Villa

Nun ist auch Juhnkes Haus Geschichte

Es war eine jener Ecken im Grunewald, die Berliner kannten - das weiße Haus an der Lassenstraße 1/Ecke Koenigsallee. Dort wohnte einer ihrer großen Idole, Harald Juhnke. Der Entertainer, Schauspieler, Komödiant, Sänger und West-Berliner, der Generationen mit seinem Talent für sich einnahm und der sich einnehmen ließ.

Bis er Ende 2001, vier Jahre vor seinem Tod und schwer von dem Alzheimer-Syndrom gekennzeichnet, auszog.

Viele Berliner hatten an der Adresse oft gewartet, um ein Autogramm ihres Idols zu bekommen. Als es ihm noch gut ging. Als er noch nicht vom zerstörerischen Alkohol gekennzeichnet war. Und als noch keine Einlieferung in ein das später unaufschiebbare Pflegeheim absehbar bar. Seit dem gestrigen Dienstag sind nun auch diese Erinnerungen Geschichte. Das Haus, das von einem Münchner Rechtsanwalt gekauft worden war, wurde nun abgerissen. Es war bereits 2007 bei Bauarbeiten so stark beschädigt worden, dass ein Abriss diskutiert worden war.

In der Villa hatte Harald Juhnke zu Lebzeiten stets viele andere Stars empfangen. "Zu Hause, in seiner schmucken Grunewald-Villa, mit einem vollverspiegelten Wintergarten und Zimmer-Springbrunnen, wäre der geldbringende Frontmann der Juhnke GmbH bei aller Krankheit länger jung geblieben", schrieb 2005 der Münchner Gesellschaftskolumnist Michael Gräter in einer Würdigung Juhnkes. Juhnke, Jahrgang 1929, sei nicht nur in den "50er-und 60er-Jahren ein Star" gewesen, sondern der "Titelblatt-Titan der 70er, 80er und 90er Jahre". Auch wenn am Ende von Juhnkes Leben die privaten Nachrichten überwogen. Etwa als der Star einmal mit einem jungen Mädchen im "Interconti" von Journalisten auf einem Zimmer entdeckt wurde. Sichtlich angetrunken. Sein Name, schrieb Gräter über Junke weiter, "den kannte wirklich jeder in Deutschland. Titelzeilen mit krassem Kontrastprogramm wechselten sich ab."

"Wieder blau" wurde überholt durch "Trockenes Comeback", auf "Trauriger Entschluss: Ich trinke mich zu Tode" folgte ein neuer Aufstieg: "Phoenix aus der Flasche". Nach jedem Exzess rettete der Star sich damals in seine Villa, manchmal im Auto eines Freundes, oder er kehrte per Taxi heim in den heimatlichen Grunewald, in seine Villa, die auch seine Fluchtburg war. Juhnke war zweimal verheiratet, war ein ewiger Charmeur und großartiger Schauspieler. Romy Schneiders Mutter Magda soll davon geträumt haben, ihn als Schwiegersohn zu haben, schrieb Kolumnist Gräter. Aber Polizistensohn Harry ging nicht mit Romy zum Standesamt, sondern heiratete am 8. April 1971 auf dem Bezirksamt Wilmersdorf die Schauspielerin Susanne Hsio, Tochter eines chinesischen Kochs und einer Ostpreußin. Sie spielte einmal neben Omar Sharif in "Dschingis Khan", und Produzent Albert Broccoli hatte sogar die Idee, aus ihr ein Bond-Girl zu machen. Dazu kam es aber nicht. Ehefrau Susanne hielt lange zu ihm. Aber als der Alkohol vollends Macht über den berühmten Schauspieler erlangt hatte, sah man, dass sie die Kräfte verließen. Eigentlich hatte sich Harald Juhnke vorgenommen, auf den Brettern, die seine Welt bedeuteten, zu sterben. Zynisch erzählte er einmal: "Ich stelle mir vor, ich kann mich nach dem Stück nicht mehr verbeugen. Statt dessen kommt der Theaterdirektor heraus und sagt: ,Herr Juhnke lässt sich entschuldigen, aber er ist soeben gestorben.'" Mit dem Abriss ist endet nun ein weiteres Stück von Juhnke Geschichte.