Polizei

Schulen warnen vor Sexualstraftäter

Der Versuch eines Unbekannten, ein zehnjähriges Mädchen in sein Auto zu locken, sorgt derzeit unter Eltern und Lehrern in Alt-Hohenschönhausen für Unruhe. Die Polizei nimmt den Vorfall nach Angaben eines Sprechers ernst, die örtlichen Einsatzkräfte sind zu besonderer Wachsamkeit in der Umgebung des Tatorts aufgefordert worden. Auch die Eltern weiterer in unmittelbarer Nähe liegenden Schulen wurden informiert.

Der Vorfall ereignete sich bereits Anfang der vergangenen Woche. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde eine zehnjährige Schülerin der Obersee-Grundschule auf dem Heimweg von einem Mann angesprochen. "Willst du mal meine kleinen Häschen sehen, die ich im Auto habe?", hatte der Unbekannte das Mädchen offenbar gefragt. Die Schülerin reagierte jedoch völlig anders, als sich der Mann vermutlich erhofft hatte. Sie ließ ihn stehen, rannte zurück zur Schule und informierte sofort eine Lehrerin.

Daraufhin wurde von der Schulleitung umgehend die Polizei eingeschaltet, auch die Mutter des Kindes wurde informiert. In deren Beisein befragten Polizisten die Schülerin. Für ein Phantombild und eine Öffentlichkeitsfahndung reicht die Personenbeschreibung allerdings nicht aus, hieß es am Mittwoch seitens der Polizei. So musste sich die Behörde zunächst damit begnügen, die Beschreibung an die Funkstreifenbesatzungen im Bezirk und die Beamten des örtlichen Abschnitts weiterzugeben.

Die Leitung der Obersee-Grundschule an der Roedernstraße reagierte nach Bekanntwerden des Vorfalls schnell. Unterrichtet wurden nicht nur die Eltern der eigenen Schüler, sondern auch benachbarte Schulen. Diese wiederum leiteten die Information in Elternbriefen weiter. Auch Eltern informierten sich per E-Mail oder Telefon gegenseitig. "Alle, die es angeht, sind jetzt im Bilde, und alle sind hoffentlich wachsam", sagte eine Lehrerin. Den Eltern sei dringend empfohlen worden, ihre Kinder, soweit es geht, selbst zur Schule zu bringen und wieder abzuholen. Sei das nicht möglich, solle dafür Sorge getragen werden, dass die Schüler den Schulweg nur in Gruppen antreten, erklärte die Pädagogin.

Die Polizei belässt es nicht dabei, im Gebiet um den Tatort in Hohenschönhausen verstärkt Streife zu fahren. "Experten des Landeskriminalamtes haben den Schulen Beratungs- und Präventionsveranstaltungen angeboten", sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Für die Polizei, aber auch für die Schulbehörde geht es in solchen Fällen darum, den richtigen Umgang sowohl mit derartigen Vorfällen als auch mit den Betroffenen zu finden. "Für uns ist es wichtig, Eltern, Schüler und Lehrer für mögliche Gefahren zu sensibilisieren und zur Wachsamkeit anzuhalten, ohne Panik und Angst zu schüren", sagte Neuendorf.

"Möglich, dass er es wieder versucht"

Über den mysteriösen Unbekannten, der das Mädchen ansprach, weiß man so gut wie gar nichts. Die Polizei kennt auch seine Beweggründe nicht, obwohl der Verdacht auf einen Sexualstraftäter natürlich naheliegt. Dass der Unbekannte zumindest offenbar keine Gewalt anwendet, indem er Kinder ins Auto zerrt, ist eine vorsichtige Einschätzung der Beamten, weniger gefährlich muss das den Mann aber nicht machen, hieß es bei der Polizei. Auch das Risiko, dass der Mann weitere Schüler ansprechen könnte, lässt sich schwer einschätzen. "Es ist durchaus möglich, dass so jemand es immer wieder versucht, es kann aber auch sein, dass er von der Reaktion auf seine Tat abgeschreckt wird", lautet die alle Möglichkeiten offen lassende Bewertung eines mit Sexualdelikten vertrauten Ermittlers.

Nach Angaben von Polizeisprecher Neuendorf kommt es "immer mal wieder" vor, dass Kinder von Männern angesprochen werden. Vor allem Tiere würden dabei bevorzugt als Lockmittel eingesetzt, mal kleine Kätzchen, mal Hundewelpen, oder - wie in diesem Fall - Häschen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben glücklicherweise gezeigt, dass sich selbst Zehnjährige von Tierbabys nicht mehr sonderlich beeindrucken lassen. In allen ihm bekannten Fällen hätten wie auch in der vergangenen Woche in Alt-Hohenschönhausen die Kinder absolut richtig reagiert. Sie seien sofort weggelaufen und hätten Eltern und Schulen informiert, zu Sexualtaten sei es dabei zum Glück nicht gekommen, schilderte Neuendorf die bisherigen Erfahrungen der Polizei mit Fällen, in denen Kindern auf dem Schulweg von Fremden angesprochen wurden. Weitere Vorfälle wie der vom Montag vergangener Woche sind bislang weder der Polizei noch den Schulen in der Umgebung bekannt geworden. An dem Wahrheitsgehalt dessen, was die Zehnjährige von der Obersee-Grundschule schilderte, hat die Polizei allerdings keinen Zweifel. "Die Aussagen des Mädchens waren glaubhaft und plausibel", sagte Neuendorf. In der Vergangenheit hat es in Berlin einige Fälle gegeben, bei denen sich die Schilderungen von Kindern als "nicht ganz der Wahrheit entsprechend" erwiesen haben. Das ist in diesem Fall nach allen bisherigen Einschätzungen von Ermittlern allerdings nicht der Fall.

"Wir wollen Eltern, Schüler und Lehrer sensibilisieren und zur Wachsamkeit anhalten, ohne Angst zu schüren"

Thomas Neuendorf, Polizeisprecher