um ihre Angestellten zu kümmern. Das Vermindern des Arbeitsvolumens, das auf den Schultern des Beschäftigten lastet, kann eine Maßnahme sein. Oder aber das Schaffen von Zeiträumen, die dem kollegialen Austausch dienen. Aber selbst ein einfaches Lob kann ein Balsam für die (Arbeitnehmer-)Seele sein. Besonders beliebt bei Beschäftigten: Ein angemessenes Gehalt. Dieses nehmen Angestellte aller Altersgruppen noch immer als größtmögliche Form von Wertschätzung wahr.