Standort

Wowereit schreibt Brief an Guggenheim

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Absage des Guggenheim-Projekts in Kreuzberg bedauert. Ein so renommiertes Zukunftsprojekt wie das "BMW Guggenheim Lab" verdiene es, dass Berlin den roten Teppich ausrolle.

"Ich bedauere sehr, dass unsachgemäße Kritik und Versuche der Einschüchterung durch plumpe Drohungen dazu geführt haben, dass die Veranstalter den bislang geplanten Standort in Kreuzberg nicht mehr weiter verfolgen", teilte Wowereit am Dienstag mit. Senatssprecher Richard Meng sagte, Wowereit werde einen Brief an die Organisatoren schreiben.

Ursprünglich wollte das BMW Guggenheim Lab von Mai bis Juli nahe dem Spreeufer zu Veranstaltungen über das Leben in Großstädten einladen. Nach Drohungen haben die Organisatoren die Pläne für den Standort aufgegeben. "Berlin ist eine vielfältige, internationale Stadt, in der die dafür zuständigen Behörden die Sicherheit garantieren", machte Wowereit klar. Das habe er auch gegenüber den Veranstaltern noch einmal deutlich gemacht. "Protestaktionen kleiner Minderheiten oder gar Drohungen an Recht und Gesetz vorbei werden daran nichts ändern." Ein auf Kreativität ausgerichtetes Projekt wie das Labor sei ein Gewinn für Berlin. "Es bleibt in unserer Stadt willkommen."

Tourismuschef verärgert

Berlins Tourismuschef zeigte sich verärgert: Es gebe einzelne Gruppen in Kreuzberg, die zunehmend zum Problem würden, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin. Das habe mit der Stimmungsmache gegen Touristen angefangen und setze sich nun nahtlos fort. "Ausgerechnet die, die sich immer Multikulti auf die Fahnen schreiben, werden zum Problem für die Vielfalt dieser Stadt. Das werden wir nicht zulassen."

Auch Innensenator Frank Henkel (CDU), der sich schon am Vortag geäußert hatte, erneuerte seine Kritik an den Gegnern des Vorhabens. "Es ist besorgniserregend, wenn einige entscheiden wollen, wer in den Kiez gehört und wer nicht", sagte Henkel am Dienstag. "Gegen Kritik ist nichts einzuwenden, aber Einschüchterungsversuche sind nicht hinnehmbar. Sie sind mit einer liberalen und toleranten Metropole unvereinbar." Gleichzeitig äußerte er seine Hoffnung, das Projekt an eine andere Stelle nach Berlin zu holen.

Das New Yorker Guggenheim-Museum bestätigte am Dienstag, man habe sehr wohl mit Widerstand und Protesten in Kreuzberg gerechnet. Die Debatte über steigende Mieten und Verdrängung aus dem Stadtteil, die die Kritiker als Haupteinwand gegen das Labor vorgebracht hatten, sei den Organisatoren bekannt gewesen, sagte eine Guggenheim-Sprecherin. Gerade diese Themen sollten in dem Lab diskutiert werden. Auch in New York habe es vor Eröffnung des Labs im East Village Widerstand gegeben. "Der Zweck des Labs ist ja gerade der Dialog und der Umgang mit den lokalen Gemeinschaften", so die Sprecherin. Kontroversen seien kein Problem für Guggenheim.