Prozess

Er versprach die große Liebe, wollte aber nur ihr Geld

Frank H. ist viel herumgekommen in Deutschland. Nicht immer waren seine Ortswechsel freiwillig, oft ließ er Menschen zurück, die er zuvor mit falschen Versprechungen um viel Geld gebracht hatte. Momentan ist die Bewegungsfreiheit des 39-Jährigen allerdings eingeschränkt. Weil er auch in Berlin zahlungswillige Opfer fand, sitzt er in Moabit in Untersuchungshaft. Am Montag wurde er wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu vier Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Neun Taten zwischen Februar 2009 und November 2010 wirft die Staatsanwaltschaft dem gebürtigen Itzehoer vor. Die Opfer: vier Frauen, die der Angeklagte über Partnervermittlungen kennenlernte. Der Gewinn für den weitgehend geständigen Angeklagten: knapp 100.000 Euro.

Die Kontaktaufnahme zu den Opfern erfolgte über das Internet, dann traf man sich persönlich und kam sich schließlich näher. Und immer wurden die Damen freigiebig. Entweder bot er die Vermittlung von fantastischen Geldanlagen an, oder er erwähnte "kleinere geschäftliche Probleme", für deren Lösung er etwas finanzielle Hilfe gebrauchen könne. Um Begründungen für seinen Geldbedarf war der 39-Jährige, der eine kaufmännische Ausbildung hat, nicht verlegen. Mal hatte das Finanzamt seine Konten gesperrt, mal hemmte ein vorübergehender Liquiditätsengpass sein geschäftliches Wirken. In einigen Fällen war die Wurzel allen Übels die Ex-Frau, die bei der Scheidung kräftig die Hand aufgehalten hatte, dann wieder drohte die Mafia wegen offener Spielschulden.

Von einer Neuköllnerin, Angestellte im öffentlichen Dienst, erhielt H. auf diese Weise über Monate immer wieder Geld, insgesamt fast 50.000 Euro. Zum Teil musste sich die 47-Jährige das Geld selbst leihen. "Wenn man sich in einer Beziehung blind vertraut, dann hilft man sich", erklärte die Frau als Zeugin im Prozess. Das blinde Vertrauen hatte für die Frau schlimme Folgen. Sie häufte Mietschulden an, ein Bankkredit platzte, ihr Konto wurde gekündigt, am Ende meldete sie Privatinsolvenz an.

Ein anderes Opfer, eine ebenfalls 47 Jahre alte Zahnarzthelferin, köderte der Angeklagte mit einer Geldanlage. Sie sollte 8000 Euro investieren, um schon nach drei Wochen 9100 Euro zurückzuerhalten. Die Frau ließ sich nicht nur auf dieses Geschäft ein. Sie investierte weitere 7000 Euro, geliehen von einer Freundin, und dann nochmals 6000 Euro, für die sie einen Kredit aufnahm.

Spielsucht nannte der Angeklagte als Grund für seine Taten. Einen hohen sechsstelligen Betrag habe er bereits verzockt, in mondänen Spielcasinos ebenso wie in Hinterzimmern. Die Sucht erwähnte H. auch gegenüber einigen Opfern, dabei womöglich auf Mitleid setzend. Der Neuköllnerin hat er davon allerdings nichts erzählt, gab die als Zeugin an: "Spielsucht? Bei mir hat er immer nur ,Mensch ärgere dich nicht!' mit meinem Sohn gespielt."

Die Berliner Frauen sind nicht die ersten Opfer des Angeklagten. In den vergangenen zehn Jahren haben ihn bereits Gerichte in Schleswig-Holstein, Hessen und im Saarland wegen Betrugs verurteilt. Immer versprach er große Gewinne und kassierte in einigen Fällen mehr als 100.000 Euro. Die nutzte er ausschließlich für sich, ohne jemals auch nur ein Geschäft zu tätigen. In einer Urteilsbegründung wurde zu seinen Gunsten festgestellt, die Opfer hätten ihm das Geld fast aufgedrängt.

H. sei ein einfühlsamer Partner und geduldiger Zuhörer gewesen, Ehrlichkeit habe bei ihm eine große Rolle gespielt, begründeten die Opfer ihr scheinbar grenzenloses Vertrauen. "Es ist ein Schlag, wenn man sich so in einem Menschen irrt", sagte ein Opfer. Für die Frau ist es nur ein schwacher Trost, dass sich auch andere irren können, Gerichte zum Beispiel. In der Begründung der Richter zu H.s erster Verurteilung 2003 heißt es: "Es ist davon auszugehen, dass der Verurteilte keine weiteren Straftaten begehen wird."