Countdown Flughafen: Noch 81 Tage

Flughafen zieht immer mehr Firmen an

Es gibt nicht viel, was Kirsten Weber am Ende ihres Arbeitstages in Wildau hält. Die 34-Jährige fährt dann zügig nach Berlin-Mitte oder heim nach Spandau. Doch das könnte sich bald ändern. Wildau liegt in der sogenannten Airport-Region rund um den neuen Flughafen BER, von der sich die Politik Tausende Arbeitsplätze für die Hauptstadtregion erhofft.

Die Nähe zu der Großbaustelle hat auch Kirsten Webers Arbeitgeber, die amerikanische Firma Turbine Technologies, angelockt. Der im US-Bundesstaat Wisconsin ansässige Betrieb stellt Bauteile für Triebwerke her. Ende vergangenen Jahres entschloss sich die Geschäftsführung, in Deutschland die erste ausländische Tochtergesellschaft zu gründen. Im Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau fand sie dafür ideale Bedingungen. Neben Büroräumen gibt es dort Werkräume, in denen die Mitarbeiter genügend Platz haben, um aufwendige Turbinenkonstruktionen zu testen und herzustellen. Drei Kollegen hat Kirsten Weber bislang in Wildau. "Wir wollen aber noch deutlich aufstocken und suchen vor allem gut ausgebildete Ingenieure", sagt sie. Insgesamt 20 Mitarbeiter sollen hier demnächst Bauteile anfertigen, die später von weltweit tätigen Firmen wie etwa MTU Aero Engines zu fertigen Turbinen zusammengesetzt werden. Die Aufbruchstimmung überträgt sich laut Kirsten Weber aber auch auf das Leben außerhalb der Arbeit. Vor Kurzem hat eine Cafeteria eröffnet. "Man merkt an den neuen Cafés, dass sich hier in der Gegend etwas tut", sagt Kirsten Weber.

Für den Großraum Berlin bietet der neue Flughafen daher eine große Chance. Mehr als 5000 Arbeitsplätze sind allein im vergangenen Jahr in der Airport-Region entstanden. Die ansässigen Fördergesellschaften Berlin Partner und die ZukunftsAgentur Brandenburg haben dort 118 Firmen bei der Niederlassung unterstützt. Dies ist im Vergleich zu 2010 ein deutlicher Zuwachs. Bereits im Vorjahr kamen 4117 neue Stellen dazu. So hat unter anderem Siemens sein Turbinentestzentrum dort angesiedelt, und Nextira One bietet anderen Firmen Dienstleistungen rund um die Kommunikation an. Dazu gehört etwa Hilfe beim Aufbau eines Callcenters. Die beiden Förderagenturen sehen nicht zuletzt durch solch weltweit agierende Konzerne "die Wirtschaftsstruktur der gesamten deutschen Hauptstadtregion gestärkt".

Lange wurde beklagt, dass die ehemals in Berlin ansässigen Industrien - bedingt durch Krieg und Teilung - abgewandert und auch nach der Einheit nicht zurückgekommen sind. Dies ist ein entscheidender Grund, weshalb Berlins Wirtschaft bis heute stark von Gastronomie und Dienstleistungsbetrieben abhängt. Durch den Flughafen könnte sich dieses Ungleichgewicht zumindest etwas verringern. Dies zeigen die ersten Ansiedlungen rund um die Großbaustelle.

So sitzt der Werkstoffprüfer Zeros bislang noch im Stadtteil Marzahn, zieht demnächst aber mit einem Teil des Betriebs in unmittelbare Nachbarschaft des neuen Flughafens. Die 25 Angestellten von Zeros prüfen für große Firmen wie Siemens und Alstron, ob beispielsweise der gekaufte Stahl den Anforderungen entspricht oder ob Schweißnähte an stark beanspruchten Teilen auch extremen Bedingungen wie hoher Hitze standhalten. Sind die Prüfer von Zeros zufrieden, bekommt das Material das entscheidende Gütesiegel verpasst. Diese Arbeit findet natürlich nicht nur in Berlin statt. Die Kunden sitzen in aller Welt. Aus dem Grund ist etwa die Hälfte der Mitarbeiter von Zeros ständig auf Dienstreisen. Sie machen sich direkt auf den Weg zu den Kunden, anstatt die schweren und großen Teile zu ihnen liefern zu lassen. "Die Nähe zum Flughafen ist uns viel wert", sagt Geschäftsführer Roger Sebastian. Es macht das Reisen für die Mitarbeiter angenehmer und verkürzt den Transportweg, falls doch Teile per Luftfracht kommen.

Viele der neuen Firmen in der Airport-Region haben aber auch direkt einen Bezug zur Luftfahrt. Die 40 Mitarbeiter von TFC schulen Piloten und Flugbegleiter an den Standorten Essen, Köln und München. Vor Kurzem sind auch in Berlin vier Angestellte dazugekommen. Unternehmenschef Christian Käufer will diese Zahl in den kommenden Jahren auf zehn erhöhen. "Sie sollen die Kursteilnehmer sowohl neu ausbilden als auch auf Extremsituationen vorbereiten", sagt Käufer. Wegen des höheren Streckenangebots am BER rechnet er mit steigender Nachfrage von Seiten der Fluggesellschaften.

Weitere Informationen, Bilder, Videos und interaktive Grafiken zum Flughafen BER im Internet unter: morgenpost.de/flughafen