Wahrnehmung

"Ohne Guggenheim" - New Yorks Medien bedauern die Berliner

So ganz haben die New Yorker den Protest der Berliner gegen das BMW Guggenheim Lab nicht verstanden. Das kommt in Medien zum Ausdruck, die das Thema aufgegriffen haben. Während die Wochenzeitung "The New York Observer" recht emotionslos darüber berichtet und einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert, spürt man auf der dazugehörigen Website GalleristNY ein gewisses Bedauern.

Leid tun dem Autor allerdings weder das Guggenheim noch der Sponsor BMW, sondern ausgerechnet die Berliner selbst. Diese seien wohl ab Ende des Jahres "traurigerweise ganz ohne Guggenheim", schreibt Andrew Russeth. Denn dann wird die Niederlassung des Guggenheim-Museums Unter den Linden schließen.

Ob am Ende ganz Berlin oder nur die Bewohner Kreuzbergs oder nur ein ganz bestimmter Teil Kreuzbergs gegen das Guggenheim waren, spielt in der Wahrnehmung im Ausland keine große Rolle. Dort geht es um die Stadt Berlin, und die hat ihr Urteil gefällt. Zu ihrem eigenen Schaden. Dabei bleiben die New Yorker ganz emotionslos. Beleidigt ist deswegen keiner auf der anderen Seite des Atlantiks.

Auch die Website Insiderater, bei dem normalerweise vor allem Immobilienthemen gepostet werden, widmet sich dem Thema. Schließlich gibt es genügend New Yorker, die sich aus Begeisterung für Berlin eine eigene Wohnung dort gekauft haben oder sich für eine interessieren. In der Überschrift zu dem Eintrag steht, dass es zu der Absage an den Standort Kreuzberg wegen Gewaltandrohung kam. Der Blog wird auch von Investoren gelesen, die nach einer geeigneten Immobilie in Berlin suchen. Ob dies ihre Entscheidung beeinflussen wird, muss man abwarten.

Zumal New Yorker Berlin ja gerade auch für seine herbe Art, für das Unfertige und Rebellische lieben. Das erinnert sie an das Leben in ihrer eigenen Stadt, bevor Bürgermeister Rudy Giuliani in den 90er-Jahren die Kriminalität durch einen rigorosen Polizeieinsatz massiv verringerte.

Nur dass sich der Protest der Berliner ausgerechnet gegen das Guggenheim richtete, dürften viele New Yorker kaum verstehen. Der weiße, schneckenförmige Bau des Guggenheim-Museums an der Ostseite des Central Park gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Zwar wurde der Architekt Frank Lloyd Wright während des Baus teilweise heftig kritisiert. Er hat die Eröffnung ganz knapp nicht mehr erlebt und verpasst, wie sehr sich die New Yorker später mit dem Guggenheim identifizierten. Auch mit einem Autohersteller als Sponsor haben die New Yorker kein Problem. Die Citibank sponsert das Yankee Stadium in Queens, das Spielfeld einer der beiden großen New Yorker Baseball-Mannschaften. Nun hat die Bank seit der jüngsten Finanzkrise nicht gerade den besten Ruf. Dass es deshalb zu Protesten gegen das Stadion gekommen wäre, auf dem auch noch groß das Logo der Citibank prangt, ist indes nicht bekannt.